Mutig


(nmz) -
Gleichzeit – eine musikalische Zeitreise. Werke von Poppe, Hindemith und Bernd Alois Zimmermann; Junge deutsche Philharmonie, Dir. Susanna Mälkki; EMCD-010
Ein Artikel von Martin Hufner

Es gibt gewiss informativere oder inspirierendere Titel, als den für diese CD ausgewählten. Im schlimmsten Fall war die Präsenz Bernd Alois Zimmermanns für diese touristische Idee der Ratgeber. Nun sind Titel das eine, die Musik ist das andere. Wie soll man auch drei extrem divergierende Werke unter einen Hut bringen?

Enno Poppes „Markt“ (zugleich ein uraufgeführtes Werk), Paul Hindemiths Sinfonie „Mathis der Maler“ und Bernd Alois Zimmermanns Konzert für Trompete „Nobody knows de trouble I see“ eint hier in erster Linie, dass es die Junge Deutsche Philharmonie ist, die sie zusammen auf eine CD pressen ließ. Freilich, nicht ohne Vergnügen beim Hören zu hinterlassen. Enno Poppes „Markt“ kommt dabei etwas unentschlossen daher, in drei Sätzen gebrochen. Doch erst im dritten Teil findet der Markt wirklich zu sich, lässt sich laufen, klingt aus sich heraus und findet zum eigenen Ton. Viel einfacher geht es mit der Sinfonie Hindemiths, die noch im selbstverständlichen Musizierton des frühen 20. Jahrhunderts beheimatet ist. Da funktionierten noch Klang und Tempo wie von selbst.

Die teilweise erstaunlichen Klangwirkungen in Hindemiths Stück sind in dieser Aufnahme wenig dekorativ herausgeschält. Längst dirigiert hier nicht mehr der Zeigefinger-Taktstock, so wenig wie bloße Routine. Susanna Mälkki findet einen sehr warmen Ton an den Geschmackschluchten vorbei.

Umso schwieriger wirkt Zimmermanns Trompetenkonzert von 1954. Die Musiksprache ist nach dem 2. Weltkrieg zerronnen und hat nicht wieder zusammengefunden in einer „runden“ Sache. Bei Zimmermanns Stück ist die Musik unsicher geerdet, als folge sie fahrig mal dem einen Faden, dann einem anderen. Ein recht schweres Stück Musik, das nur im rhythmischen Bereich abschnurrt. Insgesamt eine mutige Zusammenstellung von Werken der letzten 80 Jahre, zumal es sich dabei um einen Live-Mitschnitt aus der Tonhalle Düsseldorf handelt.

Kommentar hinzufügen

Der Inhalt dieses Feldes wird nicht öffentlich zugänglich angezeigt.
CAPTCHA
Diese von Menschen zu lösende Aufgabe ist zur Vermeidung von Spam-Inhalten leider notwendig.
Bild-CAPTCHA
Geben Sie die Zeichen ein, die im Bild gezeigt werden.

Ähnliche Artikel

  • Phantasy of Spring - Neue CD mit Carolin Widmann und Simon Lepper
    06.10.2009 Ausgabe 10/2009 - 58. Jahrgang - Rezensionen - Juan Martin Koch
  • Unterschlagener Hindemith - Paul Hindemith: Klaviermusik mit Orchester; Antonin Dvorák: 9. Symphonie „From the New World“
    09.07.2009 Ausgabe 7/2009 - 58. Jahrgang - Rezensionen - Christoph Schlüren
  • Musikalische Kraftpakete, virtuelle Räume - Neue Musik auf neuen CDs, vorgestellt von Max Nyffeler
    06.10.2016 Ausgabe 10/2016 - 65. Jahrgang - Rezensionen - Max Nyffeler
  • Alte Orchesterschocker und neue Elektronikwelten - Neue Musik in neuen Aufnahmen, rezensiert von Max Nyffeler
    19.12.2010 Ausgabe 12/2010 - 59. Jahrgang - Rezensionen - Max Nyffeler
  • Jedem Kind sein Instrument - Paul Hindemith. Plöner Musiktag
    04.04.2011 Ausgabe 4/2011 - 60. Jahrgang - Rezensionen - Michael Kube