Nachrichten 2018/03

MaerzMusik, Facebook, Instagram, Münchner Biennale …


(nmz) -
Krieg der Zeiten bei MaerzMusik Berlin +++ Facebook, Instagram und Oculus lizensieren zukünftig Musikinhalte +++ Nichtkomponisten komponieren für Münchner Biennale +++ Vor 50 Jahren: Aufruf und Annonce +++ Mit dem Tod von Rita Jans geht eine Ära zu Ende +++
Ein Artikel von nmz-red

Krieg der Zeiten bei MaerzMusik Berlin

Die Berliner Festspiele reflektieren mit MaerzMusik – Festival für Zeitfragen (16. bis 25. März) den „Krieg der Zeitlichkeiten“ unserer Gegenwart. Die 10 Tage mit rund 30 Veranstaltungen – Konzerte, Performances, Installationen, einer Ausstellung und einem Diskursprogramm – mit 5 Premieren, Langzeitformaten und Porträts von Julius Eastman, Terre Thaemlitz und Ashley Fure ermöglichen Begegnung im Hören und Gespräch. Unter anderem sind bei Maerz-Musik 2018 folgende Ensembles zu Gast: Apartment House, Ensemble Resonanz, zeitkratzer, PHØNIX16, Sonar Quartett, S.E.M. Ensemble und The Necks. Mit speziell zum Thema entwickelten Projekten sichtbar will Festivalkurator Odo Polzer den „sys-temischen Zeit-Krieg des Turbo-Kapitalismus; die Ausbreitung digitaler Zeitregime; die langsame Gewalt der Umweltzerstörung“ sichtbar machen.

Facebook, Instagram und Oculus lizensieren zukünftig Musikinhalte

Facebook-Nutzer sollten in Zukunft keine Urheberrechtsprobleme mit Musik in ihren Videos mehr haben. Das Online-Netzwerk schloss eine Vereinbarung mit der Organisation International Copyright Enterprise (ICE).

ICE wurde 2015 als ein gemeinsamer Lizenz- und Verarbeitungsdienst der drei Verwertungsgesellschaften GEMA (Deutschland), PRS for Music (United Kingdom) und STIM (Schweden) gegründet. Unter dem Dach des Joint Ventures fließen die Dokumentation von Urheberrechten, die Lizenzierung digitaler Musikanbieter und die Verarbeitung von digitalen Nutzungsmeldungen zusammen. Seit 2016 bietet ICE Musiknutzern das Online-Repertoire von GEMA, PRS for Music und STIM europaweit aus einer Hand an. Das heißt digitale Musikdienste erwerben von ICE eine gebietsübergreifende Lizenz für das Gesamtrepertoire der drei Partner.

ICE nimmt die Rechte gegenüber digitalen Musikdiensten im Namen von GEMA, PRS for Music und STIM wahr. Von dem Deal abgedeckt sei die Musik von über 290 000 Rechteinhabern in 160 Ländern, teilten Face­book und die ICE mit. Details der finanziellen Konditionen wurden nicht kommuniziert.
Die Vereinbarung gilt neben der Facebook-Plattform auch für die Fotoplattform Instagram, den Kurzmitteilungsdienst Messenger und die Virtual-Reality-Angebote bei Oculus. Das Online-Netzwerk hatte zuvor bereits Rechtedeals mit den Musikkonzernen Universal Music und Sony Music sowie Independent-Labeln abgeschlossen.

Nichtkomponisten komponieren für Münchner Biennale

Komponieren heißt Klang gestalten. Daniel Ott glaubt, dass in jedem ein Komponist steckt, der der Welt aufmerksam zuhört und Rhythmen und Klängen nachspürt. Daniel Ott leitet zusammen mit Manos Tsangaris die Münchener Biennale, das Festival für neues Musiktheater. An der Münchner Volkshochschule bietet er vom 23. Februar bis 10. Juni 2018 eine Komponierwerkstatt an. Wer schon mal dem Rhythmus der Brandung zugehört hat und dazu den Leuchtturm blinken sah, morgens den wechselnden Klängen von Vogelgezwitscher und Kaffeemaschine lauscht, ist möglicherweise bereits Komponistin oder Komponist, ohne es zu wissen. Die Teilnehmerinnen und Teilnehmer lernen, bewusster akustisch zu „beobachten“ und werden im nächsten Schritt Klang gestalten, um in die tönende Umwelt einzugreifen. Am Ende der Werkstatt werden die Kompositionen im Rahmen der Münchener Biennale am 10. Juni aufgeführt. www.mvhs.de

Vor 50 Jahren: Aufruf und Annonce

Welche kultur- und bildungspolitischen Themen bewegten uns vor 50 Jahren? Und welche heute? Sind es gar dieselben? Auf Seite 44 exponiert unser Redakteur Eckart Rohlfs – gemeinsam mit Verleger Bernd Bosse Gründer der nmz – einige der damals „heißen“ Themen in seiner Kolumne „Vor 50 Jahren“. Und er bittet unsere Leser, die dieses Halbjahrhundert in verschiedenen Phasen selbst erlebt und mitgestaltet, vielleicht mit durchkämpft haben, hierzu um ihre kritische Meinung, vor allem um Anregungen und Folgerungen zum Status quo. Die Chefredaktion unterstützt seinen Aufruf und wird selbst aktiv: In den folgenden Ausgaben sollen Experten und Künstler gezielt zu den von Rohlfs genannten Themen zu Wort kommen. Lesen Sie zunächst unser Dossier „Freie Szene“, in dem sich Bojan Budisavlevic mit den Folgen der Wende vor 50 auf Komposition, Ästhetik und nicht zuletzt die Arbeits – und Produktionsbedingungen der Musiker von heute auseinandersetzt. ak

Mit dem Tod von Rita Jans geht eine Ära zu Ende

Mangels Nachfolger werden die  Internationalen Weingartener Tage für Neue Musik eingestellt. Der Förderkreis der Internationalen Weingartener Tage für Neue Musik hat nach langen Überlegungen das Ende dieses Musikfestivals beschlossen. Nach dem Tod der Initiatorin und Leiterin Rita Jans im Jahr 2017 werden diese Musiktage nicht fortgeführt. In einer Presssmitteilung hieß es: „Es ließ sich niemand finden, der diese charismatische, menschlich und künstlerisch beeindruckende Persönlichkeit ersetzen beziehungsweise die Musiktage fortführen könnte.“ Die an der PH Weingarten lehrende Pianistin Rita Jans hatte dieses Festival initiiert und drei Jahrzehnte erolgreich geleitet. Der nmz-Herausgeber Gerhard Rohde beschrieb 2012 die konzeptionelle Ausrichtung folgendermaßen: „Das Wunderbare, Sinnstiftende an den Weingartener Musiktagen ist seit einem Vierteljahrhundert, dass die Konzentration auf jeweils einen Komponisten diesen besonders eindringlich und umfassend zu präsentieren vermag.“

Alle großen Komponisten waren in Weingarten: John Cage, Karlheinz Stockhausen, György Kurtág, Sofia Gubaidulina, Mauricio Kagel, Helmut Lachenmann, Wolfgang Rihm und so weiter. Die Musiktage waren aber auch für viele unbekanntere Komponisten ein Sprungbrett zu einer großen Karriere. Dem Publikum bot das Festivalkonzept die attraktive Möglichkeit, einen umfassenden Einblick in das Gesamtwerk der eingeladenen Komponisten zu gewinnen. Den Erfolg des Festivals erklärte der Musikkritiker Reinhard Schulz folgendermaßen: „Weingarten ist in Deutschland immer noch erste Adresse, wenn man einen Komponisten gründlich und perspektivenreich kennen lernen will.“

Doppelte Ausschreibung für Amateure und Profis

Die Winfried Böhler Kultur Stiftung möchte dazu beitragen, ein attraktives, künstlerisch hochwertiges und spielbares Repertoire zeitgenössischer Musik für Kinder, Jugendliche oder erwachsene Amateure zu machen. In einer Kooperation fordern die  Stiftung und das Netzwerk Neue Musik Baden-Württemberg Komponisten auf, sich für eine Auftragskomposition für ein Kooperationsprojekt von Laien- und Profiensembles zu bewerben. Weiter werden Ensembles aufgerufen, sich für ein Kooperationsprojekt zwischen Laien- und Profiensembles zu bewerben. Inhaltlich geht es dabei um die Realisierung der Uraufführung eines neu komponierten Werkes zeitgenössischer Musik. Die Ausschreibung ist offen für Vokal- und Instrumental-Ensembles aller Art. http://neuemusikbw.com/

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