Noten-Tipps 2020/03

Posaunen-Soli und Beethovens Kammermusik mit Streichinstrumenten


(nmz) -
199 Posaunen Soli aus der klassischen Musik vom Barock bis zur Mitte des 20. Jahrhunderts. Zusammengestellt und neu gesetzt von Heiner Wehking und Meinhold Wenner. Das Album ist erhältlich bei Bücher Wenner, Osnabrück, www.buecher-wenner.de +++ Ludwig van Beethoven: Kammermusik mit Streichinstrumenten – 13 Bände im Schuber. Studien-Edition (Taschenpartituren). G. Henle Verlag
Ein Artikel von Andreas Kolb, Juan Martin Koch

199 Posaunen Soli aus der klassischen Musik vom Barock bis zur Mitte des 20. Jahrhunderts. Zusammengestellt und neu gesetzt von Heiner Wehking und Meinhold Wenner. Das Album ist erhältlich bei Bücher Wenner, Osnabrück, www.buecher-wenner.de

199 Posaunensoli aus der klassischen Musik vom Barock bis zur Mitte des 20. Jahrhunderts – wer hier etwa an Orchestervorspielstellen denkt, liegt falsch: Die beiden Autoren haben die Literatur von Corelli bis Bartók nach „schönen Stellen“ für die Posaune abgesucht und sind 199-mal fündig geworden. In dem kuriosen, aber auch famosen Band finden sich Melodien aus Oboen-, Geigen-, Cello- und Flötenkonzerten genauso wie Arien und Lieder oder Themen aus der Klavierliteratur – alles neu gesetzt für Posaune. Ein musikalisch wilder Ritt durch vier Jahrhunderte Musikliteratur, der aber gut erschlossen ist durch zwei Register (Komponisten A–Z und Komponisten-Geburtsjahr).

Die Musik der vergangenen Jahrhunderte wird hier zum Potpourri – das mag mancher geschmäcklerisch bis geschmacklos finden, unbestritten ist, dass man hier als Posaunist überraschende Entdeckungen machen kann. Ganz nebenbei kann man richtig gut Posaune üben, denn die Soli bieten einfach mehr Spaß als jede dröge Lip-Flexibility, die übliche Alban-Schule oder Ähnliches.

Die Stücke sind in sechs Schwierigkeitsgrade unterteilt und bieten die Möglichkeit einer progressiven Aneignung. Und so steht dem Posaunisten nichts mehr im Wege, sein Herzblut in Bartóks „Ein Abend auf dem Lande“ oder Beethovens „Adagio cantabile“ aus der Grande Sonate Pathétique zu vergießen. An die Ausstattung darf man nicht zu hohe Erwartungen richten, aber der Druck ist gut les- und blätterbar. Dennoch geht nichts über Originalliteratur, dachte sich der Autor dieser Zeilen nach dem Studium einiger der 199 Soli und nahm die Etüden von Johannes Brahms wieder mal in die Hand. Die liegen doch perfekt für’s Blech, oder? Aber Achtung – die sind auch nicht für Posaune geschrieben, sondern für Trompete. Die ewige Suche des Posaunisten nach Solo-Literatur geht weiter.

Andreas Kolb

Ludwig van Beethoven: Kammermusik mit Streichinstrumenten – 13 Bände im Schuber. Studien-Edition (Taschenpartituren). G. Henle Verlag, HN 9020

Der Titel dieser opulenten, mit knapp 130 Euro aber durchaus preisgüns­tigen Box ist mit Bedacht gewählt. Denn natürlich enthält sie nicht sämtliche Kammermusik mit Streichern, schießlich müssten dann zum Beispiel auch die Klaviertrios enthalten sein. Aber auch ohne Klavier ist dies ein Schatz exquisiter Musik, beginnend mit den Streichquartetten, dem bedeutendsten, für die weitere Geschichte der Gattung maßgeblichen Zyklus. Die frühen und mittleren Quartette sind in je einem Band zusammengefasst, die späten einzeln verfügbar. So wie diese Bände erfreulicherweise nicht nur die gängigen Werke enthalten, sondern auch die schöne Streichquartettfassung der Klaviersonate op. 14,1, die erste Fassung von op. 18,1 sowie ein Menuett und ein Allegretto ohne Opuszahl, so laden auch die übrigen Bände dazu ein, in den Reichtum von Beet­hovens Schaffen abseits dieser Monumente einzutauchen: in die wunderbaren, viel zu selten zu hörenden Streichtrios und -quintette zum Beispiel oder in die Streicherfassung des Bläsertrios op. 87. Die Notentexte der zum Großteil in den vergangenen zehn Jahren erschienenen Studieneditionen im handlichen, aber noch gut lesbaren Format greifen zumeist auf die bereits erschienenen Bände der Gesamtausgabe zurück, berücksichtigen aber seither gemachte Quellenfunde. Neu sind die Bände zu den frühen Quartetten mit den erwähnten Ergänzungen und zu den Streichtrios und -duos (darunter das wunderbare „Duett mit zwei obligaten Augengläsern“). Hierfür hat Robert D. Levin auch ein fragmentarisch überliefertes Duo für Violine und Violoncello zu einer reizvollen Miniatur fortgeschrieben. All dies lohnt in Augenschein genommen zu werden, mit oder ohne Gläser.

Juan Martin Koch

Das könnte Sie auch interessieren: