Noten-Tipps 2012/11


(nmz) -
Christiane Michel-Ostertun: Arbeitsblätter zur Orgelimprovisation. Band I: Barock +++ Thaddäus Huber (1742–1798): Divertimento in G für zwei Violinen und Violoncello (Basso). Partitur und Stimmen. +++ Kiwi Karakia: Acht Songs der Maori aus Neuseeland für Akkordeon arrangiert von Ralf Schwarzien. +++ Mel Bonis (1858–1937): Suite pour Violon et piano, op. 114 (1926).
Ein Artikel von Eckart Rohlfs

Christiane Michel-Ostertun: Arbeitsblätter zur Orgelimprovisation. Band I: Barock, 180 S., Ed. 3345; Band 2: Klassik, 50 S., Ed. 3375. Strube Verlag München

Was ein rechter Organist ist, will auf seinem Instrument auch improvisieren. Wie kann man das lernen? Diese Arbeitsblätter geben in Ergänzung zu der Autorin „Grundlagen der Orgel­improvisation – Harmonisieren von Chorälen“ (Strube 9054) eine Fülle von stilistischen und formellen Mus­terbeispielen vor allem aus der Literatur des Barocks und einige aus der der Klassik, die es zu studieren gilt und die zum eigenen Probieren und intensiven Üben anhand der Modelle anregen. 

Diese Arbeitsblätter sind ein sehr praktikables Angebot, wohl durchdacht, von ersten Anleitungen zum einfachen Intonieren, von Choralvorspielen bis zu kunstvollen kontrapunktischen Varianten. Auf diesem Weg verraten sich manche kompositorische Geheimnisse, und man findet manche Tipps und Tricks, die eigene Phantasie zu lenken. Ein dritter Band, Romantik, ist in Aussicht gestellt.

Thaddäus Huber (1742–1798): Divertimento in G für zwei Violinen und Violoncello (Basso). Partitur und Stimmen. Erstdruck, herausgegeben von Peter Erhart. Doblinger Dialetto DM 1443, ISMN 979-0-012-20009-3

Man mag ihn, den Wiener Hofkapellmusiker, im Schatten der gro­ßen Klassiker stehend, als Kleinmeister abtun: Sein Divertimento aus Archiven des Stifts Melk und der Wiener Musikfreunde will auch gar nicht mehr sein als eine vergnüglich heitere Hausmusik, die, Melodie führend in der ersten Geige, geschickt nachahmt, was stilistisch Papa Haydn vorgegeben hat.

Kiwi Karakia: Acht Songs der Maori aus Neuseeland für Akkordeon arrangiert von Ralf Schwarzien. Eres Edition 2528, ISMN 979-0-2024-2528-2

Dem Volk der Maori abgelauscht, ihre eingängigen einfachen Melodien, ihre einprägsamen Rhythmen, synkopisch verschoben, uns fremdartig erscheinende Akzente setzend. Meist im 4/4-Takt, einmal im Walzer-Modus, lässt sie uns eine uns fremde Welt erahnen. Das lichte Notenschriftbild ist um praktische Akkordbezifferung ergänzt. 

Die originalen Titel, leider unübersetzt, und die originellen Klänge beleben die Phantasie, zaubern eine Mys­tik: vielleicht Gott Maui anrufend, jedenfalls anderen Kulturen und Traditionen frönend. 

Mel Bonis (1858–1937): Suite pour Violon et piano, op. 114 (1926). Erstausgabe von Eberhard Mayer und Ing­rid Mayer in Zusammenarbeit mit Friedwart Goebels und Gregor Huber. Furore Ed. 4390, ISMN 979-0-50012 939-4

Im MGG 2001 steht sie unter dem Namen aus ihrer ersten Ehe: Damange, Mélanie (Hélène), geborene Bonis, genannt Mel Bonis. Als Pianistin und als außergewöhnliche Komponistin war sie in der Gesellschaft der Belle Epoque hoch angesehen, und als solche findet und verdient sie heute zunehmende Beachtung. Vor allem ihre Klavier-, Vokal- und Kammermusik ist jetzt nach und nach wieder neu zu entdecken, zum Beispiel dieses vor fast einhundert Jahren geschriebene Opus, das sich erst spät im Nachlass der Familie fand. 

Stilistisch ist Mel Bonis traditionell noch ganz dem spätromantischen Stil französischer Musik verhaftet, den César Franck, Ernest Chausson bis Gabriel Fauré geprägt haben und den sie auch in dieser späten Kammermusik kaum verlassen und doch zugleich mit einem impressionistischen Hauch weiterentwickelt hat. 

Aufgrund der Überschriften zu den drei recht aufgeweckten Sätzen – „Jour de fête“, „Sous la ramée“, „Cortège champêtre“ – vermuten die Herausgeber, „dass Szenen aus dem Landleben der Komponistin als Quelle der Inspiration dienten“. In dieser ungemein farbigen und emotionell belebenden Kammermusik, ein typisches Werk französischer Postro­mantik, spielt der Klavierpart die führende Rolle und stellt im Gegensatz zum Geigenpart recht hohe Anforderungen.

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