Opern von der Stange


(nmz) -

Es ist erstaunlich, wie viele Auftragswerke und Premieren die Stadt- und Staatstheater hierzulande trotz klammer Haushalte dennoch Spielzeit für Spielzeit zustande bringen. Indes sagt die schiere Menge an Neuproduktionen wenig über die Qualität der Aufführungen und die Substanz, Originalität, Eigenständigkeit und Tragfähigkeit der neuen Werke. Hinter manchem Namen und Titel der anhaltenden Opern-Hausse verbergen sich altbekannte Themen und pseudomoderne Leichtgewichte, von denen sich mutlose Intendanten ein mit ihrem Haus, Personal, technischen Apparat und Publikum einigermaßen verträgliches Musiktheater versprechen, das handzahme Kompromisskandidaten liefern und das prompt durchfällt. Aber nächstens kann alles anders werden: Benjamin Schweitzer greift mit seinem Einakter „Dafne“ nach Martin Opitz in Text und Sujet auf den barocken Beginn der Gattung zurück, indem er am erbaulichen Götter- und Hirtenspiel unterschwellige Bedrohungen durch den Dreißigjährigen Krieg freilegt. Die „Musicalische Comoedie“ ist ein Auftragswerk des Konzerthauses Berlin und wird am 3. April erstmals konzertant in der Elisabeth-Kirche in Berlin Mitte aufgeführt. Am 7. April folgt die Uraufführung von Jan Müller-Wielands „Der Held der westlichen Welt“ an der Oper Köln in der Inszenierung von Karoline Gruber. Die dreiaktige „komische Oper“ folgt Motiven von John Millington Synges gleichnamigem irischem Schauspiel in der Übersetzung von Annemarie und Heinrich Böll.

Ein Artikel von Rainer Nonnenmann

Am 15. April bringt das Staatstheater Nürnberg Luca Lombardis „Prospero“ auf ein Libretto von Frederik C. Delius und Lombardi nach William Shakespeare zur Uraufführung. Die Regie führt Andrea Raabe. Enjott Schneiders bereits drittes Bühnenwerk für das Theater Görlitz entstand auf ein Libretto von Bernd Matzkowski, Schneider und Michael Walter. Der komödiantisch-romantische Zweiakter „Fürst Pückler – Ich bin ein Kind der Phantasie“ ist in der Regie von Aron Stiehl erstmals am 29. April zu erleben und zeichnet ein Porträt der ewigen Suche des Hermann Fürst von Pückler-Muskau nach „,der Frau‘ und ,der Natur‘“. Wenn dabei ein neues Musiktheaterkonzept gefunden wird…

Weitere Uraufführungen:

4.4.: Jay Schwartz, Music for six voices, Neue Vokalsolisten Stuttgart, Theaterhaus Stuttgart
7.4.: Toshio Hosokawa, Klavierkonzert, Laeiszhalle Hamburg
8.4.: Hans Ulrich Lehmann, Besuch bei Zerberus nach Texten von Anne Weber für Bariton, Cello und kleines Orchester, Tonhalle Zürich
8.4.: Rudolf Kelterborn, Klavierquartett, Basel
19.–23.4.: Weimarer Frühjahrstage mit Uraufführungen von über zwanzig Komponistinnen und Komponisten
22.4.: Dieter Ammann, Martin Jaggi, Jürg Wyttenbach, neue Werke zum 100. Geburtstag von Paul Sacher, Gare du Nord Basel
29.4.: Francesco Filidei und Claire-Mélanie Sinnhuber, Ensemble „Elastic3“ mit neuen Werken für Gitarre, Gambe, Blockflöte und Elektronik, Konzerthaus Wien
30.4.: Johannes Harneit, Konzert für Cello und Orchester, Stuttgarter Philharmoniker, Liederhalle Stuttgart
30.4.: Martin Christoph Redel, Blue Mood for BigBand, Hochschule für Musik Detmold

Tags in diesem Artikel

Das könnte Sie auch interessieren: