Personalia 2009/09


(nmz) -
Friedrich Goldmann, Klaus Obermayer, Jay Schwartz, Wolfgang Matthei
Ein Artikel von nmz

Unbeugsam gegenüber dem schlechten Geschmack

Der Komponist Friedrich Goldmann verstarb nach langer schwerer Krankheit

Übergroß die Fanfare, hernieder rasselndes Schlagwerk, unvermittelt dahinter Leere. Die Exposition birgt Kontraste auf engstem Raum. Komponist Friedrich Goldmann weiß um den Anspruch der Gattung und deren Unangemessenheit seinerzeit, als er mit 30, Anfang der 1970er-Jahre, seine Sinfonie Nr. 1 komponiert, selbige dreisätzig anlegt und die Reihe, sein Material, auf die seit Webern standardisierte Tonfigur B-A-C-H aufbaut.

Wo beginnt Innovation, wo bleibt es konventionell?

Goldmann, geboren 1941 bei Chemnitz, galt schon in den 1970er-/1980er- Jahren in der DDR als einer, der sich an Traditionen nicht schlechthin nur rieb, sondern sich an ihnen mit gro-ßer Intensität abzuarbeiten anfing und die klassischen Gattungen um substanzielle, zum Teil international beachtete Werke zu bereichern verstand. Sein an Stockhausen, Webern und Nono geschultes Interesse am Klang, die Vorliebe für strenge, materialgerechte kompositorische Technik, nicht zuletzt der stete Rekurs auf klassische Form prägen ein Œuvre, das sich trotz Ausflügen in fast alle Genres auf sinfonische wie konzertante Orchestermusik und instrumentale Kammermusik konzentriert. – Auch der Dirigent Goldmann entsprach diesem Maß. Haydn und Mozart, Mahlers Sechste wusste er bestechend zu leiten – später die Arbeiten seiner Schüler wie Nico Richter de Vroe, Jakob Ullmann, Steffen Schleiermacher, in weiterer Folge Enno Poppe und Sergej Newski, die er dirigierend protegierte.

Ob der „Boulez der DDR“ einst ein Rebell, ein Aufrührer war, ist gewiss falsch gefragt. Unumstritten, dass er zur sehr kleinen Gruppe der Unangepassten gehörte, aber er hatte in Ostberlin auch Erfolg. Politische Unterwerfung war nicht seine Art; sozialistischen Realismus benannte er offen als „schlechten Geschmack“. 1990 zog der Bürger Goldmann aus Berlin-Lichtenberg nach Charlottenburg um, ein Jahr darauf übernahm er eine Kompositionsprofessur an der Hochschule der Künste. Eigenes Komponieren trat seither zurück, erlosch aber nicht. Sein Lungenleiden ließ ihn vor einiger Zeit das Dirigieren beenden, nicht zuletzt die Erkrankung beförderte die unter älteren ostdeutschen Tonsetzern heute fast obligatorische Isolation. Im Konzerthaus Berlin hätte er am 1. Oktober gewiss der Uraufführung seiner „Quasi una sinfonia“ beigewohnt. In der Nacht zum 24. Juli ist Friedrich Goldmann 68-jährig in einem Berliner Krankenhaus verstorben. [Frank Kämpfer] Foto: Inge Zimmermann

Immer über den Tellerrand und das Notenpult hinaus

Fagottist, Komponist, Redakteur, Autor, Verleger und Verbandsfunktionär: zum Tode von Klaus Obermayer

Klaus Obermayer war der Archetyp eines Musikers, der nicht nur viel von Musik verstand, sondern auch viel vom Musikleben. In diesem Sinne war er ein vollendeter Künstler, dessen Perspektive auch über den Tellerrand, respektive übers Notenpult hinaus reichte. Er war nicht nur Fagottist und Komponist, sondern auch nmz-Redakteur, Autor, Verleger und Verbandsfunktionär. Unsere Leser kennen ihn seit vielen Jahren als zuständigen Redakteur der Seiten des DTKV-Bayern in der neuen musikzeitung, wo er den Musikern Bayerns ein Podium verschaffte und sich gleichzeitig den eher „trockenen“ berufsständischen Themen wie etwa der Einrichtung einer Künstlersozialkasse annahm. Aus eigener Erfahrung wusste er, wie wichtig fundierte Informationen aus diesem Gebiet für ein Leben als freischaffender Künstler sind. In den Jahren seiner Amtszeit als Geschäftsführer des Deutschen Tonkünstlerverbandes – viele Jahre davon in enger Zusammenarbeit mit dem damaligen DTKV-Präsidenten Siegfried Palm – gründete er das Manuskriptearchiv des DTKV, das Mitgliedern ohne Verlagsbindung die Übernahme von Kompositionen in ein Archiv sowie die Lieferung von Aufführungsmaterial auf Anforderung bietet.

1943 in Passau geboren, lebte und arbeitete Obermayer bis zu seinem Tod in München als freischaffender Komponist und Verleger. 1993 hatte er den k.o.m. Bühnen- und Musikverlag gegründet, wo eigene Arbeiten und zahlreiche Werke von Verbandsmitgliedern verlegt wurden. Für den Jugend-Kompositions-Wettbewerb des DTKV Sachsen-Anhalt stifteten Obermayer und der k.o.m. Verlag München jährlich einen Förder- sowie einen Sonderpreis. Sein kompositorisches Schaffen reicht von der Solomusik über Kammermusik und Orchesterwerke bis hin zu großen kirchenmusikalischen Werken, Theater- und Filmmusiken. Die Uraufführung seiner Oper „Lola“ (Libretto Herbert Rosendorfer), 1986 in seiner Heimatstadt Passau, machte ihn einer breiten Öffentlichkeit bekannt. Eine Würdigung seiner Person und Einschätzung seines Schaffens bietet das Porträt anlässlich seines 65. Geburtstages am 20. April des vergangenen Jahres (nmz 4/08). Klaus Obermayer starb am 15. August nach kurzer, schwerer Krankheit. [Andreas Kolb]
Foto: Archiv

Zum Komponieren anregen

Jay Schwartz besuchte im Rahmen des Projekts „Abenteuer Neue Musik“ eine zehnte Klasse

Im Rahmen des Projekts „Abenteuer Neue Musik“ – eine Kooperation von Deutscher Musikrat, Schott Music, Margraf Publishers und nmzMedia – war nach Markus Hechtle, Carsten Hennig und Orm Finnendahl nun der Komponist Jay Schwartz zu Gast in einer Schule – diesmal bei Schülern einer 10. Klasse des Christlichen Gymnasiums Jena. Sein Werk „Music for Five Stringed Instruments“ war Ausgangspunkt für den Musikpädagogen Philipp Schäffler, mit Hilfe zahlreicher Übungen den Schülerinnen und Schülern zeitgenössische Musik näher zu bringen und sie zu eigenen Kompositionen anzuregen.

Der Musikjournalist Bernd Leukert führte im Anschluss an den Projekttag ein Interview mit dem Komponisten über seine Erfahrungen im Unterricht, zu seiner Person und seinem Werk. Hier einige Auszüge aus Schwartz’ Antworten:

„Ich kann nicht aus einer elitären Position zu den Schülern gehen mit dem Ziel, ihnen etwas beizubringen. Das wäre der absolut falsche Ansatz. Richtig wäre, ihre Offenheit anzuregen und zu hoffen, dass sie was anderes machen als wir in der Neuen Musik. Denn so funktioniert Neue Musik.“

„Das Projekt hat mir gezeigt, dass es doch sehr spontane und ursprüngliche Wege gibt, wie der Mensch mit Klang umgeht.“
„Als ich noch in der klassischen Musik tätig war, neigte ich immer dazu, Stücke viel zu langsam zu spielen. Das wurde immer extremer, bis ich die Grenze gefunden habe zwischen Geräusch und Ton. Ich wollte also nicht das Tempo verlangsamen, sondern die Entstehung des Tones. ,Music for Five Stringed Instruments‘ ist eine Theatralisierung dieser Verlangsamung.“

Eine ausführliche Anleitung mit Konzepten, Unterrichtsmaterialien und Filmbeiträgen für Musikpädagogen und alle Interessierten ist unter www.abenteuer-neue-musik.de abrufbar.
  
 Das komplette Interview mit  Jay Schwartz ist unter   www.nmz.de/media zu sehen.

Vielfältig tätig

Musikverleger Wolfgang Matthei gestorben

Am 16. August 2009 verstarb der Musikverleger Wolfgang Matthei im Alter von 83 Jahren. Der langjährige Geschäftsführer des Bärenreiter Musikverlages war Ehrenmitglied des deutschen Musikverleger Verbandes und fast dreißig Jahre lang Hauptgesellschafter und Geschäftsführer des Merseburger Verlages.

Wolfgang Matthei war zudem in vielfältiger Weise in der Musikverlagsbranche ehrenamtlich tätig. So gehörte er von 1973 bis 1997 als Vorsitzender des Fachausschusses für Wirtschafts- und Sozialfragen dem DMV-Vorstand an. In dieser Zeit war er zudem Delegierter des DMV im Deutschen Musikrat, im Beirat des Deutschen Musikarchivs tätig und auch langjähriger Dozent und Prüfer der Ausbildungslehrgänge für den Berufsnachwuchs der Musikalienhändler. Im Jahr 2001 verlieh ihm der Verband zudem die Medaille für Verdienste um die Förderung der Musik.

Neben seiner verlegerischen Tätigkeit war Wolfgang Matthei nicht nur Mitbegründer der VG Musikedition, sondern führte von 1974 bis 2001 auch als Generalsekretär die Geschäfte dieser Verwertungsgesellschaft, in den Jahren 1976 bis 1997 darüber hinaus auch als Mitglied des Vorstandes.
Dagmar Sikorski, DMV-Präsidentin, zum Tod des Verlegers: „Mit Wolfgang Matthei verliert die Branche eine große Verlegerpersönlichkeit, der der DMV stets ein ehrendes Andenken bewahren wird."
 

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