Pilotprojekt an der Musikhochschule Detmold

Pilotprojekt „Musikvermittlung außerhalb von Schule und Musikschule“ in Detmold


(nmz) -

Denn hier öffnet sich in der Zukunft ein neues Berufsfeld für Musiker. Viele Theater haben längst eine pädagogische Abteilung; an den großen Museen sind Museumspädagogen tätig, die Kinder wie Erwachsene motivieren, sich der Kunst zuzuwenden und sich mit ihr intensiv zu beschäftigen. In England gibt es bei den großen Kulturorchestern hauptamtliche „education officers“!

Ein Artikel von Ernst Klaus Schneider

Die Hochschule für Musik Detmold reagierte vor zwei Jahren (Herbst 1998) auf den von allen zu beobachtenden rasanten kulturellen Wandel, auf den Bedeutungsverlust bisheriger Bildungswelten und die Entwicklung neuer Kulturszenen mit der Einrichtung eines viersemestrigen Pilotprojektes „Musikvermittlung“. Ziel dieses von den Professoren Große-Jäger, Harder und Schneider konzipierten Studienangebotes war es, bereits ausgebildete Musiker/-innen, Musiklehrer/-innen oder Komponist/-innen zusätzlich zu qualifizieren, dass sie außerhalb von Schule und Musikschule Vermittlungsaufgaben (spezifische Programmgestaltung, Moderation) übernehmen können in neu konzipierten Konzertformen, in Familienkonzerten, Schulprojekten, Gesprächskonzerten, Workshops, aber auch in den Medien.
Denn hier öffnet sich in der Zukunft ein neues Berufsfeld für Musiker. Viele Theater haben längst eine pädagogische Abteilung; an den großen Museen sind Museumspädagogen tätig, die Kinder wie Erwachsene motivieren, sich der Kunst zuzuwenden und sich mit ihr intensiv zu beschäftigen. In England gibt es bei den großen Kulturorchestern hauptamtliche „education officers“! Da es die zentrale Aufgabe des Musikvermittlers ist, Beziehungen herzustellen zwischen Musik und den Hörern mit ihren jeweils unterschiedlichen Vorerfahrungen und Ansprüchen, mussten im Pilotprojekt vier Bereiche besonders intensiv studiert werden: Die Erschließung von Musik in didaktischer Absicht (Wahrnehmen und Verstehen, Möglichkeiten des Sprechens über Musik mit Laien, Elementarisierungen) – Methoden der Musikvermittlung in Konzerten (Sprachebenen, Umsetzen von Musik in Bewegung oder Bild, dramaturgischer Aufbau et cetera) – Moderationstraining – Szenischer Grundunterricht/Bühnenpräsenz.

Diese zentralen und durchgehend zu studierenden Aufgabenbereiche wurden durch Musikpädagogen und Fachleute für Regie wie Moderation vermittelt, die jahrelange Erfahrungen mit Familien-, Schul- und Kinderkonzerten oder Moderationen mitbrachten. Daneben wurden weitere Studienangebote gemacht: Elementare Ensemblepraxis (mit einem Dirigenten), Medienanalyse (mit einem Fernsehredakteur), Umgang mit den Neuen Medien, Grundlagen musikalischen Lernens.

Der Unterricht bezog sich in der Regel auf konkrete Vorhaben, die entweder in Form von Videos vorlagen oder die geplant und von den Lehrenden oder Studierenden durchgeführt werden mussten. Die Nähe zur Praxis war ein durchgehendes Merkmal. Im Sommersemester 2000 werden die Studierenden in der Abschlussprüfung ein Konzert Neuer Musik, eine Einführungsveranstaltung zu einem Konzert und ein Familienkonzert moderieren.

Da die Teilnehmer am Pilotprojekt mehrheitlich bereits berufstätig sind, musste der Unterricht in Blockseminaren an Wochenenden durchgeführt werden. Die ursprünglich geplanten mehrwöchigen Praktika bei Orchestern, bei Rundfunk oder Fernsehen konnten deswegen nicht realisiert werden und mussten durch andere Praxismöglichkeiten ersetzt werden.

Das Studienangebot „Musikvermittlung“ wird zum Wintersemester 2000/2001 neu aufgelegt. Anmeldungen müssen bis 11. September bei der Hochschule für Musik Detmold vorliegen. Es ist geplant, dass die Hochschule künftig mit der Universität Bielefeld und mit der Bundesakademie für kulturelle Bildung Wolfenbüttel zusammenarbeitet, so dass der Studiengang auch offen sein wird für Interessenten, die nur einzelne Bausteine zur Weiterbildung nutzen möchten.

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