Qualität für das Singen mit Kindern

Deutschlands Musikbildungsstätten und ihre weitgefächerten Angebote


(nmz) -
Eine günstigere Zeit wäre kaum vorstellbar. Allenthalben wird wieder gesungen. Und mehr noch: Das Singen wird regelrecht eingefordert. Zumal das Singen mit Kindern. Eltern verlangen Angebote für ihre Kinder. Erzieherinnen und Grundschullehrkräfte hungern nach Fortbildungen. Fachleute beschwören seine Bedeutung für die frühkindliche Entwicklung. Wissenschaftler messen die Ausschüttung von Glückshormonen. Logopäden empfehlen es für die Sprachentwicklung. Pädagogen wissen um seinen positiven Einfluss auf den Spracherwerb. Selbst Politiker haben das Thema für sich entdeckt … Die Kinder wussten das intuitiv schon immer, nur hat man ihrer ursprünglichen Freude am Singen lange Zeit nicht vertraut. Nun aber soll das Singen als natürlichste Musizierpraxis wieder fester und selbstverständlicher Teil von Familie, Kindergarten, Schule, Gesellschaft und Leben werden. Das Singen mit Kindern ist zukunftsträchtig wie kaum ein anderer Bereich. Hier zu investieren ist nicht nur geboten, sondern auch angesagt.
Ein Artikel von Joachim Litty, Markus Lüdke

Allein – es fehlen die Fachkräfte! Zwar wachsen erfreulicherweise die Initiativen zur Singförderung, entstehen Kurs- und Workshopangebote ebenso wie neue Liederbücher und Medien, und die Zahl der Kinderchöre steigt stetig. Noch aber halten die vielfältigen Bemühungen nicht Schritt mit der ständig wachsenden Nachfrage. Es fehlt zuerst an den Fachleuten, die direkt mit den Kindern arbeiten und diese qualifiziert ans Singen heranführen. Noch mehr fehlt es vielleicht an sogenannten Multiplikatoren – solchen also, die selber über ausreichende Erfahrungen im Singen mit Kindern verfügen, diese dann aber auch an andere vermitteln können. Mit ihrem Einsatz multiplizieren sich die Bemühungen. Das macht sie so wertvoll und effizient.

Im neuen und schnell unübersichtlich wirkenden „Markt“ unterschiedlichster Angebote, die allesamt auf den wachsenden Bedarf in Sachen „Singen mit Kindern“ reagieren, bieten die Musikbildungsstätten Orientierung und Qualität – und das nahezu flächendeckend. Studiert man die Jahresprogramme der Musikbildungsstätten in Deutschland zum Thema Singen mit Kindern für das Jahr 2013, stößt der geneigte Interessent auf eine Vielzahl von Angeboten, die sich in ihrer spezifischen Ausrichtung zum einen nach den regionalen Anforderungen und damit den Bedarfslagen der Zielgruppen, zum anderen in Angebotslänge und damit verbundener Intensität ausdifferenzieren. Allen Angeboten ist gemeinsam, das Thema Singen mit Kindern sowohl bei den zuständigen Multiplikatoren / Pädagogen wie auch bei der Zielgruppe selbst möglichst nachhaltig zu verankern, um den nachwachsenden Generationen wieder Wege zum selbstverständlichen Umgang mit dem Singen zu ebenen. Damit nehmen die Musikbildungsstätten die aller Orten wahrnehmbare Renaissance des Singens auf, teilweise mit eigenständigen, teilweise mit Angeboten in Kooperation mit den lokal oder auch überregional agierenden Verbänden.

Landauf, landab steht das Thema Kinder– und Jugendchorleitung im Fokus. Hier reicht die Palette von Wochenendkursen über mehrphasige Angebote bis zu Berufsbegleitenden Lehrgängen mit einer Kursdauer bis zu 30 Tagen. Zielgruppen sind Erzieher/innen, Lehrkräfte aus dem Grundschulbereich, aber eben auch Chorleiter/-innen aus Musikschule, Verbänden und Kirchen, die sich zum Beispiel im Angebot der Bundesakademien Wolfenbüttel und Trossingen in Kooperation mit diversen Verbänden unter dem Thema „Kinder.Chor.Stimme“ für die Stufe B der Sing- und Kinderchorleitung qualifizieren können. Ein alle pädagogischen Zielgruppen verzahnendes Konzept ist unter der Leitung von Carl Zepnik an der bayerischen Musikakademie Marktoberdorf entwickelt worden, wo Erzieher/-innen sowie Lehrkräfte aus Grund- und Mittelschule auf das vokale Musizieren vorbereitet werden und damit im Idealfall eine kontinuierliche sängerische Begleitung der Heranwachsenden gewährleistet ist.

Viele Angebote der Musikakademien rücken – meist in Wochenendworkshops – sehr spezifische Themenstellungen in den Vordergrund. Ob an der Landesmusikakademie Rheinland-Pfalz Gesangs- und Liedpädagogik für Kinder im Grundschulalter veranstaltet wird, an der Landesmusikakademie Hessen „Singen? Nur Mut!“ für fachfremd Unterrichtende im Fortbildungskalender steht, oder „Stimmen im Wandel – auf dem Weg zur erwachsenen Stimme“ in der Bundesakademie Trossingen angeboten wird, immer rückt die methodische Vielfalt bei der Chor- und Vokal-ensemblearbeit in den Vordergrund. In der bayerischen Musikakademie Hammelburg werden Multiplikatoren für die Musical-Arbeit mit Kinder und Jugendlichen fortgebildet, an der Landesmusikakademie Hamburg widmet man sich der interessanten Fragestellung, welche Rolle das Singen im Instrumentalunterricht spielen sollte.

Die Zielgruppe der Kinder und Jugendlichen selbst steht dann im Fokus, wenn im Haus Mateau in Lichtenberg junge Sänger/-innen zum Orientierungskurs eingeladen werden, wenn es zum Dreiklang-Kinderchortreffen an der Thüringer Landesmusikakademie Sondershausen kommt oder an der Landesmusikakademie Berlin Mitsingekonzerte für Kinder im Alter von 5 bis 8 Jahren mit bekannten Liedermachern veranstaltet werden. Nicht zu erwähnen die vielfältigen Möglichkeiten, die durch die Akademien für Kindergartengruppen oder ganze Schulklassen angeboten werden, sich für einen ganzen Tag in einem außerschulischen Ambiente dem Singen zu widmen.

Die bundesweite vom Deutschen Chorverband gestartete Initiative „Die Carusos“ findet als Kooperationsveranstaltung ihren Niederschlag an mehreren Akademien, werden hier doch die Caruso-Fachberater für den Einsatz und die fachliche Begleitung an Kindertagesstätten qualifiziert. Weitere Kooperationen sind den jeweiligen Internetseiten der Musikbildungsstätten zu entnehmen.

Die nebenstehenden Kursangebote geben lediglich einen kleinen Einblick in die Vielfalt der Angebote zum Thema „Singen mit Kindern“ an den Institutionen des Arbeitskreises der Musikbildungsstätten. Eine ausführlichere Übersicht finden Sie auf www.musikbildungsstaetten.de.

Singen im Kindergarten

Ich kann mich noch gut erinnern, wie viel früher im Kindergarten gesungen wurde. Leider kann ich die Einschätzung im Artikel zur aktuellen Entwicklung nicht ganz nachvollziehen: Das Singen hat im Kindergarten im Vergleich zu früher sehr nachgelassen (jedenfalls in dem Kindergarten, den ich kenne), und da liegt es nicht an fehlenden Fachkräften, sondern eher an der Motivation. Dabei sollte die Motivation klar sein: Gerade als akademische Sprachtherapeuten weiß ich, dass die frühe musikalische Unterstützung extrem wichtig für die Sprachentwicklung ist. Das sagt einem auch jeder Logopäde.

Gruß,
Yetim aus Berlin
http://www.yetim.de/


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