Rückblende (2013/03)

Vor 50 und vor 100 Jahren


(nmz) -
Vor 100 Jahren: Ein Gang zu den Quellen der Sprache unternimmt Kgl. Musikdirektor M. Koch +++ Vor 50 Jahren: Fritz Büchtger
Ein Artikel von Eckart Rohlfs

Vor 100 Jahren

Ein Gang zu den Quellen der Sprache unternimmt Kgl. Musikdirektor M. Koch: Es ist mir ein Rätsel, warum keiner von den spekulativen Köpfen, die schon über die Beziehungen der Wort- und Tonsprache bewundernswert tiefsinnige Betrachtungen niedergeschrieben haben, nicht dahinter kam, dass die Tonklaviatur zugleich eine Lautklaviatur ist. Wie bei den Schällen und Geräuschen – vergl. die schallnachahmenden Wörter brummen, tosen, krachen, plätschern, gellen, zischen – so lassen sich nämlich auch bei den Musiktönen lautliche Anklänge feststellen. Der tiefste Ton des Klaviers hat u-Färbung, der höchste hat i-Färbung. Die u-Töne gehen aufsteigend allmählich in o-Töne, die o-Töne in a-Töne, die a-Töne in e-Töne und die in die Höhenlage abschließenden i-Töne über. Die Töne sämtlicher Musikinstrumente, von der Tuba hinauf bis zur Pikelflöte, entpuppen sich näher besehen als feingeschliffene Vokale. Mancherlei Eigentümlichkeiten der Tonklaviatur übertragen sich nun naturgemäß auf die Lautklaviatur und üben dadurch einen ähnlich bestimmenden Einfluss auf die Entstehung sprachlicher Bezeichnungen aus wie die Beziehungen zwischen Geräusch und Laut. Es sei zuerst die Eigentümlichkeit des Höhenunterschieds unter den Tönen genannt. Die Tieflage der u-Töne und die Höhenlage der i-Töne bleibt als ein charakteristisches Merkmal auch an dem vom Ton abgelösten Laut noch zu unterscheiden, so dass also das u nicht von ungefähr in die Wörter unten (sub), Grund (fundus) – und das i in die Wörter Zinne, Gipfel gekommen ist.
Neue Musik-Zeitung, Jg. 34/1913, Heft 11

Vor 50 Jahren

Wenn heute die „Musikalische Jugend Deutschlands“ in der Bundesrepublik und in der internationalen Fédération einen guten Namen, Mitsprache-recht und Einfluss hat, so dankt sie es der unablässigen Arbeit, der Umsicht und dem planvollen Wirken von Fritz Büchtger (1953–1963) als Präsident der MJD: Aufgaben erfüllen, die brach lagen, wie die Lösung der Frage „Wie kann die Jugend  sich die neue Musik erschließen“, ferner die Mithilfe an der Heranbildung des musikalischen Nachwuchses, die zeitgemäße Arbeit mit Laien in musicis. Allein das Wort „Weikersheim“ und seiner Orchester-, Kammermusik- und Laienkurse genügt, um alles zu sagen, was Büchtger beispielsweise aufgebaut hat. Heute heißt „Musikalische Jugend“ zielbewusste Einordnung der musizierenden Jugend in das Kulturleben von Stadt und Land. Er hatte immer schon das Ohr am Puls der Zeit. Als München noch wenig von den großen Umwälzungen musikalischer Art wusste – in den Jahren 1929–1931 – da gründete er eine „Vereinigung für zeitgenössische Musik“. Uraufführungen gab es damals und heftige Diskussionen um Hindemith, Bartók und Haba (sie alle kamen nach München). Orff und Schönberg wurden aufgeführt. Ähnlich wirkte heute das „Studio für Neue Musik“ in München, das er seit 1947 leitete… (Ludwig Wismeyer zu Büchtgers 60. Geburtstag am 14. Februar  1963). XII. Jahrgang 1963, 1, S. 4

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