Rückblende 2016/03

Klaviersteuer, Opern an der Westfront, Musisches Gymnasium


(nmz) -
Vor 100 Jahren: Vermischte Nachrichten +++ Vor 50 Jahren: Musisches Gymnasium?
Ein Artikel von Eckardt Rohlfs

Vor 100 Jahren

Vermischte Nachrichten

  • Der Verein deutscher Schulgesangslehrerinnen hat sich mit Sitz in Berlin soeben gebildet. Er bezweckt den Zusammenschluss insbesondere der staatlich geprüften Schulgesangslehrerinnen zur Förderung ihrer beruflichen Bestrebungen. Durch enge Verbindung mit dem Verband deutscher Musiklehrerinnen (Musiksektion des Allgemeinen Deutschen Lehrerinnen-Vereins) ist dem Verein für seine Bestrebungen und Einrichtungen (Stellenvermittlung, Vereinszeitung, Fortbildungskurse usw.) ein starker Rückhalt geboten …
  • Der König von Bayern ließ sich die für die bayerische Armee vorgeschlagenen Märsche für Querpfeifen und Trommler vorführen. Der König, der für die Einführung der Querpfeife lebhaftes Interesse bekundet, hörte alle von der im Oktober v. J. eingesetzten Kommission ausgewählten Märsche an und sprach sich zustimmend zu der getroffenen Wahl aus.
  • Die Dresdner Hofoper hat eine Einladung erhalten, an der Westfront Opernvorstellungen zu veranstalten.
  • Die Direktoren sämtlicher Wiener Operettenbühnen haben beschlossen, ihre Bühnen während des ganzen Sommers offenzuhalten und ohne Ferien zu spielen.
  • Eine Klaviersteuer will die Stadt Danzig einführen. Geplant ist, jedes  Piano mit einer Jahressteuer von 12 Mark und jeden Flügel mit einer solchen von 20 Mark zu belegen. Es bleiben jedoch Pianos und Flügel, die dem direkten Gewerbe dienen, von dieser Kriegssteuer befreit.

Vor 50 Jahren

Musisches Gymnasium? Allenthalben rühren sich erfreulicherweise die ernsthaften Bemühungen, dem sogenannten „Musischen“ innerhalb des Schulsystems einen neuen Auftrieb zu geben und Vernachlässigtes auf diese Weise auszugleichen: durch die Einrichtung von „Musischen Gymnasien“. Es ist merkwürdigerweise nicht geläufig, dass dieser das Künstlerische betonende Typ der höheren Schule in Bayern längst, seit zwei Jahrzehnten, existiert, der besonderes Gewicht auf die Fächer Kunsterziehung und Musik legt. Diese Schulen gingen aus den alten Lehrerbildungsanstalten hervor. Als die Ausbildung der Volksschullehrer nach dem zweiten Weltkrieg auf Universitätsebene gehoben und an die Pädagogischen Hochschulen verlegt wurde, wandelte man die Lehrerbildungsanstalten in „Deutsche Gymnasien“ um. Dieser Schultyp schließt  jetzt an das vierklassige Volksschuljahr an. Mit dem Abitur erwerben die Schüler die Hochschulreife und können somit jedes Hochschulstudium ergreifen. Musik ist Kern-, Vorrückungs- und Abiturfach. In allen Klassen ist das Fach Musik mit drei Wochenstunden vertreten. Das Spielen eines Instruments ist für jeden Schüler verpflichtend. Die Leistungen auf künstlerischem Gebiet werden denen in den wissenschaftlichen Fächern gleichgeachtet.

Es hat jedoch nicht die Ausbildung zum Berufsmusiker zum Ziel, sondern will vielmehr den künstlerisch veranlagten Schülern die Möglichkeit geben, diese Anlagen im Rahmen ihrer schulischen Ausbildung zu entwickeln und zu pflegen. Das schließt freilich nicht aus, dass sich manche für den Beruf des Musikers entscheiden. Diese Ausbildung kann als die geeignetste Vorbildung für den Volksschullehrer und den Musikerzieher an einer höheren Schule angesehen werden. Es gibt zur Zeit in Bayern 26 Deutsche Gymnasien, die über das ganze Land verteilt sind. Im Schuljahr 1964/65 wurden diese Schulen von 7358  Schülern (43%) und Schülerinnen (57%) besucht (Schiegl).

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