Rückblende 2018/04 (Vor 100 und vor 50 Jahren)

Abgesang und Metamorphose


(nmz) -
Vor 100 Jahren: Abgesang Neue Musik-Zeitung +++ Vor 50 Jahren: Metamorphose
Ein Artikel von Eckart Rohlfs

Vor 100 Jahren: Abgesang Neue Musik-Zeitung

Das letzte Dezennium der 1880 gegründeten Neuen Musik-Zeitung verfolgen wir mit Respekt: Es waren die von der allgemeinen Wirtschaftskrise gezeichneten Jahre zwischen 1918 und 1927. Ständige Teuerungsraten konnten vom Bezugspreis der NMZ nicht aufgefangen werden. Gerade lag der Abo-Preis noch bei 80 Pfg., rutschte bald auf 3,50 Mk., erreichte in schnellen Stufen 65 Mk., im Höhepunkt der Inflation schamlose 3.000 Mk.! Das verlangte auch Einsparungen, erst durch Reduzierung auf monatliches Erscheinen, dann 1923 im 44. Jahrgang vorübergehende Einstellung der Neuen Musik-Zeitung. In dieser schwierigen Zeit wechselten zudem wiederholt die Schriftleiter: für kurze Zeit Hugo Holle, wurde von Hermann Ensslin abgelöst; beide traten lukrativere Hochschulpositionen an. Da gewann man den Münchner Kritiker, Musikreferent der Bayerischen Staatszeitung, Alfred Burgartz, für den 49. Jahrgang der NMZ 1928. Der allerdings wurde zugleich der letzte.

Mit seinem Entdeckermut wollte er vor allem ein „Forum zeitgenössischer Musiker“ schaffen, indem die NMZ sich intensiver mit der Gegenwart beschäftige. Auch mit der Verbesserung der sozialen Lage der Musik und der Musiker. Für die Neue Musik-Zeitung, die inzwischen in den Verlag Grüninger-Klett Stuttgart übergegangen war, gab es Neuerungen, die die NMZ attraktiver machen sollten: kompakteres Format, Reduzierung auf ein kleineres griffigeres (Octave-)Format, größere Schrift, neues Titelbild, erhöhter Umfang, erweiterter redaktioneller Teil. Nach Abschluss ihres 49. Jahrganges 1928 vereinigte sie sich nolens-volens mit der ähnlich konzipierten Zeitschrift „Die Musik“.

Nach R. Shishido: Die Neue Musik-Zeitung (1880–1928)  

Vor 50 Jahren: Metamorphose

Ein halbes Jahrhundert und fünf Jahre ist es her, hunderte Aufrufe in den Tageszeitungen wiesen darauf hin, bescheidene Poster luden ein: „Jugend musiziert“, ein landesweiter Jugendwettbewerb. Das gab es bisher noch nicht. Der Deutsche Musikrat und mit dabei all seine Verbände der Tonkünstler, der Musikschulen, der Schulmusikerzieher und der deutschen Jeunesses Musicales – sie alle riefen den musizierenden Nachwuchs zur Teilnahme auf. „Jugend musiziert“ wurde zum Dauerthema für die „Musikalische Jugend“, die ganz bald zur neuen „Neuen Musikzeitung“ mutieren sollte. Dass der Wettbewerb „Jugend musiziert“ schon nach kurzer Zeit eine derartig hohe Akzeptanz finden würde, ist einer Vielzahl glücklicher Komponenten zu verdanken: dem Zusammenwirken der musikpädagogischen Kräfte in den verschiedenen Institutionen und Fachverbänden, die diese Form musikalischer Nachwuchsförderung als gemeinsame Aufgabe erkannt haben und umzusetzen verstanden.

Angefangen hat „Jugend musiziert“ als Solisten- und Ensemble-Wettbewerb für Spieler der Streich- und Blasinstrumente. Dann wunschgemäß geöffnet für alle gängige Tasten-, Schlag- und Zupfinstrumente. Jetzt auch für Sologesang und einige attraktive Sonderbereiche, für alle Formen des Spiels in kleinen Gruppen. Mit Grenzöffnung wurde das traditionelle DDR-„Treffen junger Talente“ in „Jugend musiziert“ integriert. Dem Jubiläum 50 Jahre „Jugend musiziert“ unter der Schirmherrschaft des Bundespräsidenten im Mai  2013 galt ein Wandelkonzert ehemaliger Bundespreisträger im Schloss Bellvue zu Berlin. Womit sich zugleich die Legion freiwilliger Mitarbeiter in den Jurygremien und in der Organisation bedankt fühlen sollten.

  • Kompiliert aus: Musikalische Jugend/Neue Musikzeitung 1. bis 67. Jahrgang 1952–2018

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