Schlaglichter

Zur 20. Rheinsberger Pfingstwerkstatt Neue Musik


(nmz) -
Vor 20 Jahren, am 1. April 1991, begann – mit zwei ABM-Stellen und einem Leihklavier – die Arbeit der Musikakademie Rheinsberg. Zu den ersten Projekten gehörte eine Werkstatt zur Neuen Musik. Inzwischen ist die „Rheinsberger Pfingstwerkstatt Neue Musik“ ein internationaler Treffpunkt für jährlich etwa 200 junge Komponisten, Musiker, Sänger, Theatermacher und Musikwissenschaftler geworden, die sich der zeitgenössischen Musik verschrieben haben. Konzerte, szenische Aufführungen, Meisterkurse und Workshops, wissenschaftliche Vorträge oder ein Kolloquium gruppieren sich um einen jährlich wechselnden Themenschwerpunkt.
Ein Artikel von N.N.

SCHLAGLICHTER“ stand als Motto über der 20. Pfingstwerkstatt, Schlaginstrumente wurden ins Zentrum gerückt und Schlaglichter geworfen auf Konstanten und auf Neues während 20 Jahren Neuer Musik in Rheinsberg: innovatives Musiktheater, Förderung komponierender Frauen, Förderung junger Komponisten, Instrumentalisten und Sänger, Austausch zwischen erfahrenen Spezialisten der Neuen Musik, Studenten und begabten Schülern, Internationalität, Entwicklung von Angeboten für jugendliches und touristisches Publikum.

Vom 10. bis zum 12. Juni standen Uraufführungen von Hans-Joachim Hespos, Tatsaru Arai und Steffen Reinhold sowie 51 Wiederaufführungen zeitgenössischer Kompositionen auf dem Programm. Ganz bewusst legte diese internationale Werkstatt der Neuen Musik ihren Schwerpunkt 2011 auf Wiederaufführungen: „Neue Musik gehört in das Repertoire der Musikgeschichte. Dies ist jedoch nur möglich, wenn diese Kompositionen nicht nur zur Uraufführung gebracht, sondern wiederholt aufgeführt werden. Daher hatte die Rheinsberger Pfingstwerkstatt Neue Musik in diesem Jahr viele zweite Aufführungen im Programm“, erläuterte die Leiterin der Pfingstwerkstatt Dr. Ulrike Liedtke, Geschäftsführerin und künstlerische Leiterin der Bundes- und Landesmusikakademie Rheinsberg. 

Höhepunkt der Werkstatt war die Premiere einer neuen szenischen Inszenierung von „hellhörig“, einem Musiktheaterwerk der GEMA-Preisträgerin Carola Bauckholt, im Schlosstheater Rheinsberg. Das Musiktheaterstück für Sopran, Mezzosopran, Bariton, drei Celli, Klavier und vier Schlagzeuger komponierte Carola Bauckholt für die Münchner Biennale 2008 im Auftrag der GEMA- und der Franz-Grothe-Stiftung. Die Münchner Uraufführung fand in einem extra hierfür konstruierten Raum statt. In Rheinsberg wurde eine raumunabhängige Inszenierung erarbeitet, die anschließend auch in Buenos Aires, Santiago de Chile und Warschau zur Aufführung kommt. Namensgebend für das diesjährige Motto „Schlaglichter“ war die Performance der Perkussionistin Sabrina Ma mit Schlagzeug, Laser und Licht, die am späten Abend aller drei Werkstatttage jeweils mehr als 300 Zuschauer open air vor dem Kavalierhaus erlebten. 

Auch 2011 kamen am Pfingstwochenende wieder mehr als 200 Teilnehmer, davon 26 Komponisten, nach Rheinsberg, die aus insgesamt 16 Ländern stammten. Internationale Stars der Neuen Musik, wie die Flötistin 

Carin Levine, der Geiger Egidius Streiff, die Komponisten Carola Bauckholt, Helmut Zapf, Hans-Joachim Hespos und Elena Mendoza sowie die Ensembles interface, ascolta, das Schlagquartett Köln und das Leipziger Klarinettenquartett. Sie trafen Studenten und Musikschüler, um sich auszutauschen und miteinander zu arbeiten. Schwerpunkte der Nachwuchsförderung waren ein erstes gemeinsames Projekt mit Abschlusskonzert der drei Jugendensembles Neue Musik Rheinland-Pfalz/Saarland, Thüringen und Niedersachsen sowie in Vorbereitung auf „Jugend komponiert“ ein Kompositions-Workshop des Landesmusikrats Brandenburg unter Leitung von Helmut Zapf. Das ensemble interface gestaltete ein Porträtkonzert der südkoreanischen Komponistin Eun-Hwa Cho, Preisträgerin des Berlin-Rheinsberger Kompositionspreises 2009, mit der bisher umfangreichsten Zusammenstellung von Instrumentalwerken der Komponistin aus den letzten Jahren. Hauptwerk war das in Rheinsberg komponierte Ensemblestück „Jouissance de la différence“. Im Abschlusskonzert brillierte das Stuttgarter ensemble ascolta mit Elena Mendozas Werk „Fragmentos de teatro imaginario“, das kürzlich mit dem spanischen Nationalpreis ausgezeichnet wurde.

Die 21. Rheinsberger Pfingstwerkstatt Neue Musik 2012 findet vom 25. bis 27. Mai 2012 statt. 

Für Rückfragen: Dr. Brigitte Kruse/wiss. Mitarbeiterin, Tel. 033931/721-25, E-Mail: brigitte.kruse@musikakademie-rheinsberg.de

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