Schloss Kapfenburg – Bildung & Gesundheit

Kraftakt Virtuosität. Vom Musizieren ohne Grenzen


(nmz) -
Wenn man durch die Gänge der Internationalen Musikschulakademie Schloss Kapfenburg bei Lauchheim schlendert, weht einem aus allen Ecken leise Musik entgegen. Hier der Klang von Geigen, Trompeten und Klarinetten, dort der Gesang eines Chores. Musiker aller Gruppierungen und Altersklassen kommen in die ehemalige Deutschordensfeste, um zu proben. Hin und wieder verstummt die Musik und weicht einer hellen Frauenstimme, die Atem- und Bewegungsanweisungen gibt. Sie gehört Petra Vatter. Die Sport- und Bewegungstherapeutin der Stiftung kommt zu den Gruppen, um gemeinsam mit ihnen Übungen für Musiker durchzuführen. Viele davon sind auf dem YouTube-Kanal der Stiftung abrufbar. Seit 2014 erscheint monatlich eine neue Folge „Fit mit Musik online“, mittlerweile 70 Specials legen den Fokus auf einzelne Instrumente, Lampenfieber oder Ergonomie.
Ein Artikel von red

Denn wenn das Geräusch zu Musik werden soll, muss der menschliche Körper eine Vielzahl von Abläufen koordinieren und fit sein. So eine Tuba wiegt beispielsweise gut und gerne zehn Kilo. Wer jemals einen Achtjährigen länger als ein paar Minuten auf dem Arm hatte, weiß, wie schnell das an die Substanz geht. Ein Tubist balanciert sein Instrument während eines Konzertes schon mal eine Stunde und länger auf dem Schoß.

Dabei müssen seine Finger die Ventile zum richtigen Zeitpunkt betätigen, die Lippenmuskulatur kräftig arbeiten, der Atem gleichmäßig fließen und Gefühl ins Spiel gelegt werden. Die Augen wandern vom Dirigenten zum Notenblatt und zurück, aufmerksam zugehört werden will natürlich auch – nicht die einfachste Übung, wenn der 140 Dezibel starke Paukenschlag des benachbarten Kollegen mit der Lautstärke eines startenden Düsenjets in den Ohren nachhallt. Höchstleis­tungen also, die Körper und Geist zu vollbringen haben. Das gilt natürlich nicht nur für die Tubisten. Jeder Musiker weiß, dass sein Instrument ihn auf ganz eigene Weise fordert. So wie jeder Musiker diesen Anforderungen gewachsen ist, wenn er die richtigen Methoden und ergonomischen Hilfsmittel anwendet.

Genau hier setzt die Bildungsarbeit der Stiftung Schloss Kapfenburg an. Sie sensibilisiert Musiker für die Thematik Gesundheit und zeigt ihnen Möglichkeiten der Prävention auf. Die Bewegungsprogramme für die Probengäste und Übungsvideos sind nur ein kleiner Teil des Angebots. Mehrere Publikationen, wie eine Studie zur Musikergesundheit oder die „Es(s)-Tour“, ein Ernährungsleitfaden für junge Musiker, hat die Stiftung veröffentlicht. Es werden Kurse und Projekte rund um Musikergesundheit angeboten, alle zwei Jahre findet das „Forum Schloss Kapfenburg – Musik und Medizin“ statt.

Das Herzstück ist das Projekt „gesunde musikschule®“. In über 50 Musikschulen bundesweit wird Präventionsarbeit dort betrieben, wo sie am meisten Sinn macht: an dem Ort, an dem Kinder an Musik herangeführt werden. Hier können sie von Anfang an spielerisch lernen, gesund zu musizieren.

Es ist eine neue Generation von Musikern, die da dank der Initiative der Stiftung und des Engagements ihrer Lehrer in den zertifizierten Musikschulen heranwächst. Egal, ob sie Profis werden oder Musik ein vielgeliebtes Hobby bleibt, diese Kinder werden auch im Alter mit Freude und Ausdauer musizieren können.

Heute leiden noch viele Leistungsmusiker bereits in jungen Jahren unter Schmerzen beim oder nach dem Üben. Vor allem bei Berufsmusikern und solchen, die es werden wollen, kommen oft psychische Belastungen hinzu, die sich auf das Spiel auswirken. Am Ende bedeutet das nicht selten, die Musik temporär oder gar ganz aufgeben zu müssen. Dabei können die Betroffenen den belastenden Faktoren mit den richtigen Präventionsmaßnahmen entgegenwirken. Alles was sie brauchen, ist der Mut, sich Hilfe zur Selbsthilfe zu holen. Glücklicherweise bieten immer mehr Orchester genau das ihren Mitgliedern an. So lassen beispielsweise das Württembergisches Staatsorchester Stuttgart oder die Bochumer Symphoniker momentan im Rahmen des Projekts „gesundes orchester“ Gesundheitsmentoren auf Schloss Kapfenburg ausbilden, der Musikverein Adelmannsfelden oder das Philharmonische Staatsorchester Mainz sind bereits zertifiziert. Der Weg, den sie eingeschlagen haben, zeigt erste Erfolge – die Musiker können ihre Potentiale voll auszuschöpfen. 

Die Stiftung kann bei der Bildungsarbeit auf starke Partner verweisen. Neben der Techniker Krankenkasse und dem Landesverband der Musikschulen Baden-Württembergs e.V. gehören dazu die DRV Baden-Württemberg, der Verband deutscher Musikschulen und der Blasmusikverband Baden-Württemberg e.V.

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