Schweres Metall, Elektronik und Sphärenklänge

Neue CDs mit Neuer Musik · Vorgestellt von Max Nyffeler


(nmz) -
Musik von und mit: Brian Eno, Axel Knappmeyer, Yann Robin, Luc Ferrari, Frank Niehusmann
Ein Artikel von Max Nyffeler

Zwei Klassiker der elektroakustischen Musik aus den 1960er-Jahren von Luc Ferrari sind wieder greifbar. In der Tonbandkomposition „Music Promenade“ werden nach Art der Musique concrète die unterschiedlichsten Mikrofondokumente miteinander gemixt. Der starke Anteil an menschlichen Stimmen und Musikschnipseln erweckt den Eindruck von Szenen aus dem prallen Leben. Das hörspielähnliche Stück wurde ursprünglich auf vier Tonbändern simultan abgespielt und liegt hier in einer vom Komponisten seinerzeit angefertigten Originalmischung vor. Auch in „Und so weiter“ für elektrisches Klavier und Tonband sind inmitten langer Phasen der Stille allerlei reale Geräuschfetzen hörbar – das Verfahren der Konfrontation unterschiedlicher Klang- und Erlebnisräume beherrschte Ferrari meisterhaft. Für die dichten, in satten Farben verfremdeten Klavierpassagen liefert Gérard Frémy das virtuose pianistische Grundmaterial. (Wergo 67752)

Schutzheiliger der vom Ensemble Intercontemporain gespielten Werke von Yann Robin ist Vulkan, der Gott des Feuers und der Metalle. In „Volcano“ für 29 Instrumente taucht Robin tief in die Schmelzprozesse der Instrumentalfarben ein und entzündet ganz programmmusikalisch ein Feuerwerk an Klängen. In zwei Versionen von „Art of Metal“, die mit kleinerer Besetzung nicht weniger eruptiv klingen, kommt eine aus Metall gebaute, solistische Kontrabassklarinette zum Einsatz. Das Instrument hat einen saxophonähnlichen Klang und ist auch im Geräuschbereich entsprechend durchschlagskräftig. Die Live-Elektronik unterstützt die klangliche Differenzierung und trägt auch zu bruitistischen Momenten bei. (Kairos 13262) 

Und hier geht’s von Metall zu Heavy Metal: Der Kölner Musiker Axel Knappmeyer hat für sein Cologne Contemporary Jazz Orchestra eine Auswahl von Stücken der explosiven kalifornischen Trash-Metal-Gruppe Slayer arrangiert. Der ungezügelt wilde, gitarrenlastige Originalklang wird in einen kraftvollen, von tiefen Bläsern dominierten Bigband-Sound transformiert, über dem sich die Soli ungestört austoben können. Etwas von der randständigen Gefährlichkeit der Slayer-Musik und ihrer Texte klingt auch in diesen präzis ausgearbeiteten Arrangements nach. Ein Crossover-Experiment, das der Bigband-Formation eine gehörige Portion von anarchischer Energie zuführt und für einen leicht unheimlichen, geräuschreichen Katastrophenton sorgt, zumal im Hintergrund die politischen Texte herumspuken. (www.myspace.com/ccjocologne; CD über info@axel-knappmeyer.de)

Trashige Anklänge gibt es auch in der „Eskalation für 3 virtuelle Klaviere“, einer Komposition von Frank Niehusmann, der zusammen mit seinem Kollegen Clemens von Reusner das Radikal Audio Lab gegründet hat. Versiert im Umgang mit dem Computer, versuchen die beiden Komponisten, elektroakustische Musik mit Narration zu verbinden. Das führt zu lebhaften, von andauernder Unruhe geprägten Geräuschlandschaften mit assoziationsreicher Oberfläche und gelegentlich mickeymousehafter Gag-Akustik. (ral 5005, www.nurnichtnur.com)

Brian Eno gilt als einer der Väter der Ambient Music, deren Ausläufer bis in das aktuelle Genre der Klanginstallation hineinreichen. Sein Soundtrack zu einem Film über die Mondlandung von 1969 bildet die Grundlage einer Produktion, die das britische Ensemble Icebreaker in Zusammenarbeit mit dem Londoner Science Museum nun unter dem erinnerungsträchtigen Namen „Apollo“ herausgebracht hat. Mit elektronisch-instrumentalen Sphärenklängen wird das legendäre Ereignis akustisch noch einmal heraufbeschworen. Der postminimalistische Versuch, noch einmal mit sanft umherdriftenden Klängen die Weite des Raums zu evozieren, erinnert an die nachmitternächtlichen Space-Night-Sendungen im Fernsehen. Aber ohne Bild ist das Ganze dann doch zu wenig aussagekräftig. (ca21071, www.cantaloupemusic.com)  

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