Seifenhiebe – Lach‘, Mann

Cluster 2020/03 – Martin Hufner


(nmz) -
Seit mehreren Tagen, Wochen, Monaten und Jahren fällt es noch schwerer, sich mit Musik zu beschäftigen, wo die Trauer über den Umgang von Menschen mit anderen Menschen laufend zunimmt. Kann man sich da noch ernsthaft über Probleme des Musik- und Kulturlebens, über Kontrapunkt und Qualitätssicherung im Musikunterricht unterhalten? Ich denke: Ja. Denn die Kraft der Musik, die Kraft der Kunst erhöht die Fähigkeit der kritischen Selbst- und Fremdwahrnehmung. Und sie kann einem materielos auch jene Glücksmomente schenken, ohne die ein Leben grau bliebe. Deswegen hier eine kuriose kleine Geschichte, die Karl Friedrich Wilhelm Wander (1803–1879) in seinem Sprichwörterlexikon eingesammelt hat:
Ein Artikel von Martin Hufner

„Ein trauernder Fürst, dem nichts mehr ein Lächeln abgewinnen konnte, gab seinem Arzte Hoffnung, von Schwermuth noch einmal geheilt zu werden, wenn man ihn zu einem herzhaften Lachen bringen könne. Dem Fürsten, der besonders schwermüthige Musik sehr liebte, wurde ein Concert veranstaltet. Der Musikdirector mit den zahlreichen Geigenspielern wollten den Fürsten im Augenblick seines Eintritts in den Saal durch eine vollständige Harmonie überraschen. Der Arzt hatte aber die kurze Zeit, welche zwischen der Stimmung der Instrumente und dem Eintritt des Fürsten vergangen war und während welcher die Musiker auf eine gegebene Veranlassung sich aus dem Orchester hatten entfernen müssen, dazu benutzt, sämmtliche Bogen der Instrumente heimlich mit Seife bestreichen zu lassen. Bei Erscheinung des Fürsten war nun alles in voller Thätigkeit, durch wiederholtes Streichen und gewaltsames Aufdrücken auf die versagenden Instrumente Töne zu erzwingen, bis endlich einer der Musiker im höchsten Verdruss rief: ‚Nun, Herr Gevatter, auch keinen Strich mehr!‘ Dieser Ausruf des Unwillens und das Sonderbare der vergeblich streichenden Musiker brachte bei dem Fürsten, den man kurz vorher mit dem Scherz bekannt gemacht hatte, dermassen zum lauten Lachen, dass der Arzt seinen Zweck glücklich erreichte.“ (Deutsches Sprichwörter-Lexikon, S. 45719, vgl. Wander-DSL, Bd. 4, S. 909-910)

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