Siegfried Mauser zu Haft verurteilt

Laut „Spiegel“ weitere Fälle an der Münchner Musikhochschule


(nmz) -
Das Münchner Landgericht hat den ehemaligen Präsidenten der Hochschule für Musik und Theater München, Siegfried Mauser, wegen sexueller Nötigung zu einer Gefängnisstrafe von zwei Jahren und neun Monaten verurteilt. Vom Vorwurf der Vergewaltigung wurde er freigesprochen, wobei das alte, noch nicht verschärfte Sexualstrafrecht zur Anwendung kam. Die Verteidigung hat Revision gegen das Urteil eingelegt.
Ein Artikel von nmz-red

An der Hochschule hat es über die gegen Ex-Präsident Mauser gerichtlich verhandelten Vorfälle hinaus sexuelle Übergriffe gegeben. Das geht aus einer Umfrage hervor, die die Hochschule im Oktober 2016 durchgeführt, deren Ergebnisse sie bis heute aber nicht veröffentlicht hat. In einem Artikel in der Ausgabe 20/2018 (12. Mai) des „Spiegel“ wird außerdem über Details der Anklage gegen Kompositionsprofessor Hans-Jürgen von Bose berichtet, die seit Juli 2016 vorliegt.

Dem „Spiegel“ zufolge soll von Bose unter anderem zwischen 2006 und 2007 die Schwester eines seiner Studenten mehrfach vergewaltigt haben, was dieser bestreitet.

Offen berichtet der Professor, der seinen Unterricht regelmäßig zu Hause abhielt, darüber, mit den Studierenden „über Privates und Intimes“ gesprochen und zu didaktischen Zwecken Pornofilme angesehen zu haben.

Die Hochschulumfrage von 2016, über die auch die Süddeutsche Zeitung berichtete, ergab – so der „Spiegel“ –, dass 56 der Befragten „anzügliche Gesten“ wahrgenommen hätten, 34 hätten gemeldet, „angegrapscht oder absichtlich berührt“ worden zu sein. Neun Befragte hätten berichtet, ihnen seien Genitalien gezeigt worden, acht hätten ausgesagt, zu sexuellen Handlungen gezwungen worden zu sein, sieben seien von ihrem Gegenüber Nachteile angedroht worden, weil sie einen Annäherungsversuch abgelehnt hatten. Auch eine Vergewaltigung sei gemeldet worden. Anfragen des „Spiegel“, der SZ und der „Kulturzeit“ – hier hatte einer der „Spiegel“-Autoren ein Interview gegeben – blieben von Seiten der Musikhochschule unbeantwortet, am 14. Mai veröffentlichte sie eine Stellungnahme, in der es unter anderem heißt: „Wir arbeiten mit Hochdruck daran, die Compliance-Kultur der HMTM weiter zu verbessern. Daher werden wir die entsprechenden Strukturen und Prozesse der HMTM von einem unabhängigen Dritten auditieren lassen und gebotene Veränderungen konsequent umsetzen.“

(Kommentar auf Seite 1)

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