Soundtracks 2011/02

Enjott Schneider: Filmmusik – Bavaria Sonor Music/Rough Trade


(nmz) -
Auf dünnem Eis bewegt sich Norbert Jürgen Schneider nun schon seit über 20 Jahren. Als Filmkomponist versucht er seit Ende der 80er-Jahre, für Qualität zu sorgen im hektischen Filmgeschäft. Irgendwann hat der Work­aholic in jenen Jahren seinen Namen zur Marke gemacht: Enjott Schneider.
Ein Artikel von Viktor Rotthaler

Ein Name, der nun in einem Atemzug zu nennen ist mit den anderen großen deutschen Filmkomponisten der Nachkriegszeit: Hans Martin Majewski, Bernhard Eichhorn, Werner Eisbrenner, Peter Thomas, Martin Böttcher, Peer Raben oder Jürgen Knieper. Während die Erstgenannten meistens mit kleineren Ensembles ihre Scores einspielen mussten, stand Enjott Schneider seit seinen Filmen mit Joseph Vilsmaier oft ein großes Or­ches­ter zur Verfügung.

Ein Luxus im deutschen Filmgeschäft. Mit den ersten Vilsmaier-Melos „Herbstmilch“, „Rama Dama“ und „Stalingrad“ begann Schneiders Karriere als Filmkomponist. Plötzlich war im deutschen Kino wieder große sinfonische Filmmusik zu hören, das hatte es lange nicht mehr gegeben. In der Rückschau erinnert diese Entscheidung Vilsmaiers an George Lucas’ Idee, seine Weltraum-Oper „Star Wars“ von John Williams im Korngold-Sound orchestrieren zu lassen. Danach jedenfalls vertonte Enjott Schneider den schönsten Film von Sherry Horman („Leise Schatten“), Hans-Christian Schmids „23“ oder Jo Baiers „Wildfeuer“.

Und auch Bernd Eichingers Remake des Fifties-Klassikers „Das Mädchen Rosemarie“ – mit der jungen Nina Hoss in der Titelrolle – trug Schneiders musikalische Handschrift. Die Eichinger-Produktion gehörte zu den vielen „TV-Events“, die der Komponist in der Folgezeit musikalisch veredeln durfte. Jetzt kann man sich endlich einen Überblick über sein eigenes Filmmusikschaffen verschaffen zwischen romantischer Hollywood-Sinfonik und Morricone-Epik. Eine empfehlenswerte Werkschau.

 

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