Soundtracks 2021/09

Aretha (Rhino/Warner)


(nmz) -
Es dürfte das Box Set des Jahres werden: die 4-CD-Collection „Aretha“, die den Start des Aretha-Franklin-Biopics „Respect“ mit der großartigen Jennifer Hudson in der Titelrolle flankiert.
Ein Artikel von Viktor Rotthaler

Ein Jahr lang mussten die Fans der „Queen of Soul“, die im August vor drei Jahren gestorben ist, auf diese Box warten. Wegen Corona war der Kinostart um ein Jahr verschoben worden. Aber: Das Warten hat sich gelohnt. „Aretha“ ist die erste labelübergreifende Box, die die komplette Karriere der afroamerikanischen Sängerin dokumentiert, von ihren Anfängen bei Columbia Records über die „goldenen“ Atlantic-Jahre bis zu ihren Pop-Hits bei Clive Davis’ Arista. Höhepunkt unter den Alternate Takes: eine bisher unveröffentlichte bewegende Version von Bernsteins „Somewhere“, arrangiert von Quincy Jones.

Als besonderes Schmankerl gibt es einige TV-Mitschnitte, die bis heute nie auf Tonträger erschienen sind, darunter ein tolles Duett von „Ooo Baby Baby“ mit Smokey Robinson, Bacharachs „I Say a Little Prayer“ zusammen mit Dionne Warwick und ihre Gospelversion von Adeles „Rolling in the Deep“. Die letzte CD klingt aus mit dem Song, der über den Credits des Biopics „Respect“ liegt: „(You Make Me Feel Like) A Natural Woman“, zelebriert 2015 im Kennedy Center in Washington.

In Anwesenheit der Obamas und der sichtlich gerührten Carole King, die diese sinnliche Hymne Mitte der Sixties in der New Yorker Hitfabrik „Brill Building“ komponiert hatte. Noch einmal transzendierte Aretha Franklin den sinnlichsten Song der Pop-History vor ihrem Publikum. Ein ikonografischer Moment der amerikanischen Soulgeschichte, der auf YouTube nachzuerleben ist. Ein letzter großer „vereinigender“ Moment war das, bevor ein Liebling der Alt-right und des Ku-Klux-Klan zum Präsidenten gewählt wurde.

Aretha hat die „Black Lives Matter“-Bewegung nicht mehr miterlebt, die ihr einstiges Motto wieder buchstabiert hat: R.E.S.P.E.C.T.

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