Souverän und unerschrocken

Zum Tode von Alexander Furtwängler: 12. Oktober 1924 – 29. Januar 2013


(nmz) -
Alexander Furtwängler musste sein Klavierstudium zu Kriegsbeginn aufgeben und kehrte mit Erfrierungen an Händen und Füssen aus der Gefangenschaft in Sibirien zurück. Trotzdem nahm er 1946 das Studium wieder auf und wurde bald zu einem erfolgreichen Pianisten im In- und Ausland.
Ein Artikel von Thomas A. Troge

Alexander Furtwängler musste sein Klavierstudium zu Kriegsbeginn aufgeben und kehrte mit Erfrierungen an Händen und Füssen aus der Gefangenschaft in Sibirien zurück. Trotzdem nahm er 1946 das Studium wieder auf und wurde bald zu einem erfolgreichen Pianisten im In- und Ausland.
Seit 1960 Mitglied im Tonkünstlerverband, gestaltete er als 2. Vorsitzender dessen Entwicklung über zweieinhalb Jahrzehnte maßgeblich mit. Insbesondere setzte er sich für den Aufbau des Wettbewerbes „Jugend musiziert“ tatkräftig ein. Das Badische Konservatorium, das er von 1968 bis 1989 leitete, wurde in dieser Zeit zur bedeutenden Ausbildungsinstitution, in der er neue Wege bei der Früherziehung bis hin zur Begabtenförderung beschritt. In der gleichen Zeit wuchs der von ihm geleitete Kreisverband Karlsruhe des TKV zum zeitweise mitgliederstärksten Verband, wobei es ihm gelang, eine vorbildliche Symbiose zwischen den freien Musiklehrern und dem Konservatorium herzustellen.
Ich hatte das Glück, ihn zweimal kennenlernen zu dürfen: zunächst als meinen Lehrer, von dem ich nicht nur die wichtigsten pianistischen und musikalischen Impulse erhielt, sondern der mir bis heute als Mensch und Lehrer unvergessenes Vorbild geblieben ist – stets eine ausgewogene und wohltuende Balance zwischen Einfühlung und Distanz wahrend, die Entwicklung des Schülers über jeden kurzfristigen Erfolg stellend. Das zweite Mal lernte ich ihn 20 Jahre später kennen, als er sein Vorstandsamt im TKV an mich weitergab und mich über Monate noch darin begleitete. Damals lernte ich ihn zu bewundern für die Souveränität, mit der er schwierige Diskussionen zu führen wusste; für die Unerschrockenheit, mit der er Kulturpolitikern mit deutlichen Worten gegenübertrat, auch wenn er von ihnen abhängig war; und für den grundlegenden Respekt, den er selbst den Personen gegenüber wahrte, zu denen er sich in konträrer Position befand.
Er wird allen, die ihn kannten, unvergessen bleiben.

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