The trend is not always your friend


(nmz) -
Schnüffeln Sie ihn auch? Den süßlichen Duft der Verwesung? Diese morbide, kalte Pop-Progression? Für immer mehr Kohle, die dem Musikfan für Konzerte und mangelnde Qualität aus der Tasche gezogen wird, bleiben immer weniger CD-Verkäufe. Oder Stars. Jüngstes Beispiel: Steven Gately (33), Sänger der Boyband „Boyzone“. Da lässt man sich ein bisschen gehen, schluckt ein paar Drinks zu viel und schon vergisst man sein Lungenödem. Tot. Laut diverser Quellen sogar knieend vor dem Sofa. Auch nicht schön für die Eltern.
Ein Artikel von Sven Ferchow

 Doch: Das oft hemmungslose Leben vieler Jungstars macht Hoffnung. Und schürt einen Verdacht. Nämlich, einen längst vergessenen Trend zu revitalisieren: „zu früh zu schnell“. Gut. Von Gatley abgesehen kippen die jungen Dinger derzeit nicht gerade wie die Vogelgrippe-Hühner von der Stange. Aber Potential, die Jüngsten im finanziell besten Fall kurz nach der Mündigkeit verscharren zu dürfen, ist vorhanden. Um die Rasterfahndung nach denkbaren Opfern zu erleichtern, mag eine Rubrizierung helfen: tot, lebendig und Zombies.

Am attraktivsten die letzte Gruppe. Kandidaten wie Amy Winehouse, Britney Spears, Robbie Williams oder Pete Doherty sägen bereits länger hilflos am eigenen Stuhl. Onkel Doornkaat wird zum Beichtvater, statt Mutti aalen sich drogenabhängige Stricher und höchst infektiöse wie käufliche Frauen im Hotelzimmer und für das Spritzbesteck wird ein eigener Tour-Truck gemietet. Erfolglos: Amy Winehouse becherte ganze Schnaps-Destillerien in den Ruin, Britney Spears lief intoxikiert über zehnspurige Highways, Robbie Williams sprang in einen Pool ohne Wasser und Pete Doherty – dafür Respekt – lässt die lebensbeendenden Maßnahmen der anderen irgendwie putzig aussehen, denn das ist sein tägliches Aufwärmprogramm.

Aber Schluss mit lustig. Eine Schuldige muss her. Und die nennt sich Borderlinestörung. Ein Mangel im Belohnungssystem, der von Popstars großzügig ausgeglichen wird. Zunächst mit Heroin. Es folgen Abhängigkeit, Realitätsferne, verpatzter Tod. Wie bitte? Mangel im Belohnungssystem? Weil die Plattenfirma zu wenig Koks ins Studio liefert? Weil zu wenig Paparazzi durch den Türschlitz blitzen? Das ist zu einfach.

Man darf hier ruhig den Begriff des Charakterschweins bemühen. Denn bei Schecks über zwölf Millionen Dollar funktioniert das Belohnungssystem der Stars doch prächtig. „Ja“ zur Kohle röcheln sie im größten Rausch. Aber wehe der Scheck unterschreitet diese Borderline. Dann erklären die armen Hascherl ihre uneingeschränkte Solidarität mit vermeintlich unkontrollierbaren Sünden. Darum eine Warnung an alle Dohertys und Tokio Hotels: Kurt Cobain oder Jim Morrison meinten es tatsächlich so. Mit der Selbstzerstörung. Euer Weg des heulsusig inszenierten Aufmerksamkeitsdefizitsyndroms hat nichts mit dem Klassiker „zu Unrecht zu früh zu schnell“ gemein. Euer Nachruf hieße dann: „von allem zu wenig… und davon reichlich“. Am meisten vom Hirn. Und deshalb „zu Recht zu früh zu schnell“.

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