Transformation des Berufsbildes notwendig

Fachgruppe PP und der Arbeitskreis „Digitale Medien im Instrumental- und Gesangsunterricht“


(nmz) -
Es ist eine besondere Zeit, eine Zeit voller Herausforderungen, nicht nur im beruflichen Alltag, sondern nun auch gesamtinhaltlich, das Berufsbild betreffend. Dass wir als Instrumental- und GesangspädagogInnen in der Coronazeit vor technischen und pädagogischen Herausforderungen ganz neuer Art standen, bedeutete oftmals, sich in kürzester Zeit in neue Apps, Software, Hardware, individuelle Nutzungsarten, Testen von pädagogischen Zweckmäßigkeiten und Praktikabilität hinein zu arbeiten. Dies war, ob der Vielfalt des Angebots, oft sehr mühsam und zeitaufwändig, manches Mal auch schlichtweg überfordernd. Die Notwendigkeit erschloss sich zwar, herausfordernd blieb es dennoch oft.
Ein Artikel von DTKV Nordrhein-Westfalen

Da es in meiner Beobachtung bei vielen Kollegen und mir selber schon vor der Pandemie zu Fragen kam, die Bedarf nach Austausch oder Fortbildung im Bereich der digitalen Medien erweckten, die Pandemie dann wie ein großer Beschleuniger wirkte, habe ich im Januar 2021 über unseren DTKV-NRW-Newsletter zum Arbeitskreis „Digitale Medien im Instrumental- und Gesangsunterricht“ der Fachgruppe Pädagogische Projekte des DTKV NRW eingeladen. Der Arbeitskreis sollte und soll eine Plattform sein zum Erfahrungsaustausch, zur Erörterung von Fragen, Hilfestellungen und Teilen von Tipps, die mit digitalen Medien, Software und Hardware im engeren und im weiteren Sinne zu tun haben. Da es zu dem Zeitpunkt – bezogen auf den Online-Unterricht – für den Einsatz zum Beispiel von Apps nahezu keinerlei pädagogisch-didaktische Konzepte in unserem Bereich gibt und wir alle uns sowohl technisch als auch pädagogisch autodidaktisch da hinein gefunden haben, kamen sich viele Kolleginnen und Kollegen noch mehr als sonst wie Einzelkämpfer vor. Eins der Ziele des Arbeitskreises sollte also sein, den Austausch darüber zu fördern und auch die Entwicklung von pädagogischen Konzepten zu ermöglichen, die jeder für sich in seinen Instrumental- oder Gesangsunterricht (längerfristig auch Ensembleunterricht) implementieren kann. Bei den ersten Treffen stellte sich allerdings heraus, dass das technische Vorwissen sehr heterogen war und viele mit elementaren Fragen konfrontiert waren. Andere wiederum waren technisch versierter, hatten eher Fragen pädagogischer Natur. Zu diesen Themenkomplexen sollte uns Matthias Krebs vom Institut für App-Musik/Universität der Künste Berlin mit seinem Workshop „Einsatz von digitalen Musiktechnologien im Instrumental- und Gesangsunterricht“ unterstützen und auch Anregungen geben.

Aus Stadt und Land

Der Arbeitskreis selber besteht aus 24 Mitgliedern. Die Treffen fanden Pandemie-bedingt bisher online statt, was in der momentanen Situation ein wichtiger Vorteil ist, auch weil die Teilnehmerinnen und Teilnehmer aus ganz NRW, aus Stadt und Land, kommen. Außerdem bot die Form des Online-Treffens die Möglichkeit, Gruppen temporär in Interessensgruppen aufzusplitten, um effizienter zu arbeiten. Die Gruppe ist auch vom fachlichen Background sehr heterogen, von solo-selbständigen Instrumental- und Gesangslehrern, Hochschul-Dozentinnen, Musikschulleitern, Ensembleleitern und Referenten ist einiges an Kompetenzen, Neugier und Potential „an Bord“. Im Vorfeld des Workshops gab es diverse Treffen, wo es schon zu sehr fruchtbaren und anregenden Gesprächen, zu Austausch und Tipps kam. In einem stellte Matthias Krebs seinen Workshop „Einsatz von digitalen Musiktechnologien im Instrumental- und Gesangsunterricht“, vor, was auf sehr positive Resonanz und Interesse bei allen gestoßen war.

Gruppenbildung

Matthias Krebs konnte in seinem Angebot durch seine Kompetenz als studierter Musiker (Operngesang) und einer der versiertesten Experten auf dem Gebiet der digitalen Technologie für Aufnahmetechnik, Musiker-Software und Musik-Apps, individuell auf die Bedürfnisse der Teilnehmer eingehen. Die Teilnehmer des Arbeitskreises waren sehr daran interessiert, den Workshop zu ermöglichen, es war dann eher die Frage der Machbarkeit und Logistik zu stellen. Es war die Zeit des dritten großen Lockdowns.

Da es keinen Sinn ergab, mit mehr als 10 Teilnehmern in der Gruppe zu arbeiten, haben wir zwei Gruppen (à 4 Veranstaltungen) gebildet, dazu individuelle Betreuung und Sprechstunden. Zeitlich erstreckte es sich über einen Zeitraum von insgesamt 8 bis 10 Wochen. Da die meisten in der Arbeitsgruppe Solo-Selbständige sind und diese in der jetzigen Krise finanziell arge Einbußen hatten und haben, wollte ich die Kosten für den Workshop für die Mitglieder so niedrig wie möglich halten. Ich habe dafür sowohl Zuschussanträge für den Topf für Fachgruppenarbeit beim Landesvorstand gestellt und - da viele Teilnehmer aus dem Bezirk Köln/Aachen kommen - beim Vorstand des Bezirkes Köln/Aachen und diese schnell und unkompliziert bewilligt bekommen. Für beides möchte ich nochmals sowohl dem Landesvorstand als auch dem Vorstand des Bezirkes Köln/Aachen, auch im Namen der Teilnehmer und Teilnehmerinnen, danken!

Der Workshop fand von Mitte März bis Mitte Mai 2021 in zwei Gruppen online statt. Es wurden Einweisungen in die Handhabung von verschiedener Software, Apps, aber auch Hardware durchgeführt. Hierbei ging Herr Krebs auch immer auf individuelle Anfragen und Probleme ein. Es wurden verschiedene Themen bearbeitet und auch „Hausaufgaben“ gestellt, die sich die Teilnehmer selbst aussuchten – bezogen auf die individuelle Bedürfnislage und das fachlich-didaktische Interesse. Zudem bildeten sich kollaborative Gruppen, um Aufgaben zusammen zu lösen oder neue Software miteinander auszuprobieren. Der Workshop war zwar sehr fordernd, wurde von den Teilnehmern aber als in vielfältiger Hinsicht sehr bereichernd und auf die praktischen Erfordernisse des beruflichen Alltags ausgerichtet empfunden. Ich habe im Laufe der letzten Monate von einigen Teilnehmern und Teilnehmerinnen das Feedback bekommen, dass sie sich zum Beispiel in ihrem Unterricht dadurch vielfältiger aufstellen konnten, ihre Fähigkeiten in hohem Maße weiter entwickelt haben und auch Angst vor der Technik abgebaut haben. Eine Teilnehmerin berichtete, dass sie sich durch die neu erworbenen Fähigkeiten und Kenntnisse getraut hat, sich um ein künstlerisches Stipendium zu bewerben. Auch abseits des Arbeitskreises tauschen sich Mitglieder über Neuerungen oder Tipps aus.

Wegen des positiven Zuspruchs und neuer Ideen für Projektarbeiten habe ich auf Anregung von Frau Sokoll für unseren Arbeitskreis einen Antrag auf Kulturförderung eingereicht. Ein nächs­tes Treffen des Arbeitskreises ist für Mai/Juni 2022 geplant, diesmal hoffentlich in Präsenz, damit die weiteren Planungen besprochen werden können. Es soll im Herbst 2022 weiter gehen. Neue Mitglieder sind herzlich willkommen!

Kontakt
Nataša Novosel, Leitung Fachgruppe Pädagogische Projekte DTKV NRW, nn@dtkv-nrw.de

  

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