unüberhörbar 2014/11

CD-Empfehlungen von Michael Kube, Christoph Schlüren, Hans-Dieter Grünefeld


(nmz) -
Catch-Pop String-Strong: „Ich erwarte heißen Wind in meinem Nacken“ +++ Sven Kacirek: The Nutcracker Sessions +++ Louis Spohr: Die letzten Dinge. Kammerchor Stuttgart, Deutsche Kammerphilharmonie Bremen, Frieder Bernius.
Ein Artikel von Christoph Schlüren, Hans-Dieter Grünefeld, Michael Kube

Catch-Pop String-Strong: „Ich erwarte heißen Wind in meinem Nacken“
Rina Kaçinari (Cello, Stimme), Jelena Popržan (Viola, Stimme)
Col legno WWE 30009 (Harmonia Mundi)

Ein Pop-Riff wird ornamental aufgereizt, Skalengesang im 5/8-Groove zum Jodelidiom gedreht oder ein Klezmer-Chanson mit Pizzicati dekoriert: Als klassisch ausgebildetes Doppel-Duo vom Balkan, das in Österreich zu Hause ist, kombinieren Rina Kaçinari und Jelena Popržan simultan und alternierend ihre Stimmen und Streichinstrumente zu vielsprachigen interkulturellen Song-Miniaturen in artis-tisch exquisiten Arrangements. Das sind fantastische Klangformate für Connaisseurs. [Hans-Dieter Grünefeld]

Sven Kacirek: The Nutcracker Sessions
Naïve CD LC 00540 (Indigo)

Sven Kacirek, spätestens seit seinem wie auf fliegenden Teppichen dahertänzelnden Kultalbum „Kenya Sessions“ (mit kenianischen Musikern) auch international als inspirierter Erneuerer der Melodic Percussion wahrgenommen und mit einem untrüglichen Sinn für Groove und federleichte Transparenz ausgestattet, hat Stücke aus Tschaikowskys Nussknacker-Ballett als Ausgangspunkt seiner jüngsten Abenteuerreise „Nutcracker Sessions“ genommen. Seine Anverwandlung evoziert Ohrwürmer, minimalistische Patterns und Mosaiken, endlos scheinende Räume in einer zeitlos verzaubernden Märchenwelt. [Christoph Schlüren]

Louis Spohr: Die letzten Dinge. Kammerchor Stuttgart, Deutsche Kammerphilharmonie Bremen, Frieder Bernius. Carus 83.294 (Note 1)

Obwohl inzwischen weite Teile seines ebenso vielfältigen wie reichen Schaffens den Weg auf die CD gefunden haben, darf Louis Spohr wohl noch immer als der große Unbekannte gelten. Seltsam, denn schon seine Zeitgenossen erkannten ihn bei Blindverkostungen an nur wenigen Takten – so singulär, so charakteristisch ist seine musikalische Sprache. An der Qualität des schon mehrfach eingespielten Oratoriums „Die letzten Dinge“ (1825/26) wird mit diesem herausragenden Live-Mitschnitt aus Kassel kein Zweifel mehr bestehen. Hier stimmt einfach alles: von den Tempi bis zur Akustik. Bernius at his best. [Michael Kube]

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