Unzeitfrei

Cluster 2018/11 - Martin Hufner


(nmz) -
Es war ja nur eine kleine Meldung im Strom der überbordenden Nachrichten. Gleichwohl macht sie sehr nachdenklich. „Musizieren, Malen und Dichten zählen in Deutschland zu den unbeliebtesten Freizeitbeschäftigungen.“ So steht es im sogenannten Freizeit-Monitor 2018. Angeführt werde diese „Schwarze Liste“ vom Spielhallenbesuch (89 Prozent), was kein Wunder ist, sind sie doch so selten geworden. Musizieren, Dichten und Malen sowie E-Book-Lesen folgen auf Platz zwei (alle mit 78 Prozent). Also, nur dass das klar wird, das sind nicht nur jeweils die Dinge, die laut Umfrage Menschen in Deutschland in ihrer Freizeit „auf keinen Fall“ machen, sondern sie sind sogar total unbeliebt. Vielleicht auf einer Stufe mit Zimmeraufräumen, Steuererklärung machen oder Toilettenputzung.
Ein Artikel von Martin Hufner

Was, um Himmels Willen, ist denn an diesem Musizieren, Malen und Dichten so Ekliges dran, dass man es so sehr in seiner Freizeit vermeiden möchte? Es macht wenig Schmutz, es kostet – je nachdem – kaum etwas, es führt nur in den seltensten Fällen zu nachhaltiger Belästigung der Umwelt. Grenzwerte gibt es auch nicht, die man damit überschreiten könnte.

Im Land der „Dichtenden und Denkenden“, wie man jetzt wohl korrekt zu sagen pflegt, könnte man darüber glatt etwas traurig werden. Irgendwer hat offenbar ein großes Interesse daran, uns daran zu hindern, zu einem eigenen Ausdruck zu gelangen durch verschiedene Formen künstlerischen Tuns. Kunstmachen ist gleichwohl Arbeit, leider jedoch keine „richtige“, weil sie ja zu häufig auch noch selbstbelohnend ist – pfui deibel auch. Und wie bei den wichtigsten Tätigkeiten immer, sind diese daher in der Regel – jetzt mal so im Vergleich zu denjenigen, die gleich Geld für sich arbeiten lassen –chronisch un- oder unterbezahlt. Was diese aber nicht weniger wertvoll macht. Allerdings so ein bisschen unbeliebt dann doch, etwas schmutzig eben, nicht so recht in kapitalistische Ausbeutungsprozesse passend, die unser Odium und Fluidum der Exis­tenz sein sollen und die man anzubeten sich nicht abgewöhnt hat. Da kann man nur sagen: Seien Sie revolutionär, schreiben Sie heute noch mindestens ein Gedicht …

 

(kiz-lieberwirth) - …. Studie ist nicht gleich Studie!

siehe:  JIM-Studie 2018 liegt vor – Musik machen ist eine der beliebtesten Freizeitaktivitäten von Jugendlichen

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