Verrückte Schweine und entrückte Etüden

Antörnendes und Verblüffendes für Violine


(nmz) -
Aleksey Igudesman: Pigs can fly. Leichte Geigenduette +++ Rodolphe Kreutzer: 42 Études ou caprices für Violine (Birtel/Egelhof, ­Oomens)
Ein Artikel von Katharina Apostolidis

 

Aleksey Igudesman: Pigs can fly. Leichte Geigenduette, Universaledition Wien 2009, UE 33938

Unterhaltsame Geigenduette, inspiriert vom Geiger, Bratschisten und Schweinezeichner Julian Rachlin, umrahmt von amüsanten Schweinchen-Gedichten inklusive CD. Die lustig unkonventionellen Titel, wie „Verrücktes-perücktes Schwein“ oder „Schweinchen zählen“ (zur Abwechslung statt Schäfchen) verführen dazu, mit der Nase tief in den Noten zu wühlen. Kompositorisch anspruchsvolle Stücke im Mittelstufenniveau, in denen es sich unter anderem jazzig, spanisch, oder synkopisch mit Freude herumwälzen, an faszinierenden Klängen satt essen und ab und zu sul ponticello quietschen lässt, wenn es uns gut geht. Jedes Duett hat als Schwerpunkt ein technisches Thema, die Schülerstimme ist leichter als die des Lehrers, es geht nur vereinzelt bis in die dritte Lage. Kein musikalischer Saustall, sondern wunderschöne hochprofessionelle Kompositionen, die sich gerade auch für „Jugend musiziert“ eignen, geigerisch mit herrausragenden Klängen einen abzugrunzen.

Rodolphe Kreutzer: 42 Études ou caprices für Violine (Birtel/Egelhof, ­Oomens), Schott, Mainz 2010, ED 20340

Die vorliegende Urtext-Ausgabe basiert auf der Erstausgabe. Die Sensation dieser Edition ist, dass sie nicht nur den ursprünglichen Notentext wiedergibt, sondern auch die originalen Fingersätze. Viele ungewohnte Neuerungen finden sich außerdem hinsichtlich Nummerierung, Anzahl, Noten und Trillerangaben. In Nr. 24 wird man beispielsweise die Dezimgriffe vergeblich suchen, es sind im Original „nur“ Oktaven. Etliche Notationseigentümlichkeiten – speziell bei Akkorden und Doppelgriffen – wurden beibehalten. Die ursprüngliche Reihenfolge wurde wiederhergestellt, die in den diversen Ausgaben oft mehr oder weniger geändert wurde. Studierende und Interpreten können mit dieser Edition Übepartys „mit Schampus auf dem Campus“ im Neuland auf nur scheinbar bekannten Pfaden feiern. 

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