Von Musikern lernen?

Forschungsprojekt sucht Teilnehmer: „Alltagskunst als Innovations- und Integrationsfaktor in Unternehmen“


(nmz) -
Unternehmen lernen von Musikern? Musiker revolutionieren Denkprozesse in Unternehmen? Wie wird so etwas gemacht? Ein von der Internationalen Bodenseehochschule gefördertes Forschungsprojekt sucht Antworten auf diese Fragen. Um Daten über die Formen der Zusammenarbeit zwischen Musik und Wirtschaft erheben zu können, werden Musiker und Unternehmen gesucht, die über ihre Erfahrungen oder Erwartungen berichten können.
Ein Artikel von (N.N.)

Die Fragestellungen und Zielsetzungen des Forschungsprojektes lauten im Einzelnen wie folgt:

  1. Welche Art der Zusammenarbeit gibt es derzeit zwischen Unternehmen und Künstlern im Bodenseeraum ?
  2. Hat sich eine bestimmte Art der Zusammenarbeit zwischen Unternehmen und Künstlern als Best-Practice bereits etabliert?
  3. Wie lässt sich die Zusammenarbeit zwischen Musikern und Unternehmen in der Praxis verankern?
  4. Ziele sind (a) das Erarbeiten eines Handbuches für Unternehmen und Musiker (Arbeitstitel: „Erfolgreiche Zusammenarbeit von Musikern mit Wirtschaftsunternehmen“) sowie (b) die Umsetzung und Realisierung von Pilotprojekten in Wirtschaftsunternehmen.

Die Förderung von kulturellen Veranstaltungen ist in allen Ländern der Bodenseeregion im Trend. In der Schweiz ist die Migros Genossenschaft einer der Hauptsponsoren des bekannten Openair St.Gallen Festivals. In Deutschland unterstützt beispielsweise die Würth Gruppe zahlreiche Projekte im Bereich Kunst und Kultur mit großem finanziellem Engagement. Bei den Bregenzer Festspielen in Österreich ist neuerdings die BMW Group eine der Hauptsponsoren. Die Frage stellt sich, welche Gründe Unternehmen bewegen, teilweise große Summen für kulturelle Zwecke auszugeben. 

In Wirtschaftsunternehmen ist meist von Kultursponsoring die Rede, wenn es darum geht, Kunst und Kultur zu fördern. Im Rahmen ihres Nachhaltigkeitsengagements gehen einige Firmen jedoch einen Schritt weiter. Unter dem Begriff „Corporate Cultural Responsibility“ (als Teil der Corporate Social Responsibility) wird eine über das Kerngeschäft hinausgehende Verantwortung des Unternehmens für Kultur verstanden, die in strategischen Konzepten und Maßnahmen verankert ist. Ein gutes Beispiel dafür ist das Kulturprozent der Migros. Dabei gibt die Genossenschaft einen bestimmten Teil des Gewinns für kulturelle Zwecke aus. 

Kunst birgt jedoch auch Potentiale, die von Unternehmen gewinnbringend genutzt werden können. Neuere Studien besagen, dass durch „Arts based Learning“ insbesondere die Soft Skills positiv beeinflusst werden können; dies sind vor allem Kreativität, Vorstellungskraft, Risikoverhalten, Improvisation, Beobachtungsfähigkeit, Kritikfähigkeit, Bewusstsein, Flexibilität und Energetisierung. Die Möglichkeit, Kunst gezielt als Motor für wirtschaftliche Veränderungen zu begreifen und einzusetzen, erschafft eine Vielzahl von Anwendungsfeldern, in denen Kunst einen nachhaltigen Beitrag leisten kann. Dabei ist die zentrale Frage, welche Art von Wirtschaftsunternehmen sich unter welchen Bedingungen zur Zusammenarbeit anbieten. 

Am Beispiel „Musik“ soll aufgezeigt werden, wie diese zur Produkt- und Dienstleistungsinnovation sowie übergreifend zur Unternehmensentwicklung beitragen kann. Analytisch zielt das Projekt auf die Identifikation der Erfolgsvoraussetzungen, Prozesse und Ergebnisse der Zusammenarbeit zwischen Wirtschaft und Musik sowie ein tieferes Verstehen der Kompetenzen von Musikern und deren Verwendung in Unternehmen. Praxisbezogen ist es das Hauptziel des Projekts, die Kooperation zwischen Musikschaffenden und Wirtschaft zu intensivieren und zu optimieren. Voraussichtlich können viele der Ergebnisse auch auf andere Formen der Kunst übertragen werden. 

Interessenten können sich bei der Fachhochschule St. Gallen, Frau Liselotte Arnet, Tel.: +41 71 226 1380, Email: Liselotte.Arnet@fhsg.ch) bewerben.

Den Mitwirkenden wird die Gelegenheit geboten, sich untereinander sowie mit den mitwirkenden Unternehmen zu vernetzen.

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