Von Strauss bis Schwenk

Münchner Komponist*innen mit Werken für Cello und Klavier


(nmz) -
München. Es ist der 12.10.2020 und im Rubinstein-Saal in der Landsberger Straße brennen wieder die Lichter. Nichts Selbstverständliches in diesem Herbst. Pianist Henri Bonamy und Cellist Simon Schachtner machten ihr Konzert mit mitreißendem Elan und einer ungewöhnlichen Gegenüberstellung der Romantik und Moderne auch zu etwas Besonderem.
Ein Artikel von Denise Maurer

Das Konzert war mit „Münchner Schulen: Rheinberger und die Folgen“ betitelt und mit Josef Rheinbergers hochromantischer zweiter Cello-Sonate op. 92 begann auch der Abend. Ähnlich wie bei einem weiteren Programmpunkt, der Sonate für Klavier und Violoncello op. 17 seiner Schülerin Luise Adolpha Le Beau, die allerdings reicher an prägnanten, lyrischen Melodien ist, glänzte hier Simon Schachtner bei den stark leidenschaftlichen Themen, während das Klavier wie so oft bei romantischer Kammermusik als Stimmungsmacher durch seinen heiklen, vollen und virtuosen Satz hervor- und somit oft in den Fokus trat. Henri Bonamy meisterte dies überzeugend und klanglich feinsinnig.

Das erste zeitgenössische Werk wurde diesen Sonaten nun dazwischen gestellt: Johannes X. Schachtners „Deviant Dances“ von 2018 wollten nicht aus dem vorhandenen Erbe dieser mannigfachen Gattung schöpfen. „Deviant“ bedeutet nämlich „vom Üblichen abweichen“. So stellten sich die Tänze Schachtners als fünf rhythmische Kuriositäten dar: Von einem akzentuierten Tanz „interruptus“ bis hin zum brachialen Urtanz, bei dem auch einmal auf die Saiten im Flügel geschlagen werden durfte. Jeder der fünf Tänze stach klar durch einen eigenen, farbigen Charakter heraus – ein besonderer Reiz.

Die Uraufführung „senza pressione per violoncello e pianoforte“ konzipierte Fredrik Schwenk als eine Anlehnung mit einer Verweigerung dieser an Helmut Lachenmanns „Pression“ für einen Cellisten; denn Lachenmann wurde hier nur selten zitiert, und wenn, dann immer mit einer Veränderung. Statt kratzigen, „gepressten“ Tönen wie bei Lachenmann erklang zart Gestrichenes zu manchmal impressionistisch angehauchten Harmonien im Klavier oder gar akzentuierten Leggiero-Läufen. In drei Sätzen zeigten sich mal ein betäubtes Stillstehen, dann ein nachgiebiges Tonkarussell, extreme Fortissimo-Ausbrüche, und schließlich ein traumwandlerisches Pianissimo-Ende, das originell ins Leere lief.

Zuletzt: Die Sonate für Violoncello und Klavier op. 6 zeichnete sich durch die Qualität Richard Strauss’ als orches­tral denkender Komponist aus. In allen drei Sätzen schöpfte Strauss facettenreich aus einer eigenen Welt, die auch Dank der gelungenen Interpretation der Musiker fast szenisch daherkam – beispielsweise beim Einstieg, der einer Ouvertüre glich. Überzeugend war ebenfalls der Aufbau der extremen Ausbrüche, bei denen sich Henri Bonamy und Simon Schachtner noch einmal voll ausspielen konnten.

Trotz des sehr anstrengenden Programms sah man den Musikern die Freude an, wieder auftreten zu können. Dass die eh schon deutlich verringerten Sitzplätze trotz bewährtem und diszipliniertem Hygiene-Konzept nicht alle besetzt waren, hatte sicherlich mit den steigenden Corona-Zahlen zu tun.
  

  

 

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