Wege zu Mensch und Gesellschaft

Zum Europäischen Kongress für Musikpädagogik in Toblach


(nmz) -

Unter dem Thema „Warum nicht Musik?! – Wege zu Mensch und Gesellschaft“ fand vom 11. bis 14. Oktober 2001 in Toblach ein europäischer Kongress für Musikpädagogik statt. Die Arbeitsgemeinschaft der Musikerzieher Österreichs (AGMÖ) und das Bozener Institut für Musikerziehung in deutscher und ladinischer Sprache hatten dazu in das ehemalige, geschichtsträchtige Grand-Hotel eingeladen. In diesem Hotel ging früher der europäische Hoch- und Geldadel ein und aus, das Hotel verfügte über großzügige Speisesäle, Musik- und Lesesalons, offene und geschlossene Veranden. Weithin bekannt waren die See- und Blumenfeste. „Hier ist es wunderherrlich und repariert ganz sicher Leib und Seele…“ – so empfand Gustav Mahler dort seinen Aufenthalt in den Sommermonaten 1908 bis 1910. Das Grand-Hotel empfiehlt sich auch für zukünftige Kongresse, denn es liegt auf weitläufigem und großzügigem Terrain und wurde inzwischen zu einem modernen Kongresszentrum umgebaut, ohne dass der Charme des Jugendstils nachhaltig darunter gelitten hätte.

Ein Artikel von Manfred Elsberger

Unter dem Thema „Warum nicht Musik?! – Wege zu Mensch und Gesellschaft“ fand vom 11. bis 14. Oktober 2001 in Toblach ein europäischer Kongress für Musikpädagogik statt. Die Arbeitsgemeinschaft der Musikerzieher Österreichs (AGMÖ) und das Bozener Institut für Musikerziehung in deutscher und ladinischer Sprache hatten dazu in das ehemalige, geschichtsträchtige Grand-Hotel eingeladen. In diesem Hotel ging früher der europäische Hoch- und Geldadel ein und aus, das Hotel verfügte über großzügige Speisesäle, Musik- und Lesesalons, offene und geschlossene Veranden. Weithin bekannt waren die See- und Blumenfeste. „Hier ist es wunderherrlich und repariert ganz sicher Leib und Seele…“ – so empfand Gustav Mahler dort seinen Aufenthalt in den Sommermonaten 1908 bis 1910. Das Grand-Hotel empfiehlt sich auch für zukünftige Kongresse, denn es liegt auf weitläufigem und großzügigem Terrain und wurde inzwischen zu einem modernen Kongresszentrum umgebaut, ohne dass der Charme des Jugendstils nachhaltig darunter gelitten hätte.Siegfried Tappeiner vom Kongresskomitee zeigte sich bei der Begrüßung sichtlich erfreut über die große Zahl von 1.300 Teilnehmern und wünschte ihnen „viel Neugierde, viele Ideen und viel Freude bei der Umsetzung der in Toblach gewonnenen Anregungen.“ Darüber hi-naus bedankte er sich bei allen, die zur Vorbereitung der Veranstaltung beigetragen hatten.

Hofrat Dir. Dr. Peschl, der Präsident der Arbeitsgemeinschaft Österreichischer Musikerzieher, und Prof. Scheidegger aus Luzern betonten die wichtige Rolle der Musik in der Entwicklung des Menschen. Daraus resultiere auch eine besondere Verantwortung für die Musikerziehung im Kindesalter. „Musik öffnet dem Menschen ein zusätzliches Fenster“, urteilte Peschl. Kulturlandesrat Bruno Hosp und sein Tiroler Amtskollege Günther Platter hoben in ihren Grußworten ebenfalls die Bedeutung der musischen Erziehung hervor.

Elisabeth Gehrer, die österreichische Bundesministerin für Bildung, Wissenschaft und Kultur, eröffnete den Kongress. „Ich mag musische und musizierende Menschen. Sie fordern nicht nur, dass andere etwas tun, sie tun selbst. Sie nehmen die musische Herausforderung an und tun sich leichter, auch andere Herausforderungen anzunehmen. Musische Bildung befähigt, quer zu denken, Zusammenhänge zu erkennen.“ Eingehend auf die aktuellen weltpolitischen Geschehnisse zeigte sie sich bestürzt da-rüber, dass die in Kabul in langen Jahren mühsam aufgebaute Musikschule von den dortigen Machthabern aufgelöst und der Umgang mit Musik überhaupt verboten worden sei. Die Festrede hielt Dr. Haas, der Rektor des Salzburger Mozarteums. Der hoch wissenschaftliche Vortrag stand unter dem Thema „Musikerziehung – musisch-kreative Bildung für die Zukunft. Kultureller Wert und bildungspolitische Verantwortung.“ Beindruckend und exzellent umrahmt wurde die Auftaktveranstaltung durch das „Horn-ensemble der Ersten Gesamttiroler Horngesellschaft“ (Ltg.: H. Angerer) und das „Kammerorchester der Lehrerinnen und Lehrer der Musikschulen Südtirols“ (Ltg.: F. Kostner).

Zum Zeitpunkt der offiziellen Eröffnung des Kongresses am späten Nachmittag war die Veranstaltung allerdings bereits in vollem Gange, denn wie sonst hätte man die schier unüberschaubare Anzahl von Workshops, Foren, Vorträgen, Exkursionen, Präsentationen, Videodemonstrationen, Statements, Berichten, Diskussionen, Arbeitskreisen und Konzerten in der Zeit von Donnerstag bis Sonntag unterbringen sollen. Die Themen der über 80 Veranstaltungen waren breit gefächert und erstreckten sich über Vokal- und Instrumentalmusik, Rhythmik, Musiktheater, Musiktherapie, Internet, Computer, Musiktheorie, Analyse bis hin zur Musikpädagogischen Forschung. Das angesprochene Altersspektrum reichte von der musikalischen Früherziehung bis hin zur Oberstufe des Gymnasiums. Dementsprechend breit gefächert waren auch die diskutierten musikalischen Epochen. So wurde der Bogen von der Gregorianik bis zur Musik unserer Tage gespannt. Wichtig und wertvoll waren darüber hinaus die Veranstaltungen, die zur Reflexion der eigenen Unterrichtstätigkeit hinführten.

Bezeichnend für die ausgezeichnete logistische und inhaltliche Gestaltung des Kongresses war die Tatsache, dass man die Lücke zwischen Schulabschluss und Lehrertätigkeit durch die Voranschaltung eines internationalen Studentenforums für Musikpädagogik vom 10. bis 11. Oktober zu schließen wusste. Unmittelbar vor dem Kongress trafen sich Studierende der Musikpädagogik verschiedener Hochschulen aus Deutschland, Österreich, der Schweiz und der Slowakei, um in Arbeitsgruppen über die derzeitige Situation des Musikunterrichts und über dessen Zukunft an öffentlichen Schulen in Europa zu diskutieren.

Von diesem Kongress ging mit Sicherheit eine positive Wirkung auf das unterrichtliche Wirken der 1.300 Teilnehmer aus. Die Teilnehmer aus Österreich und Italien hatten dienstfreie Tage und ein Wochenende, an denen sie sich in kompakter Form produktiv und kreativ fortbilden konnten. Fazit: für deutsche Kultusministerien durchaus nachahmenswert!

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