Wie die Zeit vergeht

Ein Geburtstagskonzert für Robert Delanoff


(nmz) -
„Delanoff 75“: Unter diesem Titel vereinte in der Schwere-Reiter-Halle München ein Konzert zum 75. Geburtstag des Komponisten Robert Delanoff eine abwechslungsreiche Folge von Kammermusik-Werken.
Ein Artikel von Konstantin Esterl

Landschaften, Bäume, Tiere: Immer wieder sind Naturbilder und -erfahrungen Inspirationsquellen, die in den Stücken Delanoffs begegnen. Seine Musik ist im besten Sinn des Wortes „zugänglich“, auch wegen ihrer Tonsprache, in der sich Momente des Impressionismus, der Romantik, der klassischen Moderne und des Jazz wiederfinden. Das Kompositionsstudium im München der 60er-Jahre zählt dabei ebenso zu Delanoffs prägenden Einflüssen wie die Leitung einer Big Band, die Stelle als Klarinettist bei den Münchner Symphonikern oder die Dozententätigkeit am Konservatorium in Istanbul. Selbstverständlich waren viele Weggefährten zu diesem (vorgezogenen) Geburtstagskonzert gekommen. Aber auch für sie dürfte der Abend Überraschungen geboten haben, handelte es sich doch gut zur Hälfte um Uraufführungen – wie das erste Stück „Tourbillons“ (Wasserwirbel) für Bassklarinette und Klavier, das von den Widmungsträgern Zoltán Kovács und Eva Schieferstein packend gespielt wurde, und das folgende zart-verhaltene Nocturne „Gum Tree Silhouettes at Night Time“ für Klavier, zu dem die Idee beim Anblick von Eukalyptus-Bäumen in einem Park in Melbourne entstanden war. Besondere Virtuosität bewies Kovács (nochmals) in der „Koloratur des Kolibri“, die Delanoff für „sein“ Instrument geschrieben hatte, ein quirliges Capriccio im Dialog mit jazzigen Einwürfen; ganz im Kontrast dazu „Royanji“ für Bassklarinette, ein Stück von beschwörender, dunkler Strahlkraft, angeregt durch die „magische Ruhe“ des gleichnamigen Zen-Steingartens bei Kyoto. Burlesk endete die erste Konzerthälfte mit dem Bläserquintett-Zyklus „For Animals“, einer Charakterisierung verschiedener Tiere. Oft durchdrangen sich hier musikantische Spielfreude und irreguläre Rhythmen, wobei die Gesangseinlage eines mährischen Volksliedes im zweiten Satz („Moravian Geese“) zur großen Erheiterung des Publikums beitrug. Im zweiten Teil des Konzerts überwogen dagegen meditative und melancholische Momente. Zart und empfindsam gestaltete die Harfenistin Anne-Sophie Bertrand gemeinsam mit Kovács die „Alte Buche im Englischen Garten“ und als Solistin „Die Farben des Herbstes“. Die „friedvolle Stille“ am Sterbeort Hindemiths in der Nähe des Genfer Sees inspirierte „Silence sur les Pléiades“ für zwei Flöten und Klavier, die vom Duo Elisabeth Weinzierl und Edmund Wächter zusammen mit Eva Schieferstein ebenso überzeugend zum Klingen gebracht wurde wie schon zuvor die „Tenerezze“ in Erinnerung an den Pianisten Wolfgang Jarosch. Beschlossen wurde der Abend mit „Die Zeit vergeht …“ für Klarinette und Klavier, entstanden unter dem Eindruck der Nachricht vom Tod des Bruders. Heiteres erscheint auch hier, allerdings nur noch als Reminiszenz. Hatte man sich zunächst mehr von der unbeschwerten Spielfreude des ersten Teils gewünscht, erwies sich der Bogen am Ende als schlüssig. Die Betrachtung der äußeren Natur hatte sich zur Reflexion auf die menschliche Natur und deren Sterblichkeit gewandelt. Langer Applaus dankte dem Komponisten und seinen hervorragenden Interpreten.

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