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Alle Artikel kategorisiert unter »Dietrich Heißenbüttel«

Zeitreisen zwischen Alt und Neu

Alte und junge Besucher haben es sich am Rand eines blauen Quadrats auf Sitzkissen bequem gemacht, weitere dahinter auf Stühlen. Am anderen Ende dieser Schwimmbecken-Bühne stellen sich die Neuen Vocalsolisten auf und stimmen Monteverdi an. Nicht nur ein paar Töne: ein ganzes Madrigal. Stand nicht ein neues Werk, die deutsche Erstaufführung von Annelies Van Parys’ „An Archive of Love“, auf dem Programm? Es kommt noch bunter: „Tristan?“, fragt zaudernd eine Frauenstimme. „Isolde!“, tönt es postwendend zurück: „lülülülülü“, gefolgt von gehauchten, gekrächzten, unartikulierten Lauten. Was parodistisch wirkt, verdankt seine Komik zu guten Teilen Claude Viviers „Love Songs“, die Van Parys munter mit Monteverdi, José-Maria Sanchez-Verdù und eigenen Tönen bis hin zu kurzen Pop-Song-Fragmenten collagiert. Und den unvermittelten Kontrasten. Wir meinen, einzigartig zu sein, will die Komponistin sagen: Doch wir wiederholen in unseren Liebesgeschichten nur die Klischees, die seit ältesten Zeiten besungen werden.

Auf tiefem Grund – Alvin Curran beim Berliner Mikromusik-Festival

1964 kam Alvin Curran im DAAD-Austauschprogramm zum ersten Mal nach Berlin. Nun hat er hier am Ende eines einmonatigen Aufenthalts im Rahmen des Festivals Mikromusik ein einziges Solokonzert gegeben. Musikalisch bleibt sich der Pionier live-elektronischer und genregebundener improvisierter Musik treu. Interessant ist auch, ihn aus einer bald sechzigjährigen Perspektive erzählen zu hören.

Die hohe Kunst des Understatement: Südseite nachts mit den Neuen Vocalsolisten

Ein paar Nachzügler kommen noch später, denn die „Südseite nachts“ bei Musik der Jahrhunderte am Stuttgarter Theaterhaus mit den Neuen Vocalsolisten hat versuchsweise erstmals schon um 19 Uhr begonnen. Ein gut gelaunter Andreas Fischer, der Bass, gibt eine kleine Einführung, und überhaupt: Wer behauptet, neue Musik sei ernste Musik, muss nach diesem Abend zu urteilen etwas falsch verstanden haben.

Fugato: das Abschlusskonzert des Flüchtlingsprojekts der Württembergischen Philharmonie Reutlingen

Ahmet Gül hat Musik studiert und ist gleichermaßen in der europäischen wie in der türkischen Gesangstradition zuhause. Im interreligiösen Chor Trimum, ein von Bernhard König 2012 ursprünglich an der Stuttgarter Bachakademie ins Leben gerufenes Projekt, kann er beides verbinden. Im Projekt „Fugato“ der Württembergischen Philharmonie Reutlingen kommt Gül, der im Hauptberuf als Telefonist am Esslinger Klinikum arbeitet, dagegen nur einmal kurz dazu, seine Gesangskünste vorzuführen. Am Arm geführt und sekundiert von Lucie Mackert, stellt der blinde Sänger als Erzähler den Zusammenhang her. Wieder und wieder, insgesamt zehnmal, hebt er an: „Es war einmal ein Ton.“

Die Nornen. Lufthauch, Flimmern, Flackern, Asche, Rost: Südseite nachts in Stuttgart

Nordische Überlieferung in der Südseite nachts: In Wieland Hobans „Urðabrunnr“ im Probensaal P1 von Musik der Jahrhunderte im Stuttgarter Theaterhaus war keine Richtung vorgegeben. Vier Harfenistinnen sitzen im Kreis und ziehen Bogenhaare durch die Saiten. Zwischen ihnen drei Streicher und drei Bläser des Ensemble Recherche, dahinter Klavier und Schlagzeug, außen auf allen Seiten das Publikum.

Neue Horizonte in Farbe mit ascolta, dem SKO und einer Schüler-Kunstgruppe

Für Wassily Kandinsky hatte die Farbe einen Klang. Komponisten seit Earl Brown haben Musik grafisch notiert. Im Kinder- und Jugendprojekt SKOhr-Labor des Stuttgarter Kammerorchesters dient Malerei den beteiligten Schülern dazu, sich mit neuer Musik auseinanderzusetzen.

Podium-Festival Esslingen 2016: Klassik-Events im alten Kino und in der Autowerkstatt

Lange vorher ausverkaufte Konzerte. Ein begeistertes Publikum. Es fehlt nicht an Förderern, auch die Lokalprominenz lässt sich blicken: In seinem achten Jahr schwimmt das Esslinger Podium Festival auf einer anhaltenden Erfolgswelle. Ein Miesepeter, wer dagegen etwas einzuwenden hat. Dennoch muss die Frage erlaubt sein: Was ist das Besondere, was das junge Klassik-Festival von anderen unterscheidet?

Eine hohe Schule für Interpreten

Eine zweifache Zeitverschiebung steckt – von heute aus betrachtet – in Helmut Lachenmanns „Salut für Caudwell“. „Wir stellen die Forderung an euch, das Leben mit der Kunst und die Kunst mit dem Leben in Einklang zu bringen“, zitieren die zwei Gitarristen programmatisch aus Christopher Caudwells „Bürgerliche Illusion und Wirklichkeit“. Der Text war bereits 40 Jahre alt, als Lachenmann vor fast 40 Jahren das Stück schrieb: „Wir verlangen, dass ihr wirklich in der neuen Welt lebt und eure Seele nicht in der Vergangenheit zurücklasst.“ Nun ist zu Lachenmanns 80. Geburtstag seine neue Musikwelt allein in Stuttgart mit 22 Konzerten gefeiert worden. Doch die neue Welt, die der englische Autor 1937 erträumte, kurz bevor er im Spanischen Bürgerkrieg ums Leben kam, scheint weiter weg denn je.

Am Rand der Antarktis – Victor Gama bei „Krieg singen“

In einem Stück über einen israelisch-südafrikanischen Atomwaffentest präsentiert Victor Gama im Berliner Haus der Kulturen der Welt erstmals in Deutschland seine einzigartigen Instrumente. Am Vortag hat bereits Laibach gespielt. Im Kontext der viertägigen Konzert- und Veranstaltungsreihe „Krieg singen“ im Haus der Kulturen der Welt wirkt Victor Gamas friedliche Musik zunächst überraschend harmonisch. Und doch birgt „Vela 6911“ mit dem Kammerensemble Neue Musik, Gamas eigenen Instrumenten und Video den brisantesten Zündstoff.

Der Sprung über den Tellerrand ins Wasser

Dietrich Heissenbüttel hörte sich Christian Marclays abgründige Partituren mit Laurent Estoppey und dem ensemBle baBel in Stuttgart an.
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