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Alle Artikel kategorisiert unter »Frieder Reininghaus«

Eine ordentliche Verpuffung: Louis Spohrs „Alchymist“ in Braunschweig

27.05.09 (Frieder Reininghaus) -
Louis Spohr war nicht nur Geigenvirtuose im frühen 19. Jahrhundert, auch als Kapellmeister, mit seinen Oratorien und Opern prägte er das Musikleben. Zwei der Bühnenwerke werden gelegentlich neu aufgelegt: der eigenwillige „Faust“ (Prag 1816) und „Jessonda“ (Kassel 1823). Braunschweig, wo er 1784 auf den Namen Ludewig getauft wurde, erinnert heuer mit verschiedenen musikalischen Aktivitäten an seinen 225. Geburtstag und an den 150. Todestag.

Die Mädchen und der Tod: Kris Defoorts „The House of the Sleeping Beauties“ in Brüssel

13.05.09 (Frieder Reininghaus) -
Der Komponist Kris Defoort, ausgebildet als Barock- und als Jazz-Musiker, wurde zu Beginn des Jahrzehnts durch eine mit cross-over-Musik versehene Video-Kammeroper bekannt: „The Woman Who Walked into Doors“. Da ging es, wie in der zugrunde liegenden Novelle von Roddy Doyle, um die Rekonstruktion von Erinnerungen und Bewusstseinsformen einer jungen Frau aus der irischen Unterschicht, die von einem Kiez-König gewalttätig unterworfen wurde; nach dem gewaltsamen Tod dieses Typen dämmert sie aus dem Alkoholismus herauf, legt Gründe ihres kurzen Glücks und langen Elends offen.

Lust der Qual: Wolfgang Rihms „Proserpina“ in Schwetzingen uraufgeführt

05.05.09 (Frieder Reininghaus) -
Am Anfang der Gattung Oper entdeckte Claudio Monteverdi die Figur der Persephone (lat.: Proserpina) für das Musiktheater: die Klage der von Hades (Pluto) geraubten, vergewaltigten und zur Königin der Unterwelt erhobenen jungen Frau. Doch die Partitur ist verloren gegangen. Siegmund Freiherr von Seckendorfs Musik für Johann Wolfgang Goethes Anverwandlung des mythischen Sujets in einer „dramatischen Grille“ („Der Triumph der Empfindsamkeit“), eineinhalb Jahrhunderte später entstanden, möchte heutigen Ohren allzu milde frühklassisch vorkommen.

Triumph der Liebe über den Tod

01.11.07 (Frieder Reininghaus) -

Der Brand der Herzogin Anna Amalia Bibliothek im Herzen des klassischen Weimar war eine Katastrophe für das deutsche Bibliothekswesen, wie es seit dem Zweiten Weltkrieg keine vergleichbare gegeben hatte. Nun ist das historische Palais, in dem die ältesten und wertvollsten Bücher untergebracht waren, in erstaunlich kurzer Zeit mit neuem Glanz und alten Farben wiedererstanden. Auch ein Teil der Buchbände ist, sofern bereits restauriert, an den Platz der Demokratie zurückgekehrt. Flankiert von Hellmut Seemann, dem Kopf der Klassik Stiftung Weimar, und Bibliotheks-Chef Michael Knoche nutzte Bundespräsident Horst Köhler die Gelegenheit zu grundsätzlicheren Ausführungen über Buch- und Bildungswesen sowie Erinnerungskultur.

Gut behauptet, trotz Spannungs- und Niveauabfall

01.11.05 (Frieder Reininghaus) -

Das neue Jahrtausend sollte an Rhein und Ruhr hochgemut beginnen. Im Dezember 2000 wurde Gérard Mortier mit einer Pressekonferenz im Düsseldorfer Stadttor als Gründungs-Intendant eines Festivals inthronisiert, das mehrere Fliegen mit einer Klappe schlagen sollte. Vornan ging es darum, eine respektable Nutzung brachliegender Immobilien aus den heroischen Zeiten des Industriezeitalters in die Wege zu leiten, die der Landesregierung von Nordrhein-Westfalen als teure Klötze am Bein hingen: Die Jahrhunderthalle in Bochum, die Kraftzentrale Meiderich in Duisburg, der Gasometer in Oberhausen, die Zeche Zollverein in Essen und andere auratische Räume des späten 19. und frühen 20. Jahrhunderts sollten sporadisch, aber dauerhaft genutzt werden für Musik-, Sprech- und Tanztheater oder Konzerte; insbesondere auch für Projekte mit neuem Medieneinsatz, in denen sich verschiedene Kunstformen verflechten oder verschmelzen.

Shakespeare im europäischen Kulturdialog

01.07.02 (Frieder Reininghaus) -

Shakespeares großes Drama sei wie ein Schwamm, meinte der alte Jan Kott, und „Hamlet“ insbesondere „eigenartig eben wegen seiner Porosität, seiner offenen Stellen.“ Das Ganze ist das Dilemma. Auf der Opernbühne erhielt bislang keines der Werke dauerhaftes Bleiberecht, die das Königsdrama in allen oder möglichst vielen seiner Handlungsstränge auf die Bühne bringen wollten. An Anläufen fehlte es gleichwohl seit dem frühen 18. Jahrhundert nicht, diesen Historienstoff, Kriminalroman, philosophischen Exkurs in Musik zu bringen. In Italien versuchten sich an ihm neben Scarlatti, Gasparini, Andreozzi, Mercadante wenigstens ein halbes Dutzend weiterer Komponisten, auch Franco Faccio, dem Verdis Librettist Arrigo Boito die Vorlage lieferte. Giuseppe Verdi selbst verwarf die Idee, einen „Hamlet“ zu komponieren; er glaubte nicht daran, die Partie des räsonierenden Titelhelden hinreichend scharf konturieren zu können. Von 1950 an hatte Boris Blacher mit einem Hamlet-Ballett eine Zeit lang ansehnliche Erfolge. Einzig Wolfgang Rihms „Hamlet-Maschine“ verspricht bislang, den magischen Bann wirklich zu durchbrechen; aber das ist eine andere Geschichte – gestützt auf Heiner Müller und die Folgeerscheinung der „Porosität“ und der blutig „offenen Stellen“.

Gesang der Wale oder Die stummen Seejungfrauen reden

01.06.02 (Frieder Reininghaus) -

Der Zusammenhang und die Wechselwirkungen von Hören und Sehen erscheinen selbstverständlich. Und sie sind es doch nicht. Besonders nachdrücklich hat dies in den letzten Jahren Helmut Oehring ins Bewusstsein gerückt. Er vermittelt, was diesen Zusammenhang und Kontrast betrifft, in hohem Maß autobiografisch genährte Erfahrungen: 1961 in Berlin geboren, wuchs Oehring im Haushalt gehörloser Eltern auf (als Hörender). Seit einigen Jahren forscht und komponiert er nun auf dem Feld der Audiovisualität. Freilich wurde er, und das mag ihm heute (zum Erhalt einer gewissen „Bodenhaftung“) zustatten kommen, zunächst zum Baufacharbeiter ausgebildet und jobbte auch in anderen praktischen Berufen; spielte nebenbei Gitarre. Doch dann begann er, zunehmend intensiv, sich mit Neuer Musik zu beschäftigen und überhaupt mit Fragen des Hörens, der Wahrnehmung, des Hervorbringens von Ton, Klang und kommunikativen akustischen und nicht-akustischen Äußerungen. Für ihn, so sagt er, sei Sehen wichtiger als Hören; und das Sehen „gekoppelt an Sprache, Kommunikation, Mitteilung“.

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