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Alle Artikel kategorisiert unter »Olaf Zimmermann«

Was hindert und wie fördert man Bürgerschaftliches Engagements

03.01.02 (Olaf Zimmermann) -
von Olaf Zimmermann

(Artikel ist erschienen in: Kulturpolitik in der Bürgergesellschaft – Jahrbuch für Kulturpolitik 1 (2000). Hg. vom Institut für Kulturpolitik)


1. Einleitung

Kaum ein Thema hat in den letzten Jahren einen solchen Aufschwung erlebt wie die Frage des Bürgerschaftlichen Engagements. War noch vor fünf Jahren von der angestaubten Vereinsmeierei die Rede, so wird heute allenthalben beschworen, wie wichtig und wertvoll das Bürgerschaftliche Engagement ist und welcher Beitrag zur Stärkung der Zivilgesellschaft damit geleistet wird.

Unter betriebswirtschaftlichem Blickwinkel könnte also von einem äußerst erfolgreichen „Relaunch“ des abgetakelten Produktes „Ehrenamt“ nun im neuen Gewand des Bürgerschaftlichen Engagements gesprochen werden. Denn mit dem Aufschwung der Debatte um Bürgerschaftliches Engagements fand auch eine Veränderung der Betrachtungsweise statt. Das alte, traditionsreiche auf Kontinuität basierende Ehrenamt wurde ad adcta gelegt und das neue, kurzfristige und lustbetonte Freiwillige Engagements wurde entdeckt.

Bei einer Gegenüberstellung beider Engagementformen in dieser Form wird jedoch verkannt, dass beide Formen des Engagements so weit nicht auseinanderliegen und es in der Vergangenheit, Gegenwart und sicherlich auch in der Zukunft zahlreiche Überschneidungen gibt.

Vielfach wird ebenso nicht gesehen, welche herausragende Bedeutung Vereine und Verbände für die Entstehung und die weitere Entwicklung des Bürgerschaftlichen Engagements einnehmen. Vereine und Verbände sind eine der Kernformen der Demokratie. In ihnen wurden lange vor der Entstehung demokratischer Staaten demokratische Spielregeln praktiziert und damit eingeübt. Es kommt daher nicht von ungefähr, dass in den ehemaligen Ostblock-Staaten heute die Gründung von Vereinen und Verbänden ein wichtiger Schritt zum Aufbau der Demokratie sind.

Für die verspätete Nation Deutschland ist das Bürgerschaftliche Engagement in Kulturvereinen über das allgemeine Bürgerschaftliche Engagement in Vereinen und Verbänden von spezifischer Bedeutung. Kulturvereine hatten im 19. Jahrhundert stets auch die Kulturnation Deutschland im Blick.

1.1 Definition von Bürgerschaftlichem Engagements

Im Zuge der politischen, wissenschaftlichen und gesellschaftlichen Debatte zum Bürgerschaftlichen Engagement ist eine Begriffsvielfalt entstanden, die kaum mehr zu überschauen ist. Da wird das freiwillige Engagement vom Ehrenamt abgegrenzt, da gilt es zwischen altem und neuem Ehrenamt zu unterscheiden, da sind scharfe Trennungen zwischen Bürgerschaftlichem Engagements als Zeit- oder als Geldspende auszumachen. Diese Begriffsvielfalt führt zu einer mitunter babylonisch anmutenden Begriffsverwirrung.

Ich verstehe in diesem Beitrag unter

Das Bürgerschaftliche Engagement und der Staat

03.01.02 (Olaf Zimmermann) -

Flächenbrand Bürgerschaftliches Engagements

Der Kulturbereich spielt in der Debatte um die Zukunft des Bürgerschaftlichen Engagements eine bedeutende Rolle. Die Diskussion um die Reform des Stiftungs- und des Stiftungssteuerrechts war ein Lehrstück, wie mit dem positiven Image der Kultur einem Gesetzesvorhaben Kontur gegeben werden kann. Dass mit dem „Gesetz zur weiteren steuerlichen Förderung von Stiftungen“ ein Erfolg errungen wurde, der auf das stetige und nicht nachlassende Engagement der Kulturpolitikerinnen und Kulturpolitiker im Deutschen Bundestag und in den Kulturverbänden zurückzuführen ist, darf nicht außer Acht gelassen werden. Ohne dieses kontinuierliche Engagements wäre es kaum gelungen, das Thema Reform des Stiftungs- und des Stiftungssteuerrechts über einen so langen Zeitraum in der öffentlichen Diskussion zu präsentieren und zu einem so erfolgreichen Abschluss zu bringen.

Kommunale Verwaltungsreform und Bürgerschaftliches Engagement

03.01.02 (Olaf Zimmermann) -
Politisch-institutionelle Rahmenbedingungen und Ansätze zur Stärkung Bürgerschaftlichen Engagements, Teilbereich Kommunale Verwaltungsreform


Anfang der 90er Jahre begeisterte ein Zauberwort Entscheidungsträger der öffentlichen Verwaltung und Entscheidungsträger in Organisationen des Dritten Sektors. Das Zauberwort hieß: „Neues Steuerungsmodell“. Das „Neue Steuerungsmodell“ versprach einen effizienteren Einsatz der vorhandenen Ressourcen, eine stärkere Fachverantwortlichkeit und eine verbesserte Kundenorientierung. Es schien das Lösungsmodell zur Umsetzung der Kommunalen Verwaltungsreform zu sein.

Entwickelt wurde das Neue Steuerungsmodell von der „Kommunalen Gemeinschaftsstelle für Verwaltungsvereinfachung“ (KGSt). Die KGSt wird von den kommunalen Spitzenverbänden getragen. Sie ist ein nicht eingetragener Verein mit Sitz in Köln. Bereits seit 1949 setzt sich die KGSt für Verwaltungsvereinfachung ein und bemüht sich um den interkommunalen Austausch. Doch kaum zuvor hatte die KGSt eine solche Aufmerksamkeit erlangt.

Verbände und Vereine

03.01.02 (Olaf Zimmermann) -
Vereine und Verbände nehmen in der Demokratie eine wichtige Funktion wahr. Nach Art. 9 Abs. 1 GG haben alle Deutschen das Recht „Vereine und Gesellschaften zu bilden“. Die Verankerung der Vereinigungsfreiheit in den ersten Kapiteln des Grundgesetzes spiegelt die hohe Bedeutung, die der freien Bildung von Vereinen und Gesellschaften in der Demokratie beigemessen wird.

Bürgerschaftliches Engagement im Kulturbereich

03.01.02 (Olaf Zimmermann) -

Bürgerschaftliches Engagement im Kulturbereich beruht auf Traditionen, die weit in das 18. Jahrhundert zurückreichen. Erste Wurzeln sind die Lesegesellschaften. Hier traf sich das entstehende Bürgertum und debattierte sowohl belletristische und politische Literatur. Die Lesegesellschaften hatten ein starkes emanzipatorisches Moment. Es wurde eine Gegenkultur zum Feudalismus entwickelt.

Institutionalisierung des Themas „bürgerschaftliches Engagement“

03.01.02 (Olaf Zimmermann) -

Jährlicher Bericht zur Entwicklung des Bürgerschaftlichen Engagements (Arbeitstitel)

Sowohl das Internationale Jahr der Freiwilligen im Jahr 2001 als auch die Enquete-Kommission des Deutschen Bundestags „Zukunft des Bürgerschaftlichen Engagement“ haben deutlich gemacht, dass das Thema Bürgerschaftliches Engagement einer kontinuierlichen Bearbeitung bedarf. Im Vorfeld des Internationalen Jahres der Freiwilligen wurden verschiedene empirische Forschungen durchgeführt, die die Bandbreite und das Potenzial Bürgerschaftlichen Engagement gezeigt haben. Die Dritte-Sektor-Forschung hat sich deutlich ausdifferenziert. Mit Hilde internationaler Forschungsvorhaben können Vergleiche zur Entwicklung des Bürgerschaftlichen Engagement in anderen Staaten angestellt werden.

Bürgerschaftliches Engagement und Bürokratische Hemmnisse

03.01.02 (Olaf Zimmermann) -
Von Seiten Bürgerschaftlich Engagierter wird der bürokratische Aufwand bei der Verwirklichung des Bürgerschaftlichen Engagements vielfach kritisiert. Auch von den Vereinen und anderen Organisation des Dritten Sektors wird oftmals beklagt, dass zahlreiche und kaum durchschaubare Vorschriften eingehalten werden müssen. Es ist festzustellen, dass es aufgrund dieser Hemmnisse immer schwieriger wird, in den Vereinen ehrenamtlich Aktive zu finden, die administrative Aufgaben übernehmen wollen. Die Übernahme dieser Aufgabe setzt ein hohes Maß an Vertrauen in die jeweiligen Personen voraus und die Bereitschaft sich längerfristig in dem Bereich zu engagieren, weil nur so das erforderliche Fachwissen sich angeeignet werden kann.

Kulturpolitik und Informationsgesellschaft

03.01.02 (Olaf Zimmermann) -


Kulturpolitik und Informationsgesellschaft scheinen zunächst zwei Bereiche zu sein, die weit auseinander liegen. Unter Kulturpolitik wird zumeist die Förderung von Kultureinrichtungen oder kulturellen Projekten, also Förderpolitik, verstanden. Die Entwicklung der Informationsgesellschaft wird als politische Aufgabe in erster Linie von der Wirtschafts- und Technologiepolitik aufgegriffen. Kulturpolitik erscheint in diesem Zusammenhang häufig als Randthema.

Diese Betrachtungsweise hängt u.a. auch damit zusammen, dass gerade in den letzten beiden Jahren die Kulturpolitik stark auf die bereits angeführte Förderpolitik fokussiert wurde. Im Mittelpunkt der Debatte stand und steht immer noch die Aktivierung privater Mittel für Kultureinrichtungen, kulturelle Projekte sowie für Künstlerinnen und Künstler. Die Debatte um die Reform des Stiftungssteuer- und des Stiftungszivilrechts ist zu erheblichen Teilen eine Diskussion um künftige Wege der Kulturfinanzierung.

Die Dominanz der staatlichen Förderpolitik in der kulturpolitischen Debatte hat zur Folge, dass die Kulturwirtschaft wie z.B. Galerien, Tonträgerhersteller, Verlage aus dem Blick geraten und damit ebenso die Künstlerinnen und Künstler.

Die Entwicklung der Informationsgesellschaft ist eine Herausforderung für alle Politikfelder, so selbstverständlich auch für die Kulturpolitik. Wie kaum eine andere technische Neuerung in der Vergangenheit verändert die Entwicklung der Informationsgesellschaft alle Bereiche des gesellschaftlichen und privaten Lebens innerhalb kürzester Zeit. Dauerte die Industrialisierung noch mehrere Jahrzehnte, bis sie im Wirtschaftsleben Platz griff, verändern die neuen Informations- und Kommunikationstechnologien innerhalb weniger Jahre Produktion und Handel. Auf den Wirtschaftsseiten der Zeitungen und Zeitschriften ist von den Chancen und Risiken der new economy die Rede und fast könnte man meinen, die herkömmliche Ökonomie sei von gestern.

Überholt uns also die Realität der Informationsgesellschaft und wird damit jedes Nachdenken über eine zukunftsfähige Kulturpolitik in der Informationsgesellschaft zu einem „Nach“-denken im Sinne es „Hinterher“-denkens? Ich meine entschieden, dass dies nicht der Fall sein darf. Meines Erachtens ist es vielmehr die vornehmste Aufgabe der Kulturpolitikerinnen und Kulturpolitiker, Ideen, Visionen für eine zukunftsfähige Kulturpolitik zu entwickeln und hierfür zu streiten. Die Informationsgesellschaft ist dabei der Hintergrund auf dem die neuen Ideen entwickelt werden müssen.

Entwicklung der Informationsgesellschaft heißt zunächst einmal, dass neue Informations- und Kommunikationstechnologien in breitem Umfang in der Produktion, im Dienstleistungssektor und in den privaten Haushalten genutzt werden. Die Nutzung dieser neuen Technologien hat zu beträchtlichen Produktivitätszuwächsen und einer erheblichen Beschleunigung geführt. Ebenfalls können Arbeitsprozesse räumlich getrennt voneinander stattfinden.

Die Informations- und Kommunikationstechnologien verändern auch die Produktion und Distribution in der Kultur- und Medienwirtschaft erheblich. Beispiele hierfür sind in allen Kulturwirtschaftsbranchen zu finden.

Book On Demand, d.h. der Druck von Büchern auf Bestellung ist eine tief greifende Veränderung der gesamten Verlagsbranche. Bücher, die nur auf einen kleinen Kreis an Interessenten treffen, können mit Hilfe der neuen Technologie auf Bestellung in der gewünschten Stückzahl gedruckt werden. Investitionskosten in die Produktion können so gesenkt werden. Ebenso entfallen die Lagerhaltungskosten. Für kleinere Verlage kann die Nutzung dieser Technologie eine Überlebenschance bedeuten, da Kosten gesenkt werden können. Zu berücksichtigen ist aber auch, dass schon heute der Zwischenbuchhandel, der bislang nicht verlegerisch tätig war, Angebote für books on demand unterbreitet. D.h. der Zwischenbuchhandel erobert für sich ein neues Geschäftsfeld. Welche Auswirkungen diese Entwicklung auf die gesamte Verlagsbranche haben wird, kann heute noch nicht abgeschätzt werden. Es ist aber anzunehmen, dass sich die Situation der mittleren Verlage, die zu klein für internationale Kooperationen und zu groß für das Agieren eines Kleinverlags sind, dramatisch verschärfen wird.

Doch nicht nur der Verlagsbereich verändert sich durch die neuen Produktionsmöglichkeiten. Aufgrund des Internetbuchhandels unterliegt auch der Buchhandel einem Wandlungsprozess. Obwohl die Internetbuchhandlungen wie bol, amazon usw. bislang noch nicht gewinnbringend wirtschaften, werden sie auf Dauer gesehen, am klassischen Buchhandel nicht spurlos vorbeigehen. Daher bleibt auch der Buchhandel von Konzentrationsprozessen nicht verschont. Bereits seit langem gibt es die überregional tätigen Buchhandlungen, die sich mit gemeinsamen Marktingmaßnahmen eine entsprechende Marktposition erobern konnten. Demgegenüber haben sich die Spezialbuchhandlungen etabliert, die mit einem auf ihr Publikum zugeschnittenen Sortiment ihre Marktstellung halten wollen. Auch hier werden die mittleren Buchhandlungen ebenso wie die Verlage Strategien zum wirtschaftlichen Überleben entwickeln müssen.

Zwei Jahrzehnte Deutscher Kulturrat

03.01.02 (Olaf Zimmermann) -
Olaf Zimmermann, Gabriele Schulz, November 2001

Vom Küchenkabinett zum Spitzenverband

Wie alles begann

Am 2. September 1981 lud der Präsident der Kulturpolitischen Gesellschaft, Dr. Olaf SCHWENCKE, kulturpolitische Bundesverbände und Organisationen zu einem Treffen für den 14. September 1981 nach Bonn in die Parlamentarische Gesellschaft ein. Ziel war die Gründung eines Kulturrates nach dem Vorbild von Kulturräten in den Niederlanden und in Schweden. Anlass war die geplante Erhöhung der Mehrwertsteuer für Kulturgüter.

Eingeladen waren zu dem ersten Treffen Bundesverbände aus allen kulturellen Bereichen. Neben anderen waren das zum Beispiel die Bundesvereinigung des Deutschen Films, die Bundesvereinigung Kulturelle Jugendbildung, Bundesvereinigung soziokultureller Zentren, der Deutsche Gewerkschaftsbund, der Deutsche Musikrat, der Verband Deutscher Schriftsteller und das Zentrum für Kulturforschung.

Mit der Zusammenstellung der Organisationen war die Vorentscheidung getroffen worden, die kulturwirtschaftlichen Verbände in die Gründung eines Kulturrates nicht einzubeziehen. Diese Vorentscheidung wurde beim ersten Treffen in der Tendenz bestätigt.

Neben der Frage der Mitgliedschaft wurden beim ersten Treffen präjudizierende Meinungsbilder hinsichtlich der Satzung, der Finanzierung und Einteilung der Sektionen erstellt. Auch der Bonn-Bezug des Deutschen Kulturrates wurde zunächst aus ganz pragmatischen Gründen in der ersten Sitzung festgelegt.

Gleich in der ersten Sitzung wurden mit den aufgeführten Aspekten wie Mitgliedschaft, Satzung, Finanzierung und Einteilung der Sektionen grundsätzliche Fragen angesprochen. Was sollte der Kulturrat werden? Ein Zusammenschluss von Künstlerverbänden und Kulturvermittlern oder ein Sprachrohr für alle Bereiche des kulturellen Lebens? Soll er sich als eingetragener Verein konstituieren und damit für die Verbindlichkeit seiner Entscheidungen stehen oder soll er lieber eine lockere Arbeitsgemeinschaft bleiben? Wie soll er sich finanzieren? Eine lose Arbeitsgemeinschaft kann schwerer Mitgliedsbeiträge verlangen als ein eingetragener Verein. Wie sollen die Sektionen verfasst sein? Passt die Einteilung nach künstlerischen Sparten oder ist hier nicht eine Öffnung erforderlich?

Aus Förderung wird oft Bevormundung

03.01.02 (Olaf Zimmermann) -

Kaum ein Thema hat in den letzten Jahren einen solchen Aufschwung erlebt wie die Frage des Bürgerschaftlichen Engagements. War noch vor wenigen Jahren von der angestaubten Vereinsmeierei die Rede, so wird heute endlich anerkannt, wie wichtig und wertvoll das Bürgerschaftliche Engagement ist und welcher Beitrag zur Stärkung der Zivilgesellschaft gerade auch in gemeinnützigen Vereinen geleistet wird.

Oftmals können die gemeinnützigen Vereine ihre Ziele nicht ohne öffentliche Unterstützung erreichen. Diese Unterstützung des Staates für gemeinnützige Vereine ist, was die Unterstützung des einzelnen Vereins angeht, nicht verpflichtend. Wohl aber hat der Staat nach dem Subsidiaritätsprinzip die Pflicht, die gemeinnützigen Vereine in ihrer Gesamtheit zu fördern.

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