Unsere Artikel sind vielfältig kategorisiert – nutzen sie z.B. die Auflistung der populärsten Tags in der rechten Seitenleiste, oder besuchen sie die Tag-Seite. Außerdem können sie über Rubriken, Genres und Orte navigieren.

Alle Artikel kategorisiert unter »Olaf Zimmermann«

Verantwortung

03.01.02 (Olaf Zimmermann) -

Die Künstlerausbildung in Deutschland befindet sich in einer tiefen Krise. Massenhaft werden bildende Künstler, Musiker, Schauspieler und Medienkünstler ausgebildet, ohne die realistische Aussicht vom erlernten Beruf auch tatsächlich den Lebensunterhalt bestreiten zu können.

In der Bildenden Kunst ist das Bild am düstersten. Im Jahr 1998 haben nur 274 lebende deutsche Künstler eine Folgerechtsausschüttung erhalten. D.h., bei weniger als 300 Künstlern wurde innerhalb eines Jahres ein bereits verkauftes Kunstwerk noch einmal über den Kunsthandel weiterverkauft. Dieser ernüchternden Zahl standen zum 01. Januar diesen Jahres 43.449 bei der Künstlersozialkasse versicherte bildende Künstler (inkl. Grafiker, Fotografen u.ä.) gegenüber. Und selbst diese hohe Zahl von bildenden Künstlern in der Künstlersozialkasse ist nur ein geringer Anteil der Absolventen von Kunsthochschulen in den letzten Jahrzehnten. Wo sind die vielen geblieben, die in den Kunsthochschulen ausgebildet wurden?

Der Gründungsdirektor desr Kunsthochschule für Medien in Köln, Prof. Siegfried Zielinski, hat vor einigen Jahren gesagt, dass er davon ausgehe, dass die Absolventen seiner Hochschule in der Regel nicht von dem erlernten Beruf werden leben können. Das ist zynisch.

Gehört es nicht auch zur Verantwortung einer Hochschule darauf zu achten, dass die Ausbildung zu dem von den Studenten gewünschten Erfolg führt? Schon längst müssten die Professoren Alarm schlagen und eine Begrenzung der Studierendenzahlen fordern. Aber damit würde man sich ja möglicherweise selbst abschaffen.

Immer mehr junge Menschen drängen in die Kunsthochschulen. Gerade bei jungen Frauen führen die Medien- und Kulturberufe laut der jüngsten Shell-Jugendstudie die Skala der Berufswünsche an. Niemand sagt aber den Jugendlichen, dass sie höchstwahrscheinlich von ihrem Traumberuf nicht werden leben können. Nur die Wenigsten können es ertragen, ihre Kunst dauerhaft durch meist ungeliebte Nebentätigkeiten zu finanzieren. Die meisten geben auf, verlieren wichtige Jahre in ihrer beruflichen Vita. Verbittern.

Die Hochschulen, die Bildungspolitiker und auch wir müssen den Jugendlichen endlich die Wahrheit sagen. Das ist, so glaube ich, ihre und unsere Verantwortung!

Olaf Zimmermann
Geschäftsführer des Deutschen Kulturrates e.V.

Stand Juni 2001

Dame (noch) ohne Unterleib

03.01.02 (Olaf Zimmermann) -

Reform des Stiftungszivilrechts nimmt endlich wieder Fahrt auf

Nach der Reform des Stiftungssteuerrechts (Gesetz zur weiteren steuerlichen Förderung von Stiftungen, Bundesdrucksache 14/2340) im letzten Jahr war es still um das Vorhaben Reform des Stiftungssteuer- und des Stiftungszivilrechts geworden. Die erste Etappe war geschafft. Erste Erfolge wurden sichtbar. Die Bundesregierung hatte versprochen, den zweiten Teil der Stiftungsrechtsreform, die Reform des Stiftungszivilrechtes, noch in dieser Legislaturperiode in Angriff zu nehmen.

Nachdem die F.D.P.-Fraktion im Deutschen Bundestag nun einen Gesetzesentwurf zur Reform des Stiftungszivilrechts in den Deutschen Bundestag in den Bundestag (Entwurf eines Gesetzes für eine Reform des Stiftungszivilrechts (Stiftungsrechtsreformgesetz) zu finden unter http://www.kulturrat.de/themen/fdp-stiftung.htm) eingebracht hat, werden hoffentlich auch die Bundesregierung und die Koalitionsfraktionen wieder Dampf bei der Reform des Stiftungszivilrechts machen.

Bei den Parteien und bei den Verbänden herrscht Übereinstimmung, dass eine Reform des Stiftungsrechts ohne zivilrechtlichen Teil eine Dame ohne Unterleib ist. Der Deutsche Kulturrat hat in seinen Forderungen nach der Reform des Stiftungsrecht dem Stiftungszivilrecht höchste Priorität eingeräumt. Die Forderungen des Deutschen Kulturrates wurden im Jahr 1999 in der Stellungnahme „Verbesserungen im Stiftungsrecht sind erforderlich“ formuliert. Die Stellungnahme ist nachzulesen unter: http://www.kulturrat.de/aktuell/Stellungnahmen/stiftung.htm.

Frühlingsgefühle im Parlament

03.01.02 (Olaf Zimmermann) -
Deutscher Bundestag verabschiedet Gesetz zur steuerlichen Förderung von Stiftungen

Am 24.03.2000 hat der Deutsche Bundestag das „Gesetz zur steuerlichen Förderung von Stiftungen“ verabschiedet. Mit diesem Gesetz wurde der erste Schritt zu einer umfassenden Reform des Stiftungs- und des Stiftungssteuerrechts gemacht.

Die Reform des Künstlersozialversicherungsgesetzes ist auf der Zielgeraden

03.01.02 (Olaf Zimmermann) -
Stand März 2001

Ende gut, alles gut?

Die rot-grüne Bundesregierung hat in ihrem Koalitionsvertrag im Jahr 1998 festgelegt, zur weiteren Absicherung der Künstlerinnen und Künstler, die Künstlersozialkasse verbessern zu wollen. Als im Herbst 1999 das Haushaltssanierungsgesetz in den Deutschen Bundestag eingebracht wurde, war von diesen Verbesserungen nichts zu spüren. Im Gegenteil im Zuge des Haushaltssanierungsgesetzes wurde der Bundeszuschuss zur Künstlersozialkasse von 25% auf 20% gesenkt und die Trennung der Abgabebereiche, Musik, Darstellende Kunst, Bildende Kunst und Wort, aufgehoben. Es erhob sich sofort ein Sturm der Entrüstung gegen dieses Vorhaben, das eindeutig eine Schlechterstellung der Verwerter künstlerischer und publizistischer Leistungen bedeutete und für die Künstler und Publizisten keinerlei Verbesserung brachte. Das Haushaltssanierungsgesetz wurde dennoch im November 1999 verabschiedet und damit traten die aufgeführten Veränderungen in der Künstlersozialkasse zum 01.01.2000 in Kraft.

Einige Abgeordnete der Regierungskoalition hatten bei der Verabschiedung des Haushaltssanierungsgesetzes bezüglich des Passus Künstlersozialversicherungsgesetz zu Protokoll gegeben, dass das Künstlersozialversicherungsgesetz noch in dieser Legislaturperiode reformiert werden sollte. Sowohl die Verbände der Künstlerinnen und Künstler als auch die der Kulturwirtschaft sahen in dieser Protokollnotiz die Chance, jetzt eine grundlegende Reform des Künstlersozialversicherungsgesetzes einzufordern.

Im Deutschen Kulturrat, dem Spitzenverband der Bundeskulturverbände, wurde eine adhoc-Arbeitsgruppe eingerichtet, an der Verbandsvertreter aller künstlerischer Sparten und der verschiedenen Bereiche, also der Künstler, der Kulturwirtschaft, der Kultureinrichtungen und der Laien, zusammenwirkten. In dieser adhoc-Arbeitsgruppe wurde intensiv über den Reformbedarf und die Anknüpfungspunkte für eine Reform debattiert. Im Vordergrund stand dabei die Frage, wie die Abwärtsspirale des Bundeszuschusses aufgehalten werden kann und wie eine breitere Definition des Selbstvermarktungsanteil in das Bewusstsein gerückt werden kann.

Unstrittig war bei allen Arbeitsgruppenmitgliedern, dass Berufsanfänger ihre Berufsanfängerzeit künftig unterbrechen können müssen und dass eine Lösung für die Künstlergeneration gefunden werden muss, die in den nächsten Jahren das Rentenalter erreichen. Diese Gruppe kann in die Krankenversicherung der Rentner in der Regel nicht aufgenommen werden, da keine ausreichenden Sozialversicherungszeiten nachgewiesen werden können. Da diese Künstlergeneration aber erst seit 1983 überhaupt die Möglichkeit hat, Mitglied in der gesetzlichen Rentenversicherung zu werden, lag hier eine offenkundige Gesetzeslücke vor. Auf Zustimmung stießen ebenfalls Vorschläge, dass das Mindesteinkommen der Versicherten in der Zukunft in bestimmten Jahren unterschritten werden kann, wenn in anderen Jahren das Mindesteinkommen überschritten wird.

Über diese Verbesserungen des Versicherungsschutzes der Künstler und Publizisten wurde rasch ein Konsens erzielt und erste Gespräche mit Abgeordneten des Deutschen Bundestags zeigten, dass hier die Bereitschaft bestand, diese Änderungen aufzunehmen.

Deutlich anders sah es bei den Verbesserungen für die Verwerter künstlerischer und publizistischer Leistungen aus. Zum einen bestand hier die nicht unberechtigte Befürchtung, dass die Absenkung des Bundeszuschusses von 25% auf 20% erst der Anfang zu weiteren Absenkungen war. Zum anderen wurde die Aufhebung der Spartentrennung sehr unterschiedlich bewertet. In der Sparte Bildende Kunst traf diese Aufhebung auf ungeteilte Zustimmung. Hier war schon lange die Forderung nach einer Aufhebung der Spartentrennung erhoben worden. In den anderen Sparten Musik, Darstellende Kunst und Wort stieß die Aufhebung der Spartentrennung demgegenüber auf Ablehnung. Besonders scharf war die Ablehnung aus der Sparte Musik, die eine deutliche Anhebung des Abgabesatzes hinnehmen musste.

In der adhoc-Arbeitsgruppe des Deutschen Kulturrates wurde dann unter Beteiligung der verschiedenen Sparten und der unterschiedlichen Bereiche des kulturellen Lebens ein Modell ausgearbeitet, dass den Verwertern künstlerischer Leistungen Planungssicherheit gibt und den Bund anregt, weitere Abgabepflichtige zu erfassen. Nach diesem Modell würden die Abgabepflichtigen einen festen Satz in die Künstlersozialkasse einzahlen. Verhandlungsgrundlage sollte ein Vomhundertsatz in Höhe von 3,3 der an freiberufliche Künstler und Publizisten gezahlten Honorare sein. Den erforderlichen Rest des so genannten Arbeitgeberanteils zur Künstlersozialkasse sollte der Bund übernehmen. Bei einem Abgabesatz von 3,3% hätten sich der Bund und die Verwerter wie im Jahr 1999 den Arbeitgeberanteil zu gleichen Teilen geteilt. D.h. jeder hätte 25% des so genannten Arbeitgeberanteils zur Künstlersozialkasse aufgebracht. Mit diesem Vorschlag erschien ein einheitlicher Abgabesatz für alle Sparten als akzeptabel.

Zusammen mit den Vorschlägen für Verbesserungen des Versicherungsschutzes der Künstler und Publizisten wurde der Reformvorschlag in den „Positionen des Deutschen Kulturrates vom 10.03.2000 zur Novelle des Künstlersozialversicherungsgesetzes“ zusammengefasst. Die Stellungnahme ist abrufbar unter: www.kulturrat.de/aktuell/Stellungnahmen/ksvg.htm.

Die Gespräche mit Abgeordneten der Regierungskoalition zeigten schnell, dass eine große Offenheit gegenüber den Verbesserungen des Versicherungsschutzes für Künstler und Publizisten bestand. Die hierzu vom Deutschen Kulturrat erarbeiteten Vorschläge fanden Eingang in die ersten Referentenentwürfe zur Novellierung des Künstlersozialversicherungsgesetzes. Allerdings plante das Bundesministerium für Arbeit und Sozialordnung eine Verkürzung der Berufsanfängerzeit von drei auf fünf Jahre. Diese Verkürzung wird von den Verbänden der Künstlerinnen und Künstler abgelehnt. Insbesondere in den künstlerischen Berufen im engeren Sinne ist nach Auffassung der Künstlerverbände der Erhalt der Berufsanfängerzeit dringend erforderlich.

Auf Vorbehalte stieß der Vorschlag des Deutschen Kulturrates zur künftigen Aufbringung des Arbeitgeberanteils. Hier wurde insbesondere in den zuständigen Ministerien gefürchtet, dass mit einer solchen Umstellung für den Bund ein Fass ohne Boden entsteht. Nicht einkalkuliert wurde dabei, dass der Vorschlag des Deutschen Kulturrates gerade darauf zielte, Anreize für den Bund zu setzen, möglichst alle Abgabepflichtigen tatsächlich zur Zahlung heranzuziehen. Bislang ist es so, dass es sich für den Bund bzw. die Künstlersozialkasse nicht lohnt, Anstrengungen zu unternehmen, um weitere Verwerter zur Abgabe heranzuziehen, da der Bundeszuschuss fest liegt und eine höhere Zahl an Abgabepflichtigen nur dazu führt, dass der Abgabesatz für die Verwerter sinkt. Der Vorschlag des Deutschen Kulturrates verfolgt genau das gegenteilige Modell: der Abgabesatz der Verwerter bleibt konstant, der Bund muss den Rest der Arbeitgeberkosten auffüllen. Ist die Künstlersozialkasse sehr erfolgreich darin, Verwerter künstlerischer und publizistischer Leistungen dazu heranzuziehen, ihre Pflichtabgabe an die Künstlersozialkasse zu leisten, so sinkt der Anteil der Bundes an den Kosten. Ist die Künstlersozialkasse erfolglos, so steigt der Anteil des Bundes.

Da die im Deutschen Kulturrat zusammengeschlossenen Verbände der festen Überzeugung sind, dass bislang zahlreiche Abgabepflichtige nicht zur Künstlersozialabgabe herangezogen werden, hätte dieses Modell neben möglichen Einspareffekten beim Bundeszuschuss auch zu mehr Gerechtigkeit für die Abgabepflichtigen geführt.

Nach den Diskussionen mit Abgeordneten des Deutschen Bundestag ergänzte der Deutsche Kulturrat seinen Vorschlag zur künftigen Aufbringung des Arbeitgeberanteils. In der „Stellungnahme des Deutschen Kulturrates vom 08.09.2000 zum Entwurf eines Zweiten Gesetzes zur Änderung des Künstlersozialversicherungsgesetzes und anderer Gesetze“ schlug der Deutsche Kulturrat vor, dass bei Beibehaltung des Vorschlags des Deutschen Kulturrates der Bundeszuschuss nicht über 25% steigen und nicht unter 17% sinken sollte. Dieses so genannte Korridormodell sollte gewährleisten, dass der Bund nicht schlechter als im Jahr 1999 gestellt wird und die Abgabepflichtigen bei einer erfolgreichen Suche der Künstlersozialkasse nach Abgabepflichtigen von diesen Bemühungen profitieren würden. Dieser Vorschlag ist nachzulesen unter: www.kulturrat.de/aktuell/stellungnahmen/ksvg-ref9-2000.htm.

Die ersten Hürden wurden genommen

03.01.02 (Olaf Zimmermann) -
Aus der Arbeit der Enquete-Kommission Zukunft des Bürgerschaftlichen Engagements des Deutschen Bundestags

Am 14. Februar 2000 wurde die Enquete-Kommission „Zukunft des Bürgerschaftlichen Engagements“ des Deutschen Bundestags von Bundestagspräsident Thierse in ihr Amt eingesetzt. Damit wurde ein Beschluss des Deutschen Bundestags aus dem Dezember 1999 umgesetzt. Der Deutsche Bundestag hat dieser Enquete-Kommission auf Antrag der SPD-Fraktion, der CDU/CSU-Fraktion, der Fraktion Bündnis 90/Die Grünen und der F.D.P.-Fraktion einen umfassenden Auftrag erteilt.

Enquete-Kommissionen sind institutionalisierte Beratungseinrichtungen des Deutschen Bundestages, in denen Abgeordnete gemeinsam mit nicht dem Parlament angehörenden Sachverständigen ein vom Bundestag übertragenes Thema bearbeiten. Ihre Aufgabe besteht grundsätzlich darin, zu diesem Thema das relevante Material möglichst umfassend zusammenzutragen und dadurch gesetzgeberische Entscheidungen über umfangreiche und bedeutsame Sachkomplexe vorzubereiten.

Der Enquete-Kommission „Zukunft des Bürgerschaftlichen Engagements“ gehören 22 Mitglieder an. Davon sind 11 Abgeordnete und 11 Sachverständige. Die Abgeordneten des Deutschen Bundestags haben jeweils einen Stellvertreter oder eine Stellvertreterin. Die Sachverständigen Mitglieder der Enquete-Kommission haben in der Enquete-Kommuissionsarbeit die gleichen Rechte und Pflichten wie die Abgeordneten des Deutschen Bundestags. Sie werden als Einzelpersonen aufgrund ihres Sachverstands berufen und sind nur ihrem Gewissen verpflichtet. Die Sachverständigen Mitglieder werden von den Fraktionen des Deutschen Bundestags benannt und vom Bundestagspräsidenten ernannt.

Keulen

03.01.02 (Olaf Zimmermann) -
Der neue Staatsminister für Kultur und Medien, Prof. Dr. Julian Nida-Rümelin, hat kurz vor seinem Amtsantritt für Ausregung gesorgt. Seine Äußerungen zur Gentechnik haben eine inhaltliche Debatte und einen Streit über seine Zuständigkeiten ausgelöst. Darf der sich denn dazu äußern, fragte sich nicht nur die Gesundheitsministerin.

Zumindest im deutschen Feuilleton ist die Frage längst entschieden. Hier wird nämlich schon seit geraumer Zeit heftig über die kulturelle Dimension der Gentechnik, von BSE und dem Arzneimittelbudgets diskutiert. In der gerade zu Ende gegangenen Ausstellung „Theatrum naturae et artis“ im Martin-Gropius-Bau in Berlin wurde anschaulich dargestellt, dass sich Wissenschaft und Medizin erst im letzten Jahrhundert fast gänzlich von der Kultur ablösten. Diese Ablösung hat die Wissenschaft von kulturellen Konventionen emanzipiert. Viele Entdeckungen und mancher Fortschritt sind gerade dieser „Freiheit der Wissenschaft“ zu verdanken. Aber die neuen Möglichkeiten der Wissenschaft gerade in der Gentechnik werfen auch zutiefst kulturelle Fragen auf. Und diese kulturellen Fragen müssen ebenso sorgfältig beantwortet werden wie die wissenschaftlichen. So gesehen hat sich Julian Nida-Rümelin nicht auf ein falsches Spielfeld begeben als er sich zur Gentechnik äußerte, sondern einfach seinen Job gemacht.

Für die Kulturverbände stellt sich die Frage aber auch. Müssten wir nicht unseren Job auch machen und Stellung beziehen in der aktuellen Debatte zur Gentechnik? Werden durch die Arzneimittelbudgets nicht elementare kulturelle Fragen berührt? Ist auf die Frage, ob man zur Markbereinigung 400.000 Rinder töten sollte nicht auch eine Antwort aus dem Kulturbereich nötig? Vielleicht ist das Keulen von Rindern dem ein oder anderen als kulturelles Thema auf den ersten Blick zu profan. „Tod oder Leben“, wie bei der Gentechnik, bei BSE und auch in der Gesundheitspolitik, ist aber das klassisches Thema für die Kultur, nicht nur in der Oper.

Olaf Zimmermann
Geschäftsführer des Deutschen Kulturrates

(März 2001)

Kulturförderung und Steuerrecht

02.01.02 (Olaf Zimmermann) -
Steuerpolitische Vorschläge des Deutschen Kulturrates zur Zukunftssicherung von Kultur in Deutschland und Europa (Stand Juni 1998)

Präambel

In der aktiven Bürgergesellschaft von heute manifestieren sich die Erfolge von Bildungs- und Kulturreformen seit den 70er Jahren. Hinzu kommt, daß wir vor einer hohen Ansammlung privaten Vermögens der Bürger in der Bundesrepublik Deutschland stehen, das auf rund 5 Billionen DM geschätzt wird und das auch für kulturelles Engagement aktiviert werden will. Die Europäische Union eröffnet neue Perspektiven für die Mitgliedsstaaten auch im kulturellen Bereich sowohl hinsichtlich der Wahrung nationaler Eigenart als auch der Harmonisierung kulturrelevanter Regelungen, soweit wie nötig. Veränderte Formen der kulturellen Arbeit, Vermittlung und Teilhabe, Forderungen nach einem schlanken Staat, der sich in einen gemeinnützigen Dritten Sektor entlastet, Revitalisierung des demokratischen Lebens durch bürgerschaftliches Engagement von Ehrenamt und Stiftern können das Ergebnis sein, wenn der Staat sich diese Entwicklung zunutze macht. Eine innovative Gestaltung der Rahmenbedingungen für ein kulturfreundliches Steuerrecht leistet hierzu einen wichtigen Beitrag.

Rahmenprogramm der EU Kulturförderung

02.01.02 (Olaf Zimmermann) -
Stellungnahme des Deutschen Kulturrates zum Entwurf für ein Erstes Rahmenprogramm der Europäischen Gemeinschaft zur Kulturförderung (2000-2004)

Im Mai 1998 hat die Europäische Kommission den Entwurf für ein „Erstes Rahmenprogramm der Europäischen Gemeinschaft zur Kulturförderung“ vorgelegt, er liegt derzeit dem Europäischen Parlament und dem Europäischen Rat zur Diskussion und Entscheidung vor.
Dem Entwurf ging eine breit angelegte Evaluation der bisherigen Kulturförderprogramme voraus. In diesen Evaluations- und anschließenden Diskussionsprozess waren auch Vertreter der Kulturschaffenden beteiligt. Ihren Abschluß fand die Diskussion im Internationalen Kulturforum im Januar 1998 in Brüssel.
Trotz der vorherigen Einbeziehung von Kulturexperten aller beteiligten Länder trägt der nun vorgelegte Entwurf nur in Teilbereichen den zuvor diskutierten Anforderungen Rechnung. Es steht darum zu erwarten, daß die Debatte fortgesetzt wird und die Verabschiedung der neuen EU-Kulturförderung frühestens in der deutschen Präsidentschaft in der ersten Jahreshälfte 1999 erfolgen kann.

Urheber- und Leistungsschutzrecht in der Informationsgesellschaft

02.01.02 (Olaf Zimmermann) -
1. Vorbemerkung

1. Die Technik wird in nächster Zukunft die Speicher- und Übertragungskapazitäten von Informationen aller Art nochmals dramatisch steigern. Dies gilt für Offline-Produkte (CD ROM, DVD etc.) ebenso wie für die insbesondere durch ISDN geschaffenen On-line-Möglichkeiten (TV, Radio oder Music on demand, Pay-per-view, Zugang zu digitalen Datenbanken oder virtuellen Bibliotheken etc.). Damit wird automatisch der Bedarf an "Inhalten" immer größer. Bei diesen Inhalten wird es sich in der Regel um urheberrechtlich geschützte Werke aller Art handeln (Texte, Bilder, Musik, Filme). Nur wenn im Rahmen der neuen technischen Möglichkeiten auch genügend attraktive Inhalte (Programme) angeboten werden, werden sie auf ausreichende Akzeptanz bei den Nutzern stoßen. Es gilt:

"Inhalte werden nur dann in ausreichender Weise angeboten werden, wenn Rechte an geistigem Eigentum ausreichend geschützt werden. Verleger und Betreiber werden nur dann in innovative Dienste investieren, wenn sie sich sicher sind, daß die neuen Mittel zur Übertragung von Informationen und/oder zur Erbringung von Diensten ein angemessenes Maß an Schutz für den intellektuellen und industriellen Aufwand gewährleisten."

Diese präzise den Kern treffende Quintessenz ist dem "Grünbuch zur Konvergenz der Branchen Telekommunikation, Medien- und Informationstechnologie und ihren ordnungspolitischen Auswirkungen" der Europäischen Kommission vom 3.12.1997 entnommen. Dabei ist bemerkenswert, daß diese Aussage nicht etwa von der für Urheberrecht zuständigen Generaldirektion XV der Kommission stammt, sondern von der für Telekommunikation zuständigen GD XIII. In der Tat liegt ein angemessener Urheberrechtsschutz in der digitalisierten Informationsgesellschaft eben nicht nur im Interesse der Urheber und anderer Rechteinhaber, sondern insbesondere auch im Interesse der Nutzer und damit letztlich auch der Informationsvermittler. Ein funktionierendes Urheberrecht ist nicht Hindernis, sondern im Gegenteil Voraussetzung für eine günstige Entwicklung der Informationsgesellschaft.

Entgegen mancher Prognosen wird das Urheberrecht im Informationszeitalter also nicht verschwinden, sondern immer mehr an Bedeutung gewinnen.

Neuer Stellenwert, neue Offenheit für Kultur auch im Steuerrecht

02.01.02 (Olaf Zimmermann) -
Stand Februar 1999

Der Deutsche Kulturrat hat im September 1998 steuerpolitische Vorschläge zur Zukunftssicherung von Kultur in Deutschland und Europa vorgelegt, die auch heute noch gültige Anforderungen für eine kulturfreundliche Politik in der 14. Legislaturperiode darstellen. Die Vorschläge sind im Hinblick auf personelle Veränderungen, die seitdem eingetreten sind, noch einmal zur Information beigefügt. Darüber hinaus hatte sich der Deutsche Kulturrat gesonderte Stellungnahmen zu zwei großen Modernierungskomplexen vorbehalten:
Inhalt abgleichen

Das könnte Sie auch interessieren: