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Alle Artikel kategorisiert unter »Peter Krause«

Sich selbst durch sein Instrument kennen lernen

02.07.13 (Peter Krause) -
Ketzerisch zitiert Igor Levit einen seiner Lehrer mit dem Satz: „Es gibt keine schlechten Klaviere, nur schlechte Pianisten.“ Anlässlich des 20. Geburtstages des Deutschen Musikinstrumentenfonds, der seit 1. Juli 1993 stolze 184 hervorragende Streichinstrumente angesammelt hat und nach den einmal jährlich stattfindenden Wettbewerbsrunden leihweise an den Spitzennachwuchs vergibt, schwingt da einige Ironie mit. Für seine Streicherkollegen, mit denen der russisch-deutsche Pianist jetzt anlässlich des Festkonzertes zum Jubiläum des Fonds in den Hamburger Deichtorhallen auftrat, liegen die Dinge natürlich anders: Eine junge Geigerin oder ein junger Cellist entfalten das eigene künstlerische Potenzial erst vollends mit einem adäquaten Instrument, durch dessen Persönlichkeit sich auch der Charakter des Nachwuchsinterpreten wirklich ausprägen kann. Anne-Sophie Mutter drückt den Sachverhalt ökonomisch aus. „Ohne eine gute Geige spielt man nicht gut genug, um jene großen Gagen zu erhalten, die man braucht, um eine erstklassige Geige zu kaufen.“

In den Trümmern der eigenen Welt: Graham Vick inszeniert in Palermo „Die Walküre“

09.03.13 (Peter Krause) -
Palermo ist Wagner-Stadt. Hier hat der Meister auf ärztliches Anraten den kompletten Winter 1881/82 verbracht, den dritten Aufzug seines „Parsifal“ komponiert und seinen Schwanengesang dann auch vollendet. Hier hielt der sizilianische Conte Biagio Gravina um die Hand von Cosimas Tochter Blandine an. Hier stehen noch heute der Blüthner-Flügel und das Harmonium – Instrumente, die der Bayreuther für seine Arbeit im Grand Hotel Et Des Palmes nutzte. Und im Teatro Massimo haben Aufführungen der Musikdramen Richard Wagners eine für Italien außergewöhnliche Tradition. Nur einen kompletten Ring-Zyklus hat es hier noch nie gegeben. Bis zum Ende des Wagner-Jahres 2013 soll er fertig geschmiedet sein.

Lustvolles Widerlegen der Leichtigkeitslüge

03.12.12 (Peter Krause) -
Das Bessere ist des Guten Feind. Das durch Voltaire überlieferte Sprichwort gilt auch für die unzähligen Aktivitäten der Musikvermittlung: Sie alle sind generell begrüßenswert, doch Anspruch, Qualität und Nachhaltigkeit von Kinderkonzerten, Tanzprojekten und medialer Ansprache neuer Hörerschichten unterscheiden sich durchaus deutlich. Deshalb will der junge ohren preis jene „Best Practice“-Projekte identifizieren und auszeichnen, die hernach hoffentlich zur Nachahmung anstacheln. Bereits zum siebten Mal wurde der Preis jetzt in mehreren Kategorien vom netzwerk junge ohren vergeben, diesmal in Hamburg. Eine Tagung flankierte die Verleihung, um die sich wandelnde Rolle junger Künstler in der Gesellschaft und die neuen Anforderungen an die Ausbildung zu reflektieren: Ist jeder Musiker auch Vermittler?

Anverwandlung statt Vereinnahmung: Peter Michael Hamel verabschiedet sich mit einem fulminanten Konzert seiner Ethnoband „Embryo“ aus dem Hamburger Hochschuldienst

02.07.12 (Peter Krause) -
Wenn Peter Michael Hamel die Welt musikalisch umarmt, geht niemandem die Luft aus. Er engt nicht eurozentrisch ein, sondern lebt eine Durchlässigkeit, die Unterschiede hörbar macht und dabei doch der gemeinsamen Harmonie der Dissonanz auf der Spur ist. Seit 1997 war Hamel als Professor für Komposition und Theorie an der Hamburger Hochschule für Musik und Theater tätig – in der Nachfolge eines György Ligeti. Jetzt, kurz vor seinem 65. Geburtstag, verabschiedete der Komponist sich aus dem Hochschuldienst – mit einem Projekt, das ganz seine unverwechselbare Handschrift trägt.

Wo junge Künstler ihren Blick auf die Stadt werfen

28.04.12 (Peter Krause) -
Heiner Goebbels höchstpersönlich sitzt am Mischpult der Royal Festival Hall des South Bank Centers, wo gerade die Londoner Premiere seines Orchesterwerks „Surrogate Cities“ über die Bühne geht. Seit der Frankfurter Uraufführung 1994, geschrieben für die Junge Deutsche Philharmonie, ist diese szenisch gedachte und literarisch aufgeladene Sinfonie der Großstadt bereits erstaunliche 34 Mal produziert worden. Und ist jetzt vollends dort angekommen, wo sie hingehört – in einer Metropole, aus der die krass kontrapunktische Polyphonie des urbanen Raums noch aus ihrem stillsten Winkel tönt.

Spektakuläre Behutsamkeit: Claude Debussys „Pelléas et Mélisande“ in Robert Wilsons trunken schöner blauer Bildwelt an der Pariser Opéra Bastille

13.03.12 (Peter Krause) -
Paris feiert seinen Debussy. Bevor in 2013 auch hier Verdi und Wagner zum Doppeljubiläumsjahr ausgiebig gehuldigt wird, gedenkt man an der Opéra Bastille derzeit des 1862 geborenen Impressionisten – mit „Pelléas et Mélisande“ in Regie und Bühnenbild von Robert Wilson. Die ursprünglich für die Breitwandbühne des Großen Festspielhauses von Salzburg konzipierte Inszenierung passt wunderbar hierher, nicht zuletzt, weil sie dem ästhetischen Empfinden der Franzosen, die allzu krasser Regietheater-Verfremdung wenig Zuneigung entgegenbringen, so sehr entgegenkommt.

„Sinfonie der Tausend“ in Rom: Antonio Pappano beweist, wie viel italienisches Blut in Mahler steckte

26.10.11 (Peter Krause) -
Gustav Mahler in Italien – dieses Kapitel im Leben des vor 100 Jahren verstorbenen Komponisten und Dirigenten mag nicht die Bedeutung haben, die das Land, wo die Zitronen blühen, einst für Goethe hatte oder die sie für den früh aus Deutschland in die Weinberge bei Rom geflüchteten Hans Werner Henze bis heute besitzt. Auch der große alte Herr und ungebrochen aktive Tonsetzer wohnte jetzt der Saisoneröffnung des Orchesters der Accademia Nazionale di Santa Cecilia in Rom bei, zu der Antonio Pappano die „Sinfonie der Tausend“ dirigierte, um so den Abschluss seines bald vollendeten Mahler-Zyklus einzuläuten. Interessante Erkenntnisse in Sachen „Mahler und Italien“ konnte man dabei zuhauf gewinnen.

Theaterwunder im fast leeren Raum – Peter Brooks „Eine Zauberflöte“

02.09.11 (Peter Krause) -
Peter Brooks Opern-Anverwandlungen sind mehr als bloße Inzenierungen, sie gleichen eigenen Kreationen. Nachdem der 86-jährige Meister des „leeren Raums“ in seiner „Tragödie der Carmen“, den „Pelléas-Impressionen“ und einem für Das Festival von Aix-en-Provence erdachten „Don Giovanni“ durch augenscheinliche Sparsamkeit und nicht zuletzt auch durch musikalische Verknappung immer wieder das Wesentliche der Werke neu aufspürte, hat er sich jetzt Mozarts „Die Zauberflöte“ angenommen. Für den intimen Rahmen des Pariser Théâtre des Bouffes du Nord in Szene gesetzt, geht „Eine Zauberflöte“ jetzt auf Tournee. Die Deutsche Erstaufführung seiner Adaption ging im Rahmen des Musikfestes Bremen über die Bühne.

Heute zu komponieren ist wie der Welt abhanden zu kommen: ein Konferenzbericht aus Hamburg

31.08.11 (Peter Krause) -
Hamburger Institut für kulturelle Innovationsforschung bringt fünf junge osteuropäische Komponisten zu Konferenz und Konzert in die Hansestadt. Was diese fünf jungen osteuropäischen Komponisten verbindet, ist nicht nur ihre Herkunft aus den neuen Ländern der Europäischen Union: Sie gehören gemeinsam zu einer postideologischen Generation. Ihr Schaffen bekräftigt künstlerisch das Ende der Diktaturen, es ist das Plädoyer einer neuen Vielfalt und der Herausbildung von starken Identitäten.

Vom Forschen mit Tönen

03.09.10 (Peter Krause) -
Was die Musik im Innersten zusammenhält – ob nun konsonante harmonische Verbindungen oder ein überschaubarer Vorrat von zwölf Tönen –, das war einmal. Viel stärker scheint sie heute von ihren inneren Sprengkräften, den mutigen Erweiterungen von einst eng gezogenen Grenzen des Tonsystems bewegt zu werden. Sascha Lino Lemke, der im August den mit 20.000 Euro dotierten Paul Hindemith-Preis erhielt, möchte man in diesem Sinne einen komponierenden Sprengmeister nennen, einen der besonders sensiblen, mit Bedacht kalkulierenden Art freilich.
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