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Alle Artikel kategorisiert unter »Regine Müller«

Wagner-Wunder in der Provinz – „Götterdämmerung“ in Minden

08.09.18 (Regine Müller) -
Ein winziges Provinz-Theaterchen ohne eigenes Ensemble und Orchester mit gerade einmal 535 Plätzen spielt Wagner? Das klingt eigentlich nach purem Größenwahn oder besser noch nach laienhafter Selbstüberschätzung. Doch in Minden hat dieser Wahnsinn seit 16 Jahren Methode und hat sich nun gerade mit der Premiere der „Götterdämmerung“ zu unglaublichem Erfolg verdichtet. Denn nun ist der „Ring“ tatsächlich rund, im kommenden Jahr wird die gewaltige Tetralogie, unter der selbst große Operntanker ächzen sogar zwei Mal zyklisch über die Bühne gehen. Ein Wunder. Zumal sich der Mindener „Ring“, ebenso wie alle die Produktionen der Vorjahre keineswegs hinter den großen Häusern verstecken muss. Im Gegenteil.

Scharfe und fromme Töne – Das Beethovenfest Bonn startet mit starken Konzerten

04.09.18 (Regine Müller) -
Zwei Jahre vor dem Beethoven-Jubeljahr 2020, in dem Bonn gerne zum Zentrum der Klassik-Welt würde, gibt sich die Stadt wenig einladend. Das Zentrum ist eine riesige Baustelle, das Münster ist seit einem Jahr geschlossen und der Bahnhof befindet sich in katastrophalem Zustand. Die dortige Dauer-Baustelle kommt nicht vom Fleck, gesperrte Gleise, Umleitungen und das übliche Missmanagement der Deutschen Bahn bescheren auswärtigen Besuchern des soeben gestarteten Beethoven-Fests einen abschreckenden Empfang.

Chamäleon Liszt: Uraufführung des Opernfragments „Sardanapalo“ in Weimar

22.08.18 (Regine Müller) -
Franz Liszt ist im kollektiven Gedächtnis der Musikwelt abgespeichert als umschwärmter Tasten-Löwe, als Dirigent und Pädagoge, als ingeniöser Komponist von hoch virtuoser und klangschillernder Klaviermusik und als Schöpfer groß angelegter sinfonischer Dichtungen. Als Galionsfigur der neudeutschen Schule stand Liszt zudem für einen künstlerischen Fortschrittsglauben, der neue Ausdrucksformen suchte und die Verschmelzung der Gattungen anstrebte. Insbesondere die Literatur band Liszt in seine musikalischen Konzeptionen ein.

Das letzte Stündlein eines Delinquenten – Alban Bergs „Wozzeck“ in Düsseldorf

23.10.17 (Frieder Reininghaus) -
Im Repertoire der deutschsprachigen Musiktheater nimmt Alban Bergs „Wozzeck“ gegenwärtig einen Vorzugsplatz ein. Drei Produktionen konkurrieren, die erkennbar beanspruchen, sich – im Sinne Robert Schumanns – „auf der Höhe der Zeit“ zu bewegen: Die Bild- und Regiearbeit des William Kentridge, die im August bei den Salzburger Festspielen gezeigt wurde, die Inszenierung von Robert Carsen, die seit einer Woche im Theater an der Wien gezeigt wird, und nun Stefan Herheims Produktion an der Rheinoper in Düsseldorf.

Ein Monument für die Chormusik

28.09.17 (Regine Müller) -
Es ist noch herbstlich kühl morgens in Utrecht, aber vor dem Eingang des Tivoli Vredenburg hat sich bereits morgens um viertel vor neun eine mehr als fünfzig Meter lange Schlange angestaut. Das traditionsreiche Festival Oude Muziek hat treue Fans, aber zu so früher Stunde lockt nicht nur alte Musik in den großen Saal des multifunktionalen Baus, der den typisch niederländischen, nüchternen Charme des 21. Jahrhunderts ausstrahlt, sondern der Start eines Konzertmarathons, der sich über zwei Tage mit zwölf jeweils einstündigen Konzerten hinziehen wird. Das ist fast so viel Musik wie Wagners „Ring“, doch der lässt sich immerhin vier Tage Zeit.

Moskau ist weit weg – im fernen Ural blüht das Musikleben

03.09.13 (Regine Müller) -
Die Uralregion zählt zu den reichsten Landstrichen der Russischen Föderation. Bereits seit dem späten 18. Jahrhundert werden dort Bodenschätze wie Uran, hochwertige Metalle und Seltene Erden gefördert und verarbeitet, die Palette der Schwerindustrie reicht vom Turbinenbau bis zur Panzerfabrikation. Insbesondere die Atom- und Rüstungsindustrie sorgte jedoch auch dafür, dass diese Region in der Zeit des Sowjetimperiums vom Rest der Welt strengstens abgeschottet wurde. Etliche Städte im Ural waren bis 1991 „geschlossene Städte“ und für Besucher, geschweige denn Touristen, absolut tabu. Bis heute dringt nicht eben viel aus dem Ural in den Westen. Und wenn, dann vorwiegend schlechte Nachrichten. Wie generell aus Russland in diesen Tagen, in denen Wladimir Putin sich nach wie vor als starker Mann inszeniert, rigoros gegen politische Gegner vorgeht und auch in der Kulturpolitik seine gestylten Muskeln spielen lässt.

In einer spröden Landschaft verwurzelt

01.07.13 (Regine Müller) -
Benjamin Britten wird 2013 zwar 100 Jahre alt, doch das Britten-Jubiläum fällt im Jahr der großen 200-Jährigen – Wagner und Verdi – hierzulande eher mager aus. In Großbritannien dagegen feiert man ihn, wenn auch auf typisch britische Weise, nämlich mit traditionsgewissem Unterstatement. Das englische Britten-Zentrum befindet sich in Aldeburgh, wo der Meister lebte und bereits 1948 ein Musikfestival gründete, das bis heute stattfindet. Diesmal steht er natürlich selbst im Zentrum der Veranstaltungen.

Türkenoper im wilden Kurdistan

02.05.11 (Regine Müller) -
Der Kulturkampf zwischen Orient und Okzident war schon im 18. Jahrhundert ein heiß diskutiertes Thema. Damals kamen sogenannte „Türkenopern“ schwer in Mode, in denen die Ängste und Vorurteile im Gefolge der türkischen Belagerung Wiens auf der Bühne verhandelt wurden. Mozarts deutsches Singspiel „Die Entführung aus dem Serail“ ist als eine der prominentesten Türkenopern daher von ganz unverbrauchter Aktualität. Mozart plädierte darin bereits anno 1782 für Versöhnung und friedliche Koexistenz. Die Schlüsselfigur des Konflikts ist in der Oper der orientalische Potentat Bassa Selim, der sich bei Mozart als Humanist erweist.
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