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Alle Artikel kategorisiert unter »Reinhard Kager«

Reine Instrumentalmusik als Stimulans

22.02.18 (Reinhard Kager) -
Als schrammte ein Graphiker seinen Grabstichel in eine Kupferplatte, so tönt am Beginn Hannes Kerschbaumers „schraffur“ für Vierteltonakkordeon und Ensemble. Ein beeindruckend eigenwilliges Stück mit geradezu geometrischen Lineaturen, das bei „Wien Modern“ durch Krassimir Sterev am Akkordeon, das Klangforum Wien und den souverän gestaltenden Emilio Pomàrico am Dirigentenpult zur Aufführung gebracht wurde. Durch vier weitere Kompositionen, darunter drei Uraufführungen, und die Verleihung des Erste-Bank-Kompositionspreises stand der 36-Jährige Südtiroler Komponist im Fokus des Festivals, das im Herbst 2017 bereits zum 30. Mal stattfand.

Erotik-Lektionen und widerborstige Performances

31.10.17 (Reinhard Kager) -
Geheimnisvoll flüsternd ­lockt eine ­weibliche Stimme. Mit rot­em Knautschlack-Jackett und silbrig glitzernden Sneakers spielt eine Keyboarderin im Innsbrucker Treibhaus und wirft laszive Blicke ins Publikum, die auf einem Videoscreen noch verdeutlicht werden. Auch mit Lustgestöhne spart Brigitta Muntendorf in der „Aria“ ihrer Performance „Public Privacy“ nicht. Wenngleich alles eigentlich nur Fake ist, denn die Pianistin Małgorzata Walentynowycz markiert zwar erotische Wiegebewegungen, aber die lustvollen Stimmen kommen meist von den Samples einer elektronischen Tonspur. Dicker kommt es dann bei einem bereits 1919 im Geist des Dadaismus entstandenen Stück Erwin Schulhoffs, dessen „Sonata erotica“ von Frauke Aulbert die Gestaltung eines Note für Note und nach strengen rhythmischen Vorgaben auskomponierten Orgasmus abverlangt. Was die Hamburger Vokalistin und Performerin mit einer ekstatischen Steigerungskurve mitsamt einem Schuss Humor bravourös löste.

Im Bann verschiedener Stimmungen

03.11.15 (Reinhard Kager) -
Das Instrumentarium auf der Bühne des Schwazer Silbersaals ist imposant: Riesige Glasglocken hängen von einem mächtigen Gestänge; an einer meterhohen Astgabel baumeln deren halbkugelförmige Pendants aus Holz. Davor ist ein löchriges Holzgebilde zu sehen, in dem verschieden große Holzrohre stecken, und über allem thronen die vier holzstammdicken Lamellen eines überdimensionierten Marimbaphons.

Zarte Visionen, ernüchternde Bürokratie

04.02.15 (Reinhard Kager) -
In den letzten Jahren ist es beängstigend ruhig geworden um „Wien Modern“. Hatte das Festival unter der Leitung von Berno Odo Polzer, dem nunmehrigen Kurator der Berliner Maerz-Musik, mit zahlreichen thematisch innovativen Ideen geglänzt und die Bahnen des rein Retrospektiven längst verlassen, so bilden, seit Matthias Lošek 2010 die Geschicke des Festivals übernahm, überwiegend solche Rückschauen das Rückgrat von „Wien Modern“. Auch in diesem Jahr stand wieder das Schaffen eines Komponisten im Blickfeld, der immerhin zu Österreichs international bekanntesten zählt: der 1953 in Graz geborene und derzeit in New York lebende Georg Friedrich Haas.

Vom Nordlicht beschienen

30.10.14 (Reinhard Kager) -
Der Neustart erfolgte eigentlich schon im vergangenen Jahr: Nach über zehn erfolgreichen Jahren übergab der Südtiroler Peter Paul Kainrath die Leitung des Tiroler Festivals „Klangspuren“ an den aus Hamburg stammenden Matthias Osterwold, der seinerseits bis zum vergangenen Frühjahr dreizehn Jahre lang die Berliner MaerzMusik kuratiert hatte. Doch der Wechsel war erst in diesem Jahr wirklich spürbar geworden. Zumal auch die Geschäftsführung mit Angelika Schopper neu besetzt wurde, die der als Leiterin des Innsbrucker Kulturamts aus Schwaz abgewanderten Maria-Luise Mayr nachfolgte. War das Festival unter der Leitung von Kainrath hauptsächlich auf das Städtchen Schwaz und dessen nähere Umgebung konzentriert, so mäanderte es diesmal über Innsbruck bis nach Südtirol.

Liebesleid der Toten

01.02.01 (Reinhard Kager) -

Flüchtig und geheimnisvoll sind die Klänge aus dem Reich der Toten, das die Lebenden seit jeher angezogen hat. Dunkle Mythologien wurden um den Ahnenkult gezimmert, auch die Kraft der Religionen beruht nicht zuletzt darin, den Menschen glauben zu machen, im Jenseits wende sich alles zum Besseren. Heilserwartungen im Himmelreich wird man Hans Neuenfels zwar kaum vorwerfen können, wenngleich seine Proklamation durchaus im Trend jahrtausendealter Traditionen steht: „Wir müssen die Toten retten“ lautet ein Kernsatz seines für die Stuttgarter Staatsoper entstandenen Librettos, das wohl auf die Geschichtsphilosophie Walter Benjamins reflektiert, mit der Kraft „rettender Kritik“ Bruchstücke des Vergangenen dem Trümmerfeld der Geschichte zu entreißen, um sie für die Gegenwart nutzbar zu machen.

Worin noch niemand war

01.07.99 (Reinhard Kager) -

Keulen in der Kuschelecke

01.02.99 (Reinhard Kager) -
Peinigende Schreie oder reinigendes Ritual? Mit regelrechten Bocksgesängen verwandelten fünf in Felle gekleidete Performer das Wiener Konzerthaus in den Schauplatz eines archaischen Mysterienspiels. Rauschhafte dionysische Orgien dienen als antikes Vorbild einer multimedialen Performance Jani Christous, die der 1970 bei einem Autounfall ums Leben gekommene griechische Komponist zwei Jahre vor seinem Tod entworfen hatte.
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