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Alle Artikel kategorisiert unter »Verena Großkreutz«

Im Kinderzimmer tobt der Bär – Kurt Weills Kinderpantomime "Zaubernacht" wird beim Musikfest Stuttgart wiederbelebt

05.09.10 (Verena Großkreutz) -
Ein Safe ist ein guter Aufbewahrungsort für Notenmaterial. Trocken ist es in seinem Innern und dunkel. Gut fürs Papier und die Notenschrift. Wenn man den Inhalt des Safes aber vergisst und den Safe dann in einen Keller schafft, ohne ihn vorher noch mal zu öffnen, wird er schnell zum Grab für die Musik. Auf diesem Weg ist das originale Orchestermaterial zu Kurt Weills erstem Bühnenstück, der Kinderpantomime "Zaubernacht", in den 1960er Jahren der Welt abhanden gekommen. Das Werk in seiner ursprünglichen Gestalt galt lange als verschollen.

Odyssee im WorldWideWeb: „the art of deleting“ in der Zeitoper-Reihe der Stuttgarter Staatsoper

18.07.10 (Verena Großkreutz) -
Aller guten Dinge seien drei, heißt es. Aber in „[the art of deleting]“ (Die Kunst des Löschens), das jetzt in der Reihe „zeitoper“ der Stuttgarter Staatsoper zur Uraufführung kam, bedeutet die Zahl Unheil: Dreimal findet der junge Ripper den Tod: Erst erschießt ihn eine mysteriöse Marienfigur, dann erdolcht er sein Alter Ego, und am Ende küsst ihn Gevatter Tod höchstpersönlich. Drei verschleierte Bräute sind es, in die sich Ripper verguckt und die sich mit einem Schlag in fiese, hässliche Furien verwandeln, die ihm die Kleider vom Leib reißen und ihn einfach so stehen lassen: in Strapsen. Peinlich. Denn die Öffentlichkeit schaut zu.

Jenseits der Sprache: Chaya Czernowins Kammeroper „Pnima ... Ins Innere“ an der Staatsoper Stuttgart

11.07.10 (Verena Großkreutz) -
Was ist Musik? Eine der vielen Antworten, die man auf diese Frage finden kann, ist: Musik fängt da an, wo die Sprache aufhört. Dass die Musik dort weitermachen kann, wo die Sprache versagt, ist in der Kammeroper „Pnima ... Ins Innere“ der israelischen Komponistin Chaya Czernowin, welche jetzt an der Stuttgarter Staatsoper Premiere feierte, inhaltliches Programm.

Verloren zwischen den Welten: Ludger Vollmers „Gegen die Wand“ in der Jungen Oper Stuttgart

12.06.10 (Verena Großkreutz) -
Kein Zweifel: Fatih Akins Kinofilm „Gegen die Wand“ ist ein exzellenter Opernstoff: Es geht darin um Liebe, Eifersucht, Einsamkeit und Tod. Und um ein hochaktuelles Thema mitten aus der deutschen Gesellschaft: die verzweifelte Identitätssuche der Kinder türkischer Einwanderer. Der Komponist Ludger Vollmer hat aus dem Drehbuch ein Libretto und dann eine Oper gemacht, die 2008 am Bremer Theater zur Uraufführung kam. Jetzt hat sich die Junge Oper Stuttgart diese „erste deutsch-türkische Oper“ vorgenommen und auf die Bühne des Kammertheaters gebracht.

Erzählte Abwesenheit - Uraufführung von Michael Jarrells „Le père“ bei den Schwetzinger SWR Festspielen

05.06.10 (Verena Großkreutz) -
Leichte Zigarrenwürze liegt in der Luft, schon bevor der Vorhang aufgeht im schmucken Schwetzinger Rokokotheater. Kein Wunder: Im Zentrum des Abends steht ein Werk von Heiner Müller, dem ostdeutschen Dramatiker und Intellektuellen, der sich – wie sein Vorbild Brecht – gerne mit einer Zigarre ablichten ließ. Heiner Müller mit Zigarre in der linken Hand ist fotografisch ungefähr so präsent wie Albert Einstein mit gezückter Zunge. Es ist Müllers Prosatext „Der Vater“ von 1958, den sich der Schweizer Komponist Michael Jarrell vorgenommen hat, um ihn in ein „Théatre Musical“ zu überführen, das bei den Schwetzinger SWR Festspielen seine am Ende umjubelte Uraufführung erlebte.

Gestundete Zeit - Martinůs Operneinakter „Ariane“ und Ravels „L'heure espagnole“ in Luzern

17.12.09 (Verena Großkreutz) -
Die Stuttgarter Musikjournalistin Verena Großkreutz hat im schweizerischen Luzern die Premiere zweier Operneinakter von Bohuslav Martinů und Maurice Ravel unter die Lupe genommen und musste feststellen, dass in Martinůs wiederentdecktem Werk die tiefenpsychologische Dimension verfehlt wurde. Dagegen überzeugte die Inszenierung von Ravels Buffo-Oper durch Witz, Tempo und eine grandiose Hauptdarstellerin.

Einfach kompliziert: Porträtkonzert zu Milko Kelemens 85. Geburtstag in Stuttgart

17.11.09 (Verena Großkreutz) -
Der kroatische, heute in Stuttgart lebende Komponist Milko Kelemen antwortete kürzlich in einem Interview auf die Frage, woran man ein gutes Musikstück erkenne: "an der Liebe." Im Stuttgarter Porträtkonzert anlässlich seines 85. Geburtstags, das Kirchenkreiskantor Jörg-Hannes Hahn im Rahmen seiner ambitionierten Konzertreihe "Musik am 13." in der Stadtkirche Bad Cannstatt leitete, dürfte sich Kelemen auf Interpretenseite vieler Brüder und Schwestern im Geiste sicher sein.

Oper im Rausch: Stefan Herheims grandiose Stuttgarter „Rosenkavalier“-Inszenierung

10.11.09 (Verena Großkreutz) -
Am Anfang füllen elektronische Sphärenklänge die kitschigen Weiten des himmlischen Sternenzeltes, das die Bühne überspannt, auf der inmitten von heftig waberndem Trockeneisnebel die Feldmarschallin sitzt und schwer melancholisch ihr alterndes Gesicht im Spiegel betrachtet. Wütend zerschlägt sie ihr Abbild. Erst mit diesem autoaggressiven Ausbruch setzt Richard Strauss' Musik zum „Rosenkavalier“ ein.

Hochgesteckte Ziele: Neues Musiktheater beim Festival „Der Sommer in Stuttgart 09“

21.07.09 (Verena Großkreutz) -
Im Gegensatz zur Oper ist das aktuelle Musiktheater oft nicht mehr auf den Gesang hin konzipiert. Den heutigen Komponisten steht es frei, wie sie das akustische Phänomen mit dem Bühnengeschehen, das wiederum nicht mehr zwingend „Theater“ sein muss, verbinden. In dieser Hinsicht befanden sich die drei Musiktheater-Produktionen, die das Festival für zeitgenössische Musik „Der Sommer in Stuttgart“ vom 16. bis 19. Juli als Schwerpunkt präsentierte, durchaus noch im traditionellen Rahmen, zeigten zum Teil aber auch Mut zum Experiment.

Frei nach Freud: Christian Spuck deutet Glucks „Orphée et Euridice“ in Stuttgart

01.07.09 (Verena Großkreutz) -
Für die Begründer der Gattung Oper besaß der thrakische Singer-Songwriter Orpheus das Charisma eines Schutzheiligen. Rechtfertigte doch die mystische Macht seines Gesanges das gesungene Wort auf der Bühne. Denn gemäß der überlieferten Sage gelang es dem Erzpoeten, dank seiner betörenden Stimme, seine geliebte Eurydike wenigstens vorübergehend dem Totenreich zu entreißen: Überwältigt von der herzzerreißenden Totenklage Orpheus' gab Hades Eurydike frei.
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