Banner Full-Size

Von der Impulsfähigkeit der Musik

Untertitel
Ausnahmetalente der Rostocker Frühförderung in Bad Doberan und Heiligendamm
Publikationsdatum
Body

Rostocks Internationales Zentrum für musikalische Frühförderung an der HMT und die Kronberg Academy realisierten in Heiligendamm und Bad Doberan erstmals gemeinsam das Projekt „Young Artists in Residence“. Impressionen und O-Töne:

Fröhliche, ja glückliche Gesichter auf der Bühne, ungebremste Begeisterung im Saal – so das Bild am 29. Oktober 2021 im Festraum des Friedrich-Franz-Palais im mecklenburgischen Bad Doberan. Es war der abschließende Konzertabend eines Projektes, mit dem Veranstalter wie Organisatoren ihr Exzellenz-Förderprogramm krönten. Hier im Projekt vereint: Das Internationale Zentrum für musikalische Frühförderung an der Hochschule für Musik und Theater Rostock (HMT), die Young Academy Rostock (YARO), und – nun bereits zum zehnten Male – das ebenso lange mit im künstlerischen Boot sitzende Grand Hotel Heiligendamm, das mit seinem wahrlich außerordentlichen Ambiente wieder beste Voraussetzungen bot, um hier mit vier Ausnahmetalenten des Rostocker Frühförder-Zentrums eine Woche lang intensiv zu arbeiten. Auch für das Hotel ist das wieder eine Win-Win-Situation, denn neben der Woche mit den „Young Artists in Residence“ gastieren HMT-Schüler und Dozenten auch sonst öfter in Heiligendamm. O-Ton Susan Franke, Kulturdirektorin (!) des Hotels: „Diese hochbegabten jungen Musiker sind die besten Botschafter für die Region und das Land. Die alljährliche Residenz im Herbst ist ein wichtiger Beitrag unseres regionalen Engagements…“

Nachhaltige Förderung

Über den Sinn musikalischer Frühförderung muss man nicht lange sinnieren. Ein Prospekt verrät das Wichtigste: „In gemeinsamer Verantwortung mit dem Landesverband der Musikschulen in Mecklenburg-Vorpommern werden junge Musikerinnen und Musiker zwischen 8 und 18 Jahren nachhaltig gefördert, individuelle Zugänge zu einem späteren Musikstudium geschaffen und eine lebenslange Begeisterung für die Musik geweckt“. Und fragt man Stephan Imorde, Professor für Klavier an der HMT Rostock und seit Gründung der YARO 2008 deren Leiter, dann darf man mit emphatischer Begeisterung hinsichtlich eines Unternehmens rechnen, das sich als große Erfolgsgeschichte darstellt.

So auch 2021 in Heiligendamm. Und das umso mehr, als es im Jahr des zehnten Jubiläums eine ins Gewicht fallende Novität gab: die Zusammenarbeit mit der in Kronberg/Taunus beheimateten Kronberg-Academy. Sie gilt als „eine der wichtigsten internationalen Ausbildungsstätten für besonders talentierte junge Geiger, Bratschisten, Cellisten und inzwischen auch für junge Pianisten“ – so das Programmheft  in Heiligendamm. Die Rede ist dort von einer „Weltauswahl“ junger Musiker, den Gelegenheiten, sie mit großen Künstlern unserer Zeit zusammen zu bringen und damit auf größtmögliche gegenseitige Inspiration zu setzen. Die Möglichkeiten des Erwerbs von Bachelor- und Masterabschlüssen, aufbauende Professional Studien, ein Precollege-Programm und Konzertauftritte an Kultorten musikalischen Lebens – 2020 Carnegie Hall New York und Wigmor Hall London – ließen den Reiz, sich als HMT Rostock mit dieser Institution in Verbindung zu setzen und die Zusammenarbeit zu suchen, mehr als naheliegend erscheinen.

Und so war denn auch Professor Imordes Genugtuung über das Zustandekommen erster praktischer Kontakte groß, zumal es sich der Gründer und Vorstandsvorsitzende der Kronberg Academy, Reimund Trenkler, nicht nehmen ließ, zum Abschlusskonzert in Bad Doberan persönlich zu erscheinen. Naheliegend schon deshalb, weil er mit Ildikó Szabô (Violoncello) und Valery Sokolov (Violine) zwei junge, aber international bereits sehr erfahrene und bekannte Kräfte aus dem eigenen Hause als Dozenten für Heiligendamm zur Verfügung gestellt hatte. Eine Win-Win-Situation also auch hier, denn beide – so Trenkler – konnten hier Lehrerfahrungen sammeln und die Arbeit mit ganz jungen Talenten, also annähernd in „Generationennähe“ und  auf „Augenhöhe“, ganz praktisch erfahren.

Die HMT wiederum schätzte sich glücklich über Kontakte mit einer Institution, die die eigenen Erfahrungsmöglichkeiten bedeutend zu erweitern imstande war. Professor Imorde – ganz langjähriger und unverändert begeisterungsfähiger Praktiker – sprach gar vom „Sehnsuchtsort“ Kronberg und hing damit die Messlatte der Ansprüche an sein eigenes Vorhaben sehr bewusst recht hoch. In Heiligendamm und Bad Doberan konnte man damit aber auch schon recht zufrieden sein.

Vertiefte Erkenntnisse

Die Projektwoche erwies sich durchgehend als allseitig bestätigter Erfolg. Zu danken ist dabei den beiden genannten Kronberg-Dozenten, der HMT-Violinprofessorin Christiane Hutcap und der Rostocker Hochschuldozentin Lilit Grigoryan, die ihre Aufgaben als Pianistin in zwei Konzerten souverän meisterte. Nicht zuletzt aber auch den vier „Auserwählten“, denen unter der Überschrift „YARO meets Kronberg Academy in Heiligendamm“ alle instrumentale und musikpädagogische Aufmerksamkeit galt: den Frühstudentinnen Paula Prudlo (Violoncello) und Uljana Katushonak (Violine) – unter den Fittichen der beiden Kronberg-Dozenten – und mit Leandra Constantinescu (Violine) sowie Franz Göbel (Violine) zwei weiteren Frühstudierenden der YARO, für deren Unterweisungen Christiane Hutcap verantwortlich zeichnete. Mal so locker unter den beidseitig Beteiligten herumgefragt, blieb ein Eindruck bestimmend: große Zufriedenheit über die Ergebnisse, allseits erfüllte Erwartungen und die Gewissheit, auf eigenen Wegen weitere Schritte vorangekommen zu sein. Für die jungen Schüler etwa auch die einer notwendigen Selbstreflexion, neuer Erfahrungen hinsichtlich effektiven Übens und vor allem vertiefter Erkenntnisse hinsichtlich musikalischer Gestaltung.

Dass das alles – hohe spieltechnische Standards inbegriffen – mit sichtlicher Freude am Musizieren einhergehen kann, bewies der Abend im Bad Doberaner Festsaal. Mit Beethoven und Lutoslawski (Paula Prudlo), Prokofjew und Tschaikowski (Uljana Katushonak) sowie Spohr und Sarasate (Franz Göbel, Leandra Constantinescu) musizierten sich die jungen Musiker auf schon künstlerisch bemerkenswert eindrucksvolle Weise in die Herzen der Hörer. Da kam einem schnell Reimund Trenklers einleitendes Beschwören der integrativen Kraft von Musik in den Sinn, ihrer Kraft, Vorbildwirkung und Impulsfähigkeit, die alle Beteiligten in Rostock wie Kronberg zu einer „wunderbaren Gemeinschaft“ zusammengeführt habe.

Weiterlesen mit nmz+

Sie haben bereits ein Online Abo? Hier einloggen.

 

Testen Sie das Digital Abo drei Monate lang für nur € 4,50

oder upgraden Sie Ihr bestehendes Print-Abo für nur € 10,00.

Ihr Account wird sofort freigeschaltet!