„Miteinanders“ steht als Motto über der KUG- Saison 2026/27 und verbindet zwei zentrale Elemente der Programmgestaltung: Es geht darum, gemeinsam Außergewöhnliches zu gestalten, aber auch darum miteinander anders zu sein, zu werden oder zu bleiben – als Gemeinschaft sowie jede:r für sich. Wie stets spiegeln die Programme der KUG, was in der Lehre erarbeitet und erreicht wird. Weil Kunst eben nicht – nur – von „Können“ kommt, reicht dies tief hinein in die Auseinandersetzung mit sozialen und ethischen Fragen. Wie wollen wir leben? Wie wollen wir miteinanders sein? In insgesamt 21 Produktionen, die sich auf drei Abonnements aufteilen, präsentiert die Kunstuniversität Graz daher wieder ein ganz besonderes und ganz besonders vielfarbiges Programm.
„Die Veranstaltungen der Grazer Kunstuniversität sind seit jeher eine wertvolle Ergänzung des steirischen Kulturangebots gewesen“, stand in der Kleinen Zeitung, nachdem im April das Programm vorgestellt wurde, „aber ihr Wert geht seit einigen Jahren deutlicher als früher darüber hinaus. Die Kunstuni schafft einen (Er)-Möglichkeitsraum für Projekte, die es am sogenannten ,freien Markt‘ schwerer haben.“
Foto: Alexander Wenzel
„Miteinanders“: Motto einer besonderen Abo-Saison
Neue Klänge im Haus für Musik und Musiktheater der KUG
Ganz besonders trifft diese Diagnose auf das abo@ MUMUTH zu, das außergewöhnliche künstlerische Konstellationen vorstellt: neues Musiktheater, elektronische Musik und Klangkunst, avancierten Jazz sowie Performance Practice in Contemporary Music und die eine oder andere Relaxed Performance.
Prominent ist im abo@MUMUTH 2026-27 auch die an der KUG recht neue bildende Kunst eingebunden. Und zwar in gleich zwei Produktionen: In HPSCHD etwa geht es darum, den Techno-Optimismus des historischen Originals von John Cage und Lejaren Hiller ins Heute zu übersetzen: Der im Werk zelebrierte audiovisuelle Overload wird auf seine Bedeutung im Jahr 2026 hin befragt.
KUG-Studium Musiktherapie im Konzert
Relax!@MUMUTH geht als transdisziplinäre, live improvisierte Klanginstallation aus einer klinisch erforschten musiktherapeutischen Praxis mit Monochord und Stimme hervor. Die Forschungsarbeit von Anja Schäfer hat die Wirkung von Monochord und Stimme in der musiktherapeutischen Praxis untersucht, diese Versuchsanordnung wird künstlerisch erweitert – instrumental, mit EchtzeitElektronik sowie einer dialogischen Video und Lichtgestaltung. Die Gesamtdramaturgie soll eine synästhetische, zugleich entspannte und fokussierte Erfahrung ermöglichen.
Traditionell im abo@MUMUTH vertreten ist der Studiengang PPCM – Performance Practice in Contemporary Music, mit dem Klangforum Wien als kollektiver Professur (im Instrumentalbereich). Dessen erstes Konzert widmet sich heuer ganz der KUG-Gastkomponistin Rebecca Saunders und ihrem Raum-Stück „YES“ nach James Joyce. Das zweite bringt unter dem Titel „Konstellationen“ Live-Musik und experimentellen Film in 3D-Surround-Sound zusammen.
Jedes Konzert hat mindestens eine Komponistin im Programm
Im Hauptabonnement wird nicht nur die Vielfalt der Gattungen und Genres großgeschrieben, sondern auch deren Verschmelzung: Schauspiel und Jazz, Kirchen- und Kammermusik, große Oper, großer Chor- und Orchesterklang. Letzterer wird vom Studierendenorchester unter der Leitung von KUG-Professorin Claire Levacher verantwortet, die in ihrer umsichtigen Programmgestaltung auch nie darauf vergisst, dass stets Männer UND Frauen unter den Komponist:innen im Konzertprogramm vertreten sind. So stehen etwa Emilie Mayer, Mel Bonis und KateÅ™ina Horká auf dem Programm.
Drei Opernproduktionen
2026–27 sind in den KUG-Abonnements sogar drei Musiktheaterabende zu erleben, zwei davon im Hauptabonnement: Aribert Reimanns „Melusine“ im Dezember und Jules Massenets „Cendrillon“. Die dritte Opernproduktion ist das Preisträgerwerk des Johann-Joseph-Fux-Opernkompositionswettbewerbes des Landes Steiermark und wird traditionell im Rahmen des ORF musikprotokolls uraufgeführt. Mit „Heute schrieb ich nix“ wird Oper als politische Satire mit Improvisationsanteil gedeutet – Alexander Chernyshkov holt den Autor Daniil Charms ins Heute.
Das stets ausverkaufte Abo für junges Publikum wird von Studierenden der Musik- und Theatervermittlung konzipiert und gestaltet. Diesmal ist es zum Beispiel ganz den geometrischen Formen gewidmet – und trotzdem alles andere als abstrakt.
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