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Emilia Müller und Lotte Stark, beide aus Bamberg, beim Bundeswettbewerb Jugend musiziert  2026 in München und Regensburg. Und was kommt danach? Foto: Oliver Borchert

Emilia Müller und Lotte Stark, beide aus Bamberg, beim Bundeswettbewerb Jugend musiziert  2026 in München und Regensburg. Und was kommt danach? Foto: Oliver Borchert

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Ein Pflichtfach Pädagogik wäre nötig

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MiKADO und die Folgen für die bundesdeutsche Musiklandschaft · Von Barbara Haack
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Über MiKADO wurde in der nmz bereits an verschiedenen Stellen berichtet. Wobei eben nicht das bekannte Stäbchen-Spiel gemeint ist, in dem sich möglichst nichts bewegen soll, sondern die Studie über „Mangel an Nachwuchs im Künstlerisch-Pädagogischen Bereich an Ausbildungsinstituten in Deutschland und Österreich“, in der es um die zukünftige (Nicht)besetzung von musikpädagogischen Stellen geht.

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Die schlechte Nachricht hat die Runde gemacht: Bis 2035 werden etwa 14.700 Stellen in der Musikpädagogik frei, weil die Inhaber:innen in den Ruhestand gehen. Nur etwa 4.000 davon können, berechnet an der Zahl der derzeitig Studierenden, neu besetzt werden. Diese alarmierende Damokles-Berechnung war daher das zentrale Thema der diesjährigen Hauptarbeitstagung des Verbands deutscher Musikschulen, zu der in den Erfurter Kaisersaal geladen worden war.

Im Vortrag von Michael Dartsch, Professor für Musikpädagogik an der Hochschule für Musik Saar, und Kerstin Weuthen, Professorin für Musikpädagogik an der Robert-Schumann-Hochschule Düsseldorf, konnten die Teilnehmenden einen tieferen Einblick in die Details der Studie gewinnen. Das war nicht nur informativ, sondern hatte – in Teilen – auch Ermutigendes. Michael Dartsch hatte es schon im nmz-Interview gesagt: „Wir hoffen, das Ruder noch herumreißen zu können.“ Eine Idee davon, wie das gehen könnte, liefert die Studie nämlich implizit mit – neben der deutlich dunklen Wolke, die über der Zukunft der Musikpädagogik steht.

Diese Wolke zeigt, dass die Zahl der Erstsemester-Studierenden im künstlerisch-pädagogischen Bereich in den letzten 15 Jahren um 45 Prozent zurückgegangen ist. Im Vergleich dazu der künstlerische Bereich: Hier wird die Zahl der Absolvent:innen (Bachelor und Aufbaustudium) die Zahl der offenen Stellen in deutschen Kulturorchestern um ein Vielfaches übersteigen. Sollen die doch alle in die Pädagogik gehen, möchte man appellieren.

Aber so einfach ist es nicht. Die Absolvent:innen müssen das nicht nur wollen, sondern auch können – sprich: gelernt haben. Spätestens an dieser Stelle wird klar, was die Beteiligten eigentlich schon lange wissen: Musikschulen und Hochschulen sitzen im gleichen Boot – und mit ihnen weitere Player wie der Deutsche Musikrat, die Länder und die Kommunen. Chris­tian Fischer, Rektor der Hochschule für Musik Trossingen, fand in der die VdM-Bundesversammlung eröffnenden Podiumsdiskussion deutliche Worte in Richtung der Kolleg:innen auf den Professorenstellen, die nach wie vor ihre Absolvierenden gerne zu Künstler:innen, aber nur selten zu Pädagog:innen machen wollen. Das Problem ist bekannt, aber nicht behoben (siehe auch Seite 1 des beiliegenden Hochschulmagazins).

Zurück zur Studie: Unter anderem ergaben Befragungen unter Studierenden, dass viele, die in der Pädagogik „landen“, zuvor schon Erfahrungen mit dem Unterrichten oder dem Leiten von Ensembles gemacht haben. Was gäbe es also Besseres, als diese Skills bereits in den Instrumental- oder Vokalunterricht an der Musikschule, spätestens in die Studienvorbereitende Ausbildung einzubauen, also ein „Pflichtfach Pädagogik“? Vielleicht sogar in das Curriculum der Musikschulen?

Offenbar empfehlen Lehrende an Musikschulen, auch diejenigen, die ihren Beruf lieben, ihren Schülerinnen und Schülern häufig nicht, in ihre Fußstapfen zu treten. Das mag daran liegen, dass die rein künstlerisch tätigen Kolleg:innen immer noch allzu häufig ein wenig mitleidig auf die Pädagogen blicken, die es eben „nicht geschafft“ haben. Sie vergessen dabei, dass sie selbst auch mal unterrichtet wurden, vermutlich von hochqualifizierten Lehrerinnen oder Lehrern, und dass sie es ohne diese niemals dorthin gebracht hätten, wo sie stehen. Und dass es auch für die Hochschulen und für die rein künstlerischen Berufsbilder demnächst keinen ausreichenden Nachwuchs mehr geben wird. Vielleicht wäre es eine gute Idee, prominente Musikerpersönlichkeiten zu Botschaftern für die Pädagogik zu machen? Oder – zum Beispiel – eine größere gesellschaftliche Anerkennung der Musikpädagogik durch ein Projekt „Musikschullehrkraft des Jahres“ zu schaffen? Schließlich gibt es auch den Lehrer des Jahres…

Der Beruf des Musikpädagogen/der Musikpädagogin sei nicht kreativ genug, wurde von Seiten potenzieller Musikstudierender häufig als Grund für die Entscheidung gegen diese Studienrichtung angeführt. Da konnte Michael Dartsch als Referierender auf der Bühne nicht mehr an sich halten, man sah ihn förmlich die Haare raufen: Wie könne irgendjemand auf die Idee kommen, die EMP (beispielsweise) sei kein kreativer Beruf? Offenbar wird nicht ausreichend über die beruflichen Möglichkeiten informiert, die sich aus einem künstlerisch-pädagogischen Studium ergeben, auch dies ein Ergebnis der Studie. Und auch hier kann Abhilfe geschaffen werden.

Was bleibt, sind die äußeren Umstände, die das Berufsbild wenig attraktiv erscheinen lassen: ungüns­tige oder schlecht planbare Arbeitszeiten, mangelnde Aufstiegsmöglichkeiten – und natürlich die nach wie vor schlechte Bezahlung. Ein Dauerthema, das über allem schwebt. Seit vielen Jahren hören wir Appelle, Plädoyers, Zusagen wie: Wir sind auf einem guten Weg. In wirtschaftlich schlechten Zeiten schwindet die Hoffnung auf Besserung. Aber: Unbedingt sollte auch und gerade jetzt weiter für einen besseren Tarif gekämpft werden, sagt unter anderem Skadi Jennicke, Bürgermeisterin und Beigeordnete für Kultur der Stadt Leipzig, auf dem Podium. In der Tat: Dass das Geld knapp ist, kann und darf kein Argument dafür sein, dass Menschen, die sich in einem für die Gesellschaft so wichtigen Bereich engagieren, permanent prekär arbeiten. Anders als im Mikado-Spiel muss sich hier dringend etwas bewegen.

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