Beethoven-Jubiläum 2020: Erste Pläne zum 250. Geburtstag


20.12.14 -
Bonn - Die ersten Vorbereitungen zum Beethoven-Jubiläum, dem 250. Geburtstag im Jahr 2020, sind angelaufen. Auch die Geburtsstadt Bonn will den Weltstar Ludwig van Beethoven (1770-1827) ausgiebig feiern. Geplant seien mehrere Ausstellungen und ein Kongress mit Fachleuten, sagte Malte Boecker, Direktor im Bonner Beethoven-Haus. «Wir haben mit dem Geburtshaus und der größten Beethoven-Sammlung eine besondere Verantwortung, da mitzuwirken.»
20.12.2014 - Von dpa, KIZ

 

Das Beethoven-Haus will zum Jubiläumsjahr seine Ausstellung überarbeiten. Dafür hat der Haushaltsausschuss des Bundestages dem Museum eine Anschubfinanzierung von 1,5 Millionen Euro zugesagt. Die Gedenkstätte verfügt nach eigenen Angaben über die weltweit größte und vielseitigste Sammlung, unter anderem von Notenblättern, Briefen, Instrumenten und Bildnissen des weltberühmten Komponisten. Mit der Bonner Bundeskunsthalle planen die Experten auch eine kulturhistorische Schau im Jubiläumsjahr.

 

Das Thema Beethoven ist unerschöpflich

Malte Boecker, Direktor des Beethoven-Hauses, im  Interview mit Ulrike Hofsähs, dpa

Frage: 2020 wird der 250. Geburtstag von Ludwig van Beethoven gefeiert. Was hat das Beethoven-Haus vor? 

Antwort: Man kann davon ausgehen, dass Beethoven im Jahr 2020 weltweit gefeiert wird. Wir haben mit dem Geburtshaus und der größten Beethoven-Sammlung eine besondere Verantwortung, da mitzuwirken. An allererster Stelle wollen wir unsere Ausstellung überarbeiten mit dem Anspruch, dass Beethoven 2020 in einer zeitgemäßen Form präsentiert und vermittelt wird. Die jetzige Ausstellung ist etwa 20 Jahre alt und vertraut stark auf die Ausstrahlung der Objekte aus unserer Sammlung, auf die Handschriften, Originalinstrumente oder Hörrohre. 

Frage: Warum wollen Sie die Ausstellung verändern?

Antwort: Weil sich die Besuchererwartungen grundlegend gewandelt haben. Als die jetzige Dauerausstellung konzipiert wurde, besuchten überwiegend Musikinteressierte aus Deutschland das Haus. Die Beschilderung ist etwa nur auf Deutsch. Wir haben mittlerweile aber mehr Besucher aus dem Ausland als aus dem Inland. Ferner bringen viele Besucher ein anderes Vorwissen mit. Wir wollen stärker Rücksicht nehmen und nicht darauf vertrauen, dass die Objekte für sich selber sprechen. Vor wenigen Tagen hat der Haushaltsausschuss des Bundestages dem Beethoven-Haus eine Anschubfinanzierung zugesagt über 1,5 Millionen Euro. Das eröffnet nun neue Gestaltungsspielräume.

Frage: Beethoven ist ja belegt mit Stereotypen…. 

Antwort: Das ist die große Gefahr! Man hat bei den vergangenen Jubiläen versucht, bestimmte Bilder zu vermitteln. 1870 wollte man Beethoven überhöhen. Der Aufbau eines Mythos im 19. Jahrhundert war ganz stark. 100 Jahre später, 1970, war es praktisch das Gegenteil, da haben ihn viele vom Sockel gestoßen. Heute haben wir es hingegen mit einem globalen Phänomen Beethoven zu tun. Wir treten nicht an, für ein bestimmtes Beethoven-Bild zu werben. Es wird darum gehen, die verschiedensten Facetten aufzuarbeiten. 

Frage: Sind Leben und Werk nicht nach fast 250 Jahren auserzählt? 

Antwort: Das Thema Beethoven ist unerschöpflich. Es gibt noch viele, viele offene Fragen. Im Bereich der Quellen tauchen immer wieder Manuskripte auf, die bisher unbekannt waren. Das ist sehr erstaunlich. So ist vor kurzem ein bis dahin unbekannter Brief versteigert worden, in dem der junge Beethoven zu erkennen gibt, wie sehr ihn das progressive Gedankengut der französischen Revolution geprägt hat. Ferner ist ein Großteil von Skizzen noch nicht abschließend erforscht. Sie erlauben Rückschlüsse auf den Schaffensprozess, den wir für einige Werke exemplarisch rekonstruieren wollen. Als drittes wäre die Interpretationsforschung zu nennen. Der Erkenntnisprozess ist bei weitem noch nicht abgeschlossen.

ZUR PERSON: Malte Boecker (44) ist seit Mai 2012 Direktor des Beethoven-Hauses in Bonn. Der Jurist und Musikwissenschaftler hat zuvor unter anderem für die europäische Kulturhauptstadt in Weimar gearbeitet. Das Beethoven-Haus, das Geburtshaus des Komponisten und heutige Museum im Zentrum von Bonn, verfügt nach eigenen Angaben über die weltweit größte und vielseitigste Sammlung mit Noten, Briefen, Instrumenten und anderen Objekten aus dem Besitz Beethovens.