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31.07.08 -
+++ Hitler sammelte Kunst wie ein Insektenforscher Käfer - Deutsches Historisches Museum präsentiert Datenbank zur «Linzer Sammlung»- +++ Aquarelle des Vermählungsalbums von Friedrich Wilhelm IV. zu sehen +++ Graphikmuseum in Münster zeigt Klassiker der Moderne +++
31.07.2008 - Von Webwatch, KIZ

Berlin (ddp-bln). Adolf Hitler sammelte Bilder systematisch «wie Käfer», sagt der Berliner Historiker Hanns Christian Löhr und macht dazu eine pickende Handbewegung, als spieße er zehn, zwanzig Insekten gleicher Ordnung und Klasse nebeneinander auf den Tisch. Der Diktator mochte ländliche Szenen und Idyllen und setzte auch als Sammler gemäß seiner nationalsozialistischen Ideologie vermeintlich Bodenständiges gegen die «Dekadenz» städtischer sozialkritischer, realistischer Malerei, die er ignorierte. Er häufte Bilder von Romantikern, Münchner und Wiener Malern des 19. Jahrhunderts an und erweiterte seine Sammlung «thematisch, aber auch flächig» auf rund 800 Bilder, wie Löhr sagt.

Mit Verspätung wird die Sammlung des früheren Postkartenmalers nun der Nachwelt präsentiert - freilich nicht im «Führermuseum», das Hitler 1950 im österreichischen Linz eröffnen wollte, sondern auf der Website des Deutschen Historischen Museums (DHM) unter der Adresse www.dhm.de/datenbank/linzdb. Hitlers «Privatsammlung» bildete den Grundstock des für das Linzer Museum und andere Häuser bis 1945 im Rahmen des «Sonderauftrags Linz» angelegten Fundus'.

Insgesamt umfasst die Linz-Datenbank des DHM 4731 Werke - neben Gemälden auch Tapisserien, Skulpturen, Möbel und Porzellan. Dabei werden erstmals alle verfügbaren Daten zum Bestand zusammengeführt, Informationen zur Herkunft mit historischen Inventarnummern, Forschungsergebnisse zum Erwerb und zum Verbleib der Stücke und vor allem Fotos, die einst zur Inventarisierung aufgenommen worden waren.
Laut DHM-Sammlungsleiterin Monika Flacke ermöglicht die Datenbank in bislang ungekannter Anschaulichkeit und Tiefe Einblicke in die NS-Kunstpolitik. Sie bietet der Provenienzforschung dank der Zusammenführung der Daten neue Grundlagen.

Für die Provenienzforschung, die der Herkunft und dem Verbleib eines Kunstwerks nachgeht und sie - vom Künstler bis zum aktuellen Eigentümer - möglichst lückenlos nachzuweisen versucht, ist die Kunst aus NS-Sammlungen ein besonderes Problem, weil sie unter oft dubiosen Umständen erworben und nicht selten auch geraubt wurde. Begonnen wurde diese Forschungsarbeit gleich nach dem Krieg durch die Alliierten, die in München Zehntausende Wert- und Kunstgegenstände auf Karteikarten erfassten und zahlreiche Werke sofort restituierten.

Deutsche Finanzbehörden übernahmen diese Arbeit wenige Jahre später. Ziel ist bis heute die Klärung der Besitzverhältnisse und die Rückgabe eventuell ihren Eigentümern geraubter oder abgepresster Gegenstände. Rund 1700 Stücke aus der Linzer Sammlung befinden sich heute in Bundesbesitz, verteilt auf Museen im ganzen Land.

In der DHM-Datenbank finden sich sehr knappe Hinweise auf Schicksale und Repressionen unter komplexen Verhältnissen. Ein Linz-Datenblatt zeigt etwa das Porträt einer lächelnden Fürstin von Sayn-Wittgenstein des Münchner Malers Franz von Lenbach (1836-1904).
«Für die Linzer Sammlung gilt nicht, was bei NS-Sammlungen üblicherweise angenommen wird», sagt Monika Flacke: «Der Anteil nachgewiesener Raubkunst oder Beschlagnahmen ist relativ gering.»

Nicht jeder Kauf ist aber automatisch sauber gewesen. Die Registriernummer des Lenbach-Bildes deutet darauf hin, dass es aus Hitlers «Privatsammlung» in den Linz-Bestand überging - an ihn war es über zwei österreichische Galerien und zuletzt einen Kunsthändler in Berlin gelangt. Doch nicht der frühere Eigentümer hatte es dem Kunsthandel verkauft: Unter «Ereignisse» ist auf dem Datenblatt zuvor
«Beschlagnahmung: Gestapo (Österreich)» vermerkt. Die Rückgabe an den Erben des rechtmäßigen Eigentümers erfolgte erst 2004 - nach lückenloser Klärung der Provenienz.

«Der Kunsthandel hat ein großes Maß an Kollaboration gezeigt», weiß der Historiker Löhr. Wie weit diese im Einzelfall ging, ist zumeist nicht mehr zu klären. Angelika Enderlein, Provenienzforscherin im Bundesamt für zentrale Dienste und offene Vermögensfragen (BADV), das die Reststücke der NS-Sammlungen im Bundeseigentum verwaltet und ihre Herkunft zu klären hat, sieht ihre Arbeit durch Kunsthändler erschwert, die «angeblich seltsamerweise», wie sie ironisch betont, «nicht mehr über Akten aus dieser Zeit verfügen».

Bei den «angeblichen» Aktenverlusten handelt es sich häufig um Belege dafür, dass der Kunsthandel «damals kräftig profitiert hat», wie Enderlein sagt. Etwa durch günstige Kaufpreise: Welche dem Anschein nach legal erworbenen Werke aus «Not-, Flucht- und Zwangsverkäufen» von NS-Verfolgten stammen, sei schwer zu sagen.
Überdies versuchte das NS-Regime zwar, explodierenden Verkaufspreisen per Verordnung Herr zu werden; es sorgte jedoch durch die eigene Kunstsammelwut gleichzeitig selbst für eine Verengung des Marktes.

130 Millionen Reichsmark (zum Vergleich: der Stundenlohn eines Facharbeiters lag seinerzeit bei 80 Pfennigen) legte das Regime allein in der Linzer Sammlung an; der höchste Preis, 380 000 RM, wurde für ein Bild des Malers Carl Blechen gezahlt, «Beim Bau der Teufelsbrücke» von 1824.

Der Markt verengte sich auch durch steigendes Qualitätsbewusstsein des obersten Sammlers. Hitler erteilte den «Sonderauftrag Linz» kurz vor dem Krieg erfahrenen Kunstwissenschaftlern, die sich mit Blick auf die angestrebte Weltgeltung des Linzer Museums und inzwischen geplanter weiterer Häuser an Bedeutung und Rang der Werke orientierten und um eine kunsthistorisch repräsentative Auswahl bemüht waren.

Der Direktor der Dresdner Gemäldegalerie, Hans Posse, der von 1939 bis 1942 die Linzer Sammlung führte, sorgte auch dafür, dass sie wissenschaftlich erfasst wurde. Die Forschungen Hanns Löhrs, ursprünglich angestellt für sein Buch «Das Braune Haus der Kunst» (2005), die der Datenbank des DHM zu Grunde liegen, haben Posses «Dresdner Katalog» als zentrale Original-Dokumentation des Sonderauftrags Linz nachgewiesen, was klare Zuordnungen und Abgrenzungen zu anderen NS-Sammlungen erlaubt.

Zum Sammeln nach fundierten Qualitätskriterien gehörte auch dies:
Von Posse weiß der Historiker Löhr zu berichten, dass er sich die «Privatsammlung des Führers» zeigen ließ «und einiges aussortierte» - der «Käfersammler» Hitler hatte allein 45 Gemälde von Carl Spitzweg erworben.


Aquarelle des Vermählungsalbums von Friedrich Wilhelm IV. zu sehen
Potsdam (ddp-lbg). Eine Ausstellung präsentiert ab Samstag (2.
August) in den Römischen Bädern des Parks Sanssouci ein Vermählungsalbum des preußischen Kronprinzen Friedrich Wilhelm IV.
(1795-1861) und der Prinzessin Elisabeth von Bayern (1801-1873). Es enthält 41 Aquarelle und Zeichnungen von Künstlern aus Preußen und Bayern, die im 19. Jahrhundert in Italien lebten, wie ein Sprecher der Stiftung Preußische Schlösser und Gärten Berlin-Brandenburg
(SPSG) mitteilte. Sie hatten das Album dem Paar 1823 geschenkt.

Die Arbeiten zeigen Darstellungen von Rom und Umgebung sowie Szenen römischen Volkslebens oder biblische Motive. Sie bieten nach Angaben der Stiftung einen einzigartigen Einblick in die Vielfalt deutsch-römischen Kunstschaffens. Das nahezu vollständig erhaltene Album wird zum zweiten Mal der Öffentlichkeit präsentiert. Ergänzt wird es in der Schau durch weitere Erinnerungsstücke an die Hochzeit des Kronprinzenpaares.
Die Ausstellung ist bis zum 31. Oktober zu sehen. Sie ist dienstags bis sonntags von 10.00 bis 17.30 Uhr geöffnet. Der Eintritt kostet 3 Euro, ermäßigt 2,50 Euro.

Graphikmuseum in Münster zeigt Klassiker der Moderne

Münster (ddp-nrw). Das Graphikmuseum Pablo Picasso in Münster zeigt ab Freitag (1. August) mehr als 170 Werke von Georges Braque, Marc Chagall, Alberto Giacometti und Joan Miró. Unter dem Motto
«Maeght: Das Abenteuer der Moderne» sind nach Museumsangaben bis 2.
November Gemälde, Grafiken und Skulpturen aus dem Besitz der französischen Kunstsammlerfamilie Maeght zu sehen.

Die Ausstellung gilt als die bisher größte Präsentation der Maeght-Sammlung in Deutschland. Insgesamt sollen mehr als 120 000 Werke im Besitz der Familie sein, die den Angaben zufolge zu den bedeutendsten Kunstsammlern des 20. Jahrhunderts gehört.

Das Museum ist dienstags bis freitags von 11.00 bis 18.00 Uhr sowie samstags und sonntags von 10.00 bis 18.00 Uhr geöffnet. Der Eintritt kostet sechs Euro, ermäßigt vier Euro. Zudem werden kostenpflichtige Führungen angeboten.

http://www.graphikmuseum-picasso-mu…




















































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