Die musikalische Weltreise der Jazzrausch Bigband geht weiter


01.11.19 -
Dresden/München - Was haben der FC Bayern und die Münchener Jazzrausch gemeinsam? Das Rotationsprinzip. Alle Positionen sind doppelt besetzt. So können die jungen Musiker mit ihrem Techno-Jazz weltweit präsent sein. Bandleader Roman Sladek empfindet es als Privileg, sich nicht auf eine Spielart festlegen zu müssen.
01.11.2019 - Von dpa, Jörg Schurig, KIZ

«Die Ensembleform «Big Band» gibt uns die Möglichkeit, verschiedene Musikrichtungen zu spielen», sagt Sladek, der zuerst klassische Posaune und später noch Jazzposaune sowie Kultur- und Musikmanagement studierte.  Auch das letztgenannte Fach kann er heute gut brauchen, denn zunehmend gilt es weltweite Auftritte der Bigband zu managen.

An der Jazzrausch Bigband ist manches ungewöhnlich. «Jazzrausch» bezieht sich nicht nur auf das Gefühl, das Musik bisweilen auslösen kann, namensgebender Gründungsort war das kleine Lokal «Rausch&Töchter». Inzwischen residieren die Musikerinnen und Musiker, die sich allesamt vom Studium an der Musikhochschule München kennen, im dortigen Technoclub Harry Klein. Die Programme heißen beispielsweise «Dancing Wittgenstein», «Still! Still! Still!» oder «Beethoven's Breakdown», passend zum großen Beethoven Jubiläum 2020.

Dass sie als Bigband mit einem großen Stilmix in einem Technoclub spielen, hat bereits für Schlagzeilen gesorgt. «Ein eigener Hausclub ist in vielerlei Hinsicht etwas Besonderes», sagt Sladek. Fast alle großen Bigbands in der Geschichte hätten so etwas gehabt. «Früher war es ganz normal, dass größere Clubs eigene Hausbands hatten. Gerade in der Anfangsphase, in der man als Ensemble noch nicht sonderlich bekannt ist, stiftet eine Club-Residency Identität und Bekanntheit.» Für die Jazzrausch Bigband gebe es kein besseres «Trainingslager» als in einem Technoclub zu Hause zu sein, meint der Bandleader und hat dabei das Publikum im Blick.

Sladek sieht für den Jazz bisweilen ein Vermittlungsproblem - wenn auch kein musikalisches. Doch oft finde der Jazz kein junges Publikum, weil er nicht in den passenden Lokalitäten angeboten werde. Auch das haben den Ausschlag gegeben, im Technoclub zu jazzen. «Junge Menschen fühlen sich dort wohl und können sich im vertrauten Umfeld leichter auf unbekannte Klänge einlassen. Gleichzeitig gibt es aber auch viele Ältere, die erst wegen uns in den Technoclub kommen und dort eine bislang unbekannte Welt entdecken.»

«Wir möchten verschiedene Menschen und Stile zusammenbringen», formuliert Sladek das Credo. Gerade in diesem Jahr ist die Band weit gereist, hat im New Yorker Lincoln Center, in Russland, Texas oder bei Festivals in Shanghai und Nairobi gespielt. Jetzt erobert sie mehr und mehr klassische Konzertsäle. Am 23. November gibt es in der Münchener Philharmonie im Gasteig die Premiere ihrer neuen Techno- Show «Beethoven's Breakdown». Die zugehörige Platte erscheint Anfang 2020 bei ACT Music. Am 25. März 2020 ist dann die Berliner Philharmonie an der Reihe. Auch Auftritte in Paris, Paraguay und beim Jazzfest in Bonn sind geplant.

Für die Techno-Jazzer aus München ist das freilich auch eine logistische Herausforderung. Etwa 35 Frauen und Männer gehören zur Band, alle Positionen sind doppelt besetzt. «Man kann sich das wie bei einer Fußballmannschaft vorstellen», sagt Sladek. Auf der Bühne stehen immer nur 15 Musikerinnen und Musiker gleichzeitig, an jeder Position gebe es aber einen Wechselspieler. So bleibt die Jazzrausch Bigband auch optisch stets eine Überraschung.

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