Sachsen-Anhalt: „Missverhältnis“ bei Musikschulfinanzierung? - Land soll mehr zahlen


03.05.19 -
Magdeburg - Die Musikschulen in Sachsen-Anhalt haben Personalmangel - wohl auch deshalb, weil für viele die Bezahlung nicht stimmen soll. Zugleich gibt es lange Wartelisten für den Unterricht. Es gibt nun eine Forderung an das Land.
03.05.2019 - Von dpa, Sabrina Gorges, KIZ

Die Finanzierung der Musikschulen ist in den vergangenen 20 Jahren immer mehr zulasten von Kommunen, anderen Trägern und Eltern gegangen. Die durchschnittliche Förderquote des Landes sei seit 1997 von 19,2 auf 12,1 Prozent gesunken, teilten die Linken-Landtagsfraktion und der Landesverband der Musikschulen in Sachsen-Anhalt am Donnerstag in Magdeburg mit. Qualität, Angebotsstärke und Auslastung seien aber gleichbleibend hoch, sagte der kulturpolitische Sprecher der Linken, Stefan Gebhardt. «Das Land zieht sich seit Jahren aus der Förderung zurück», kritisierte er. Um auf lange Sicht Personal halten und guten Unterricht anbieten zu können, benötigten die 21 Musikschulen mit ihren 231 Unterrichtsorten mehr Geld vom Land.

Die Zuschüsse müssten demnach in den kommenden vier Haushaltsjahren um insgesamt zwei Millionen Euro steigen - also um 500 000 Euro pro Jahr ab 2020. Ein entsprechender Antrag liege dem Landtag vor, damit dies bei der Aufstellung des Doppelhaushalts 2020/21 berücksichtigt werden könne, sagte Gebhardt. Das Land fördere die Schulen seit 1998 etwa konstant mit jährlich 3,2 Millionen Euro - aber Träger und Eltern müssten immer tiefer in die Tasche greifen, weil die Kosten gestiegen sind. «Ein Missverhältnis», sagte der Geschäftsführer des Landesmusikschulverbandes, Christian Reineke, der dazu auch mit anderen Fraktionen im Gespräch sei. «Wenn die dynamische Beteiligung des Landes weiter ausbleibt, muss man sich notwendigerweise von der Qualität entfernen.»

Erhöhe das Land die Förderung, wird das Reineke zufolge vor allem in die Bezahlung des Personals fließen, das immer öfter die Einrichtungen verlasse, um beispielsweise in anderen Bundesländern zu arbeiten. «Es gibt einen schmerzlichen Verlust von Festangestellten oder Honorarkräften, weil die Bezahlung nicht stimmt oder Perspektiven fehlen.» In 2018 waren an den 21 Musikschulen 357 Angestellte beschäftigt, 109 davon in Vollzeit. Hinzu kamen 541 Honorarkräfte. Ziel sei es, langfristig junge Leute zu binden, denn bis 2025 werden voraussichtlich mehr als 250 Lehrkräfte im Ruhestand sein. «Gut 30 Prozent sind heute schon älter als 55.»

Aktuell warteten rund 2000 Jungen und Mädchen auf einen Unterrichtsplatz an einer Musikschule - in Magdeburg sei die Warteliste besonders lang. Laut Reineke kommen die meisten Mädchen und Jungen im Grundschulalter an eine Musikschule und nehmen im Schnitt rund zehn Jahre lang Unterricht.

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