Drittmittel sind wie Energydrinks für das Hochschulsystem: Ungesund, aber ohne scheint kaum jemand mehr zu können. Oft erkennt man Hochschulen heute nicht mehr allein an ihren Konzerten oder Seminaren, sondern insbesondere an der Fähigkeit, PDF-Dateien mit möglichst vielen Partnerlogos zu erzeugen. Forschung beginnt nicht mit einer Frage, sondern mit einem Formular, und Kunst beginnt mit einer Exceldatei. Drittmittel heißen Mittel, benehmen sich aber wie Zwecke. Projekte werden oft erfunden, damit Finanzierung existiert, nicht Finanzierung gesucht, damit Projekte möglich werden. Die Hochschule produziert Anträge wie eine spätkapitalistische Phrasenmaschine: immer neue Buzzwords, immer neue Formate, immer neue Innovationssymbolik.
Gordon Kampe. Foto: privat
Energydrink
Natürlich entsteht dabei auch Gutes, doch meistens nebenbei. Der Hauptberuf besteht inzwischen darin, Geldströme ästhetisch zu legitimieren. Professor:innen werden zu Verwaltungs-Hybriden, wissenschaftliche Mitarbeiter:innen zu Buchhalter:innen und die künstlerische Praxis ist oft nicht das Ziel, sondern ein Posten in der Abrechnung.
Besonders unerquicklich wird es dort, wo Armut als Kreativität verkauft wird, prekäre Arbeitsverhältnisse zementiert werden und Netze von Abhängigkeiten entstehen. „Mit wenig Mitteln viel erreichen“ klingt inspirierend, bis man merkt, dass damit eigentlich gemeint ist: drei Personen machen die Arbeit von neun. Drittmittel heißen deshalb Drittmittel, weil die ersten beiden Mittel offensichtlich verschwunden sind. Eine solide Grundfinanzierung wäre nötig, klingt aber lame und bringt keine Pressemitteilung. Meine Studierenden etwa gehören zu den begabtesten, lustigsten und herzlichsten Menschen, denen ich begegnen durfte und zudem: sie schreiben wunderbare Musik. Damit gewinne ich vermutlich keine Drittmittel – aber, verdammte Axt: um sie (die „Studis“) sollte es doch gehen! Vielleicht wäre die radikalste Innovation momentan einfach eine Hochschule, die ihre Leute arbeiten lässt. Ohne Antrag, ohne „Calls“: Denken, Proben, Schreiben, Scheitern: Hochschule.
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