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Moritz Eggert. Foto: Juan Martin Koch

Moritz Eggert.

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Im Kopf hören

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Absolute Beginners 7/8 2026
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Die Arbeitsweise von Komponierenden hat sich im Lauf der Geschichte verändert. Ein Bach verbrachte vermutlich ziemlich viel Zeit im Kerzenschein über einen Schreibtisch gebeugt, mit einem unablässig in Tinte getauchten Federkiel mühsam Noten kritzelnd. Sein Handwerk war der Kontrapunkt und vermutlich war seine Arbeit viel logisches Puzzeln im Rahmen der einmal gesetzten Generalbässe, dabei hörte er ganz sicher die Musik im Kopf.

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Mit Mozart und Haydn setzt sich dann zunehmend das „Clavier“ als Handwerkszeug des Komponisten durch. Die pianistische Machart ihrer Kompositionen zeugt von der Verwendung der Tastatur als eine Art Improvisationsschreibmaschine, sicherlich aber ergänzt durch ein sehr feines inneres Ohr und die Fähigkeit, sich Timbres und Klangfarben sehr genau vorstellen zu können, denn nun setzt zunehmend die Kunst der Instrumentation ein.

Ein Beethoven macht dann das Klavier fast zum Schlachtfeld seiner Kunst – alles wird dem pianistischen Gedanken untergeordnet, selbst wenn er für andere Instrumente komponiert („was interessiert mich seine Geige“). Damit setzt er neue pianistische Standards, die Komponisten wie Liszt oder ­Chopin später zu Höhenflügen inspirieren. Ein Schubert wiederum komponierte so viel in so kurzer Zeit, dass er vermutlich gar keine Muße mehr hatte, das Klavier viel zu benutzen. Erst beim eigenen Spielen merkte er, wie anstrengend ein Stück wie „Erlkönig“ ist (und bereute es sicher).

Die romantischen, spätromantischen und auch frühen modernen Komponisten mussten ebenfalls eine starke innere Vorstellung das tatsächlichen Klangs entwickeln, um ihre Musik zu schreiben. Bei Mahler merkt man die ungeheure Orchesterroutine und die Fähigkeit, sich die Wirkung vorstellen zu können. Auch ein Stravinsky wusste beim Komponieren sehr genau, wie ein „Sacre“ klingt, denn sonst wäre das Stück nicht so effektvoll.

Mit dem Einzug der elektronischen Musik verändert sich dann das Komponieren grundlegend. Wie sieht die Realität heute aus? Die Studierenden benutzen Notenprogramme wie Dorico und Sibelius, die ihnen jederzeit alles vorspielen können. Wer sich ein bisschen reinhängt, kann inzwischen auch komplexe zeitgenössische Spieltechniken mit Samples simulieren, das innere Hören muss kaum bemüht werden. Auch für das Finden von Tönen gibt es allerlei Hilfsmittel – ich kenne viele Kollegen, die sich Akkorde und auch melodische Verläufe von Algorithmen berechnen lassen.

Maschinen produzieren also haufenweise Noten und die Komponierenden suchen dann aus, was ihnen gefällt, anstatt es umgekehrt zu machen: sich zuerst etwas vorzustellen, und dann zu schauen, wie man es umsetzt. Die Umsetzung selbst ersetzt dann oft den kreativen Prozess – man probiert endlos herum, bis es „passt“. Das Problem dabei: die technischen Prozesse bieten immer nur das an, was im Rahmen ihrer Möglichkeiten bleibt. Wahre Innovation dagegen überschreitet Grenzen und Limits.

Ich will die Nutzung der Technik nicht verteufeln – wir alle sind ganz froh, unsere inzwischen immens angewachsene Kommunikation nicht in Sütterlin-Schrift per Hand schreiben zu müssen. Aber dennoch erinnere ich meine Studierenden immer gerne daran das „Hören im Kopf“ ganz bewusst zu üben und zu trainieren, sich also auch mal allein mit einem Skizzenbuch auf eine Parkbank zu setzen und nicht auf das Notenprogramm zu verlassen, das einem die eigenen Ideen mit den immer gleichen Sounds vorspielt.

Dafür gibt es einen Grund: der Kopf ist einfach schneller, die innere Vorstellung kann – wenn sie trainiert ist – viele mühsame Arbeitsschritte des „Herumprobierens“ überspringen und gleich zur Sache kommen. Und das ist doch in unserer gehetzten Zeit viel Wert!

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