Mittlerweile laufe ich nicht mehr weg und den blöden Spruch quatsche ich gern in jedes Mikro. Dass ich damals zu Eis gefror, glaubt mir niemand mehr. – Nun liegen die Aufnahmeprüfungen hinter uns. Und wenn ich etwas daraus gelernt habe, dann dies: Wie sich jemand „verkauft“, ist mir herzlich egal. Ich habe dort eingeschüchterte, zarte, leise Pflänzchen gesehen, die mittlerweile abgehen wie Schmidts Katze. Zum Glück. In Zeiten, wo die Performance, das Drumherum, das geschickte Networking gelegentlich mehr zählt als die Kunst selbst, halten wir doch die Ohren weit offen! Mittlerweile kann man mit der Erforschung der eigenen Befindlichkeiten verschiedenste Karrierewege einschlagen, sogar Doktortitel kann man mittlerweile daraus machen, dass man lange genug über sich selbst nachdenkt. (Sweet!) Der nicht mit gesundem Selbstbewusstsein zu verwechselnde galoppierende Egozentrismus („Me-Time“ – BÄÄH!) wird bis in den letzten Winkel kuratiert und ausgequetscht.
Während der Markenpflege verschwindet gelegentlich die eigentliche Frage: Kann da jemand etwas? Deshalb lohnt es sich vielleicht, den Blick auch einmal von denen zu lösen, die jede Kamera finden, jedes Mikrofon bespielen und jeden Raum beherrschen. Vielleicht sitzt die interessanteste Person hinten in der Ecke, sagt kaum ein Wort und verschwindet nach dem Konzert. Lächeln wir sie an und fragen nach.