Der Deutsche Musikautor*innenpreis der GEMA in der Kategorie „Lebenswerk“ geht in diesem Jahr an den Kölner Komponisten York Höller. Mit bahnbrechenden Werken wie seiner großen Oper „Der Meister und Margarita“ zählt der 82-jährige, mittlerweile erblindete Künstler weltweit zu den prägenden Komponistenpersönlichkeiten unserer Zeit. Als Grenzgänger versöhne er die Neue-Musik-Szene und den „konventionellen“ Musikbetrieb, so die Jury. Höller wird die Ehrung im Rahmen der feierlichen Preisverleihung am 26. Februar 2026 in Berlin persönlich entgegennehmen.
Als Komponist und Lehrer gehört York Höller zu den prägenden Persönlichkeiten der Neuen Musik. Seine einzigartige Musiksprache entwickelte er in der kreativen Auseinandersetzung mit verschiedenen Kompositionsmodellen der Moderne, wobei er sich immer wieder von philosophischen und naturwissenschaftlichen Denkansätzen, aber auch literarischen Texten von Rainer Maria Rilke bis Pablo Neruda inspirieren lässt. Hinzu kommen neben Einflüssen aus indischer und arabischer sowie europäisch-mittelalterlicher Tradition elektronische und pop-musikalische Elemente. Das von Höller entwickelte Konzept der „Klanggestalten“ manifestiert sich in Arbeiten für große und kleine Besetzungen – von Kompositionen für Soloinstrumente bis hin zu großen Orchesterwerken. Sein Instrumentarium umfasst zudem seit Jahrzehnten Computer, Synthesizer, Sampler und E-Gitarren.
York Höller: „Ich betrachte es als große Anerkennung“
„York Höllers Musik versöhnt zwei Kulturen miteinander: die Neue-Musik-Szene und den ‚konventionellen‘ Musikbetrieb“, heißt es in der Jurybegründung. „Gleichermaßen frei von modernistischen Klischees, postmoderner Beliebigkeit oder muffigen Retrotendenzen, ist sie originell, spannungsreich sowie technisch herausragend. York Höller ist ein Grenzgänger, der stets unabhängig von Dogmen und Modeerscheinungen seinen eigenen Weg geht und beharrlich ein großes Werk geschaffen hat.“
Die Nachricht, dass er für sein Lebenswerk mit dem Deutsche Musikautor*innenpreis der GEMA ausgezeichnet werde, habe ihn außerordentlich gefreut, so York Höller. „Ich betrachte es auch als große Anerkennung für mein Lebenswerk, zumal die Jury ja auch aus Kolleginnen und Kollegen besteht, die etwas vom Metier verstehen und offenbar meine Musik schätzen. Dass sie mir nun diese Ehre antun wollten und wollen, dafür bin ich sehr dankbar und das finde ich hocherfreulich.“
Von Stockhausen und den Rolling Stones bis zum Chicago Symphony Orchestra
Der 1944 in Leverkusen geborene York Höller gilt als einer der eigenständigsten und eigenwilligsten Komponist*innen der Gegenwart. In den 1960er-Jahren studierte er an der Kölner Musikhochschule u.a. bei Bernd Alois Zimmermann Komposition sowie Klavier und Orchesterleitung. Wichtige Impulse erhielt er überdies durch Kurse bei Pierre Boulez. Auf Einladung von Karlheinz Stockhausen arbeitete er ab 1971 in Köln im Studio für elektronische Musik des Westdeutschen Rundfunks. Mit seinen dort entstandenen Kompositionen wurde er international bekannt. Später wirkte er am Pariser Forschungszentrum IRCAM, das 1978 mit Höllers „Arcus“ eröffnet wurde. Das Stück gehört zusammen mit dem Klanggedicht „Mythos“ zu seinen am häufigsten aufgeführten Arbeiten. Zuvor wurde sein 1. Streichquartett 1977 bei der offiziellen Eröffnung des Centre Pompidou in Paris uraufgeführt.
Ebenfalls in der französischen Hauptstadt feierte sein Opus magnum, die Oper „Der Meister und Margarita“ nach dem gleichnamigen Roman von Michail Bulgakow, 1989 an der Grand Opéra in der Inszenierung von Hans Neuenfels ihre international erfolgreiche Uraufführung. Die Musikzeitschrift „Fonoforum“ zählte das opulente Werk, in dem Höller auch Musik der Rolling Stones zitiert, zu den zehn besten Opern der vergangenen 50 Jahre.
Darüber hinaus wirkte York Höller lange als Dozent. Nach 14-jähriger Lehrtätigkeit an der Kölner Musikhochschule übernahm er von 1990 bis 2000 die künstlerische Leitung des neu eingerichteten WDR-Studios für elektronische Musik. Überdies wurde er 1993 zum Professor für Komposition an die Hochschule für Musik Hanns Eisler Berlin berufen. Zwei Jahre später wechselte er in gleicher Funktion als Nachfolger Hans Werner Henzes an die Kölner Musikhochschule, wo er bis zu seiner Emeritierung 2009 tätig war. Trotz eines gravierenden Augenleidens, das schließlich zum gänzlichen Sehverlust führte, setzt er seine kompositorische Arbeit bis heute unvermindert fort.
Im Laufe seiner Karriere erhielt York Höller zahlreiche wichtige Kompositionsaufträge. Zum Umzug des Deutschen Bundestages 1999 von Bonn nach Berlin schrieb er beispielsweise das Orchesterwerk „Aufbruch“. Seine Musik wurde und wird von internationalen Spitzenensembles wie den Berliner Philharmonikern, dem Chicago Symphony Orchestra oder dem BBC Symphony Orchestra London unter renommierten Dirigenten wie Daniel Barenboim, Pierre Boulez oder Semyon Bychkov aufgeführt.
Der in Köln lebende Künstler ist u.a. Preisträger des Bernd Alois Zimmermann-Preises der Stadt Köln und des Preises des Internationalen Komponistenforums der UNESCO. 2009 erhielt er den Grawemeyer Award for Music Composition der University of Louisville (Kentucky/USA). Dabei handelt es sich um den mit 200.000 US-Dollar am höchsten dotierten werkbezogenen Musikpreis der Welt. Bereits 1986 ernannte ihn der französische Kulturminister Jacques Lang
zum Chevalier dans l‘Ordre des Arts et des Lettres de la République Française. Seit 1991 ist Höller Mitglied der Berliner Akademie der Künste. 2006 wurde in die Freie Akademie der Künste in Hamburg berufen.
- Die Preisverleihung findet am 26. Februar 2026 in Berlin statt.