Biedere Schwarz-Weiß-Ästhetik statt Hafenspektakel: „Tosca“ am Theater Regensburg


(nmz) -
Nachdem das Theater Regensburg im Juli mit einer „Tosca“ im Hafen ein beachtliches Freiluft-Spektakel hingelegt hatte, folgte zur Spielzeiteröffnung nun die szenisch ernüchternde, musikalisch überzeugende Indoor-Version. Juan Martin Koch berichtet.
15.09.2019 - Von Juan Martin Koch

Dass die reguläre „Tosca“-Produktion mit dem erneut sehr gelungenen Open-Air-Event im Regensburger Freihafen nichts zu tun haben würde, war klar. Ein wenig von deren mitunter ironisch gebrochener Bildhaftigkeit hätte diesem Premierenabend allerdings gut getan.

Stattdessen dominierte in der Regie Dominique Menthas eine unspektakulär ausgeleuchtete, kontrastarme Schwarz-Weiß-Ästhetik die Szenerie (Bühne: Helmut Stürmer, Licht: Wanja Ostrower). Mentha wollte damit offenbar die Konzentration auf die Handlung verstärken, was aber mangels prägnanter oder gar origineller Personenführung nicht gelang.

Bis auf eine winzige, Toscas Sprung ersetzende Schlusspointe konventionell herunterzählt, nahm alles ohne besondere Vorkommnisse seinen Gang, allein der an der Grenze zur (unfreiwilligen?) Schurken-Persiflage sich bewegende Scarpia Adam Kruzels durchbrach dies immer wieder. Ob sein übertriebenes Spiel dabei eine misslungene Hommage an Stummfilmzeiten sein sollte, blieb offen. Vokal ist dieses Urgestein des Regensburger Ensembles nach wie vor ein überzeugender Puccini-Bösewicht, im ersten Akt musste er sich allerdings von Seymour Karimov die Show stehlen lassen, der als Mesner ein vokal-humoristisches Kabinettstückchen ablieferte.

Yinjia Gongs Cavaradossi gewann im Laufe des Abends hörbar an Statur, das Piano, mit dem er das überzeugend gesteigerte „E lucevan le stelle“ ansetzte, war betörend. Unangefochtener Star des Abends war jedoch völlig zu Recht Sinéad Campbell-Wallace. Ihre Tosca vibrierte vor Sinnlichkeit, Intensität und einer Gewalttätigkeit, die sie selbst zu erschrecken schien. Die vokale Skala reichte dabei von weich angesetzten Piani über eine vorbildlich artikulierte Mittellage bis hin zu elektrisierenden, eine körperliche Resonanz im Raum erzeugenden Spitzentönen – herausragend.

Ausgezeichnet waren auch der erweiterte Opernchor und der Cantemus-Chor der Sing- und Musikschule (einstudiert von Alistair Lilley und Matthias Schlier), überzeugendere Orgel-und Glockenklänge hätten den Effekt des „Te Deum“ am Ende des ersten Aktes noch verstärkt. GMD Chin-Chao Lin hielt mit dem exzellent aufspielenden Philharmonischen Orchester die Partitur überzeugend auf Zug, und so schillerten die Farben und Zwischentöne, die man seitens der Inszenierung vermisste, im Orchestergraben.

  • Weitere Termine: 17., 22., 25. September, 1. Oktober, 3., 17., 20. November

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