Die andere Liga – Das Rudresh Mahanthappa Quintet spielte beim BMW Welt Jazz Award


(nmz) -
Als erstes hat Rudresh Mahanthappa sein Publikum mit dem Handy gefilmt – damit seine Frau auch glaubt, dass er ein Konzert in der Fremde gibt und nicht irgendetwas anderes treibt. Ja, er war wirklich da. Und wie. Dass der Altsaxofonist jetzt beim BMW Welt Jazz Award in München auftrat, hat dem Wettbewerb einerseits gut getan, andererseits schon im Vorfeld Fragen aufgeworfen.
26.03.2019 - Von Ssirus W. Pakzad

Denn der in Triest geborene und in Denver, Colorado aufgewachsene Sohn südindischer Eltern spielt nun mal in einer etwas anderen Liga als die restlichen Teilnehmer des „Saxophone Worlds“ überschriebenen „BMW Welt Jazz Awards“. Nicht auszudenken, wie spannend es gewesen wäre, hätte der 47jährige sich mit Kollegen aus seiner Klasse messen müssen.

Mahanthappa, der übrigens nicht nur CDs, Vinyl und USB-Sticks, sondern auch schnieke Socken als Merchandising-Artikel dabei hatte, ist schon ein Phänomen. Unglaublich, wie er die Mikro-Intervalle, die rasant-perkussiven „Konnakal“-Gesänge der indischen Musik, die weit ausholenden Bögen der Bebop-Melodik und die Klangsprache anderer Jazzformen oft in einem langen Atemzug unterbringt, wie er einzelne Töne genüsslich ausgestaltet und dann wieder verwirrende Notenreihen ins Rund des BMW Welt-Doppelkegels schickt, wo sein Konzert an einem frühlingshaften Morgen stattfand.

Während draußen vor der Tür vom Lenz inspirierte Vöglein munter piepten und zwitscherten, stellte er drinnen sein mehrfach prämiertes Album „Bird Calls“ von 2015 vor – Musik also, die auf Originalen von Charlie „Bird“ Parker basiert. Mahanthappa hat sich seinen ganz eigenen Reim auf das Erbe gemacht, das der Bebop-Held hinterlassen hat. Er übersetzte das Vokabular des 1955 verstorbenen Säulen-Heiligen in eine zeitgemäße Sprache mit vielen Dialekten, in eine Ausdrucksweise, in der Indisches, Jazz und auch Rock auf ziemlich homogene Weise zusammenfinden.

Umgesetzt hat Rudresh Mahanthappa seine Parker-Deutungen mit weltmeisterlichen Musikern, die ihn zum Teil schon Dekaden begleiten. Noch nicht ganz so lange ist der Pianist Bobby Avey dabei, der den Temperamentsausbrüchen seiner Kollegen oft ruhige, ausgeklügelte Harmonisierungen entgegensetzte. Den pakistanisch-amerikanischen Gitarristen Rez Abbasi verwickelte Rudresh Mahanthappa immer wieder in muntere, manchmal hitzige Dialoge, in der die Argumente nur so flogen. Hinter ihnen wirbelten der unverschämt virtuose und intonationssichere französische Bass-Autodidakt François Moutin und der Schlagzeuger Rudy Royston, der trotz seines variantenreichen Power-Drummings das unbeschwerte Tänzeln nie vergaß.

An Mahanthappa wird die Jury kaum vorbeikommen, wenn sie das Finale des „BMW Welt Jazz Awards“ zusammenstellen muss. Das findet am 4. Mai im Auditorium der BMW Welt statt.   

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