Konzept schlägt Stimme - Maria De Fatima gewinnt BMW Welt Jazz Award 2010


(nmz) -
Am Samstagabend traten bei der bereits seit vielen Wochen ausverkauften Abschlussveranstaltung des BMW Welt Jazz Award 2010 die beiden Finalisten Maria De Fatima und das Duo Youn Sun Nah und Gitarrist Ulf Wakenius im Auditorium der BMW Welt gegeneinander an. Der Sieger ist gekürt: Maria De Fatima ist die Gewinnerin des BMW Welt Jazz Award 2010. „Voices in Jazz“ war das diesjährige Motto, unter dem insgesamt sechs Ensembles in der BMW Welt ihre ganz eigenen musikalischen Kompositionen zum Besten gaben.
19.04.2010 - Von Ssirus W. Pakzad

Beate Sampson, Redakteurin von BR Klassik, moderierte mit Charme und Expertise durch den Abend. Unter den anwesenden Gästen war unter anderem der Oberbürgermeister der Stadt München, Christian Ude.

Es war fast wie beim etwa zeitgleich abgehaltenen DSDS-Finale: es gab einen Favoritensturz und viele lange Gesichter: Mehrzad statt Menowin, Maria statt Youn Sun. Der große Unterschied: im Auditorium der BMW Welt ging es um Musik. Als Frank-Peter Arndt, Vorstands-Mitglied der BMW-AG den ihm anvertrauten Umschlag öffnete und den Sieger-Namen des 2. BMW Welt Jazz Awards verlas, schien niemand überraschter als die Preisträgerin selbst: Maria de Fatima, der in Deutschland lebenden Portugiesin, stand das freudige Entsetzen im Gesicht.

Mit der (knappen) Entscheidung für die Fado-Jazz-Sängerin hat die fünfköpfige Fachjury bei manchem Anwesenden, bei Experten sowie vermutlich im Hause des gastgebenden Autobauers für Erstaunen gesorgt und Diskussionsstoff geliefert.

Frau de Fatima hätte das Erbe des Fado und der Samba schlüssig und mit sehr persönlicher Note in den Jazz überführt - so oder so ähnlich hieß es in der Begründung  für Platz 1. Man zeichnete eine Frau aus, die im Finale eigentlich nur einen erkennbaren Vorteil ausspielte: sie verfügt im Gegensatz zu ihrer Konkurrentin über das weit größere, offener gestaltete Repertoire. Während es im Vergleich zu ihrem Ausscheidungskonzert kaum Überschneidungen gab, war das (verkürzte)Programm der Zweitplatzierten Youn Sun Nah fast identisch mit dem Auftritt, der ihr das Erreichen des Finales eintrug. Vorwerfen könnte man der Koreanerin vielleicht gerade noch, dass ihre improvisatorischen Ansätze und Verzierungen kaum vom ersten Konzert zu unterscheiden waren – was nicht unbedingt dem Geist des Jazz entspricht.

Der Jury, die ihre Einladung immerhin verantwortet, missfiel die Abwesenheit des Musikstils, der über der Veranstaltung stand. Doch die zarte Frau aus Seoul sieht sich selbst gar nicht unbedingt als Jazz-Diseuse. Ihre Bandbreite reicht von Tom Waits über Egberto Gismonti bis Nat King Cole, von koreanischen Liebesweisen bis zu französischen Chansons. Egal wie das Genre aussah – es trug unverkennbar ihr Gesicht. Stimmlich war sie ihrer Mitbewerberin auf fast schon groteske Weise überlegen: während Maria de Fatima den guten Eindruck aus der Vorrunde verblassen ließ, weil ihr viele Ungenauigkeiten und Ausrutscher unterliefen (fatal: Ornette Colemans „Lonely Woman“), saß bei Youn Sun Nah jede noch so feine Nuance, wurden die Zuhörer vom Klangfarbenreichtum, der Stimmbeherrschung, dem ausgeprägten Gespür für Dramaturgie  und dem immensen Charme der Sängerin überwältigt – was ihr immerhin den Publikumspreis einbrachte.

Wenn die Tagesform für den Gewinn des BMW Welt Jazz Awards wirklich relevant gewesen wäre, hätte die Siegerin nur Youn Sun Nah heißen dürfen. Warum wird überhaupt ein Finale ausgetragen, wenn die Leistung des Augenblicks offensichtlich kaum zählt? Wenn nämlich in erster Linie konzeptionelle Stärken darüber entscheiden, wer aufs höchste Treppchen darf, hätte man den Sieger auch gleich ermitteln können: unmittelbar nach den musikalisch sehr abwechslungsreichen, stets von großem Publikumsinteresse begleiteten Matinee-Konzerten der sechs Anwärter auf den eigens geschaffenen BMW Welt Jazz-Pokal. Youn Sun Nah kann sich immerhin damit trösten, dass sie auch ohne den ersten Platz in diesem Wettbewerb eine Weltkarriere hinlegen wird. Mein Wort drauf.

Kommen wir zu etwas Erfreulichem: der BMW Welt Jazz Award scheint wirklich eine feste Einrichtung im Münchner Kulturleben zu werden. Das Motto der nächsten Runde, die im Frühjahr 2011 über die Bühne geht, steht schon fest: „Two Horns & More“.

Siegerin BMW-Welt Jazz Award 2010

Was hat Herrn Pakzad, den ich in seinen Kommentaren zu den übrigen Konzerten das Jazz- Award sehr schätzen gelernt habe, weil er mit sicherem Gespür für die Authetizität und Qualität sich von den den teilnehmenden Akteuren nicht hat hinters Licht führen lassen, veranlasst, einen solch eingeschränkten Blick für die Entscheidung der Jury einzunehmen?
Ich gehe davon aus, dass er sich nicht von der Puplikumswirksamkeit ( Auswahl der Stücke, Einsatz kindlicher Spielinstrumente, Ausdruck emotionaler Hilfsbedürftigkeit….) hat beeindrucken lassen.
Ich gehe auch davon aus, dass er sich nicht nur durch die Virituosität der Stimme von Youn Sun Nah hat beeindrucken lassen.
Ich gehe auch davon aus, dass er, wenn er den Jazz liebt und sich enttäuscht fühlen kann, wenn ein Konzert einmal nicht den höchsten Ansprüchen entspricht, nicht gleich die Interpretin und ihr Können verwirft.
Deshalb fällt es mir schwer, dem Artikel von Herrn Pakzad eine positive emotionale Neutralität zuzuschreiben. Ich befürchte, er ist, wie auch viele Zuschauer, auf die wirklich gute Kopie einer emotionalen Interpretation der Musik , die Youn Sun Nah gezeigt hat, hereingefallen.
Maria de Fatima ist mit ihrer Authetizität und Persönlichkeit, die auf musikalischen Schnick-Schnack verzichtet, eine herausragende Sängerin des Jazz und….. ich freue mich für alle Menschen, die sie in Zukunft gemeinsam mit ihrer Band erleben dürfen.

K. Weidmann


Herr Pakzad schreibt mir aus

Herr Pakzad schreibt mir aus der Seele. Eine groteske Entscheidung einer offensichtlich verwirrten Jury. Selten so viele schlecht gesungene Passagen in einem einzigen Konzert gehört wie bei Maria de Fatima, die offensichtlich mit der “Endspiel” Situation überfordert war.

Was die Jury dann geritten hat, ihr den Preis zu geben, bleibt schleierhaft. Das Publikum am Abend hat (auch mit seinem Applaus) eindeutig abgestimmt und ist offensichtlich der “bessere Experte”. Wie peinlich auch für BMW, einem ‘zukünftigen Weltstar’ wie Youn Sun Nah, den “Trostpreis” überreichen zu müssen - das haben sich die Macher von BMW so sicher nicht vorgestellt. Wer sind denn bloss diese “Experten” in der Jury ?? Vorschlag: In Zukunft nur noch den Publikumspreis - da bleiben einem solche Peinlichkeiten erspart.

Und dem Herrn Weidmann kann ich nur zurufen: Lieber eine wirklich gute Kopie emotionaler Musik (woher nimmt er nur diese Erkenntnis) - als das was Maria de Fatima im ersten Set abgeliefert hat. Und wenn ich mich recht erinnere war das Thema “Voices” (Stimmen), da ist die Virtuosität u.A. ein ausschlaggebender Faktor.

A. Meier


Das könnte Sie auch interessieren: